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Kabarett im Pöckinger Beccult:Die Ironie des Alltags

Horst Eberl unterhält die PFC-Gäste

Horst Eberl arbeitete als Lehrer, bevor er Kabarettist wurde.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Horst Eberl springt für die erkrankte Sara Brandhuber ein und beweist: Kabarett und Fasching passen bestens zusammen

Früher war vieles besser. Da durften die Männer noch im Stehen pinkeln, die Telefonzelle war "eine Art begehbares Handy" und die Kinder wurden nicht im Auto chauffiert, sondern gingen zu Fuß oder fuhren mit den Radl. Der Musikkabarettist Horst Eberl ist jetzt in einem Alter, in dem er zurückblickt auf seine Jugend in Bad Kohlgrub. Damals träumte er noch davon, ein weltberühmter Ski-Star zu werden. Weil er aber mit seinen sportlichen Erfolgen nicht bei der Damenwelt landen konnte, versuchte er es mit Musik und wurde Liedermacher. Seither feiert er Erfolge mit humorvollen Texten in Sinne seiner Vorbilder Fredl Fesl, Reinhard Mey oder Georg Kreisler. Mal sind seine Lieder frech, mal urkomisch, mal derb und manchmal auch etwas platt. Fast immer jedoch bringen sie die Leute zum Lachen.

Sein Auftritt am Samstag im Söckinger Beccult war nicht geplant. Er sprang kurzfristig ein als Ersatz für die erkrankte Kabarettistin Sara Brandhuber. Obwohl ihn viele der etwa 200 Besucher nicht kannten, verbreitete er mit seinen hintersinnigen, satirischen Liedern von Anfang an Stimmung. Sein Auftritt war professionell-routiniert und stets begleitet von einer ausdrucksstarken Mimik oder einem verschmitzten Lächeln. Schnell vergaßen die Zuschauer, dass er eigentlich nur als Lückenbüßer gekommen war.

Eberl war zunächst Lehrer für Musik und Kunsterziehung in dem kleinen Dorf Pleiskirchen im Landkreis Altötting. Später machte er sich selbständig. Seine Karriere als Musikkabarettist begann 1996, als man ihm zur Eröffnung eines Golfplatzes engagierte ("ich spiele nicht Golf, ich singe nur darüber"). Anfang der 2000er-Jahre erweiterte Eberl seine Golflieder um selbst verfasste Couplets.

Egal, ob er eine Geschichte über "das Arschloch" erzählt, das alles besser weiß oder über Autofahrer, die in der Einfahrt stehen: Eberls Welt ist der Alltag, er lässt die Menschen an seinem Leben teilhaben. Manches wird auch verklärt, wie etwa der Kaugummiautomat, aus dem er als Bub versuchte, einen Blechring für die Angebetete zu angeln. Eberl zeigt sich manchmal selbstironisch ("als der Herrgott die Geduld verteilt hat, bin ich gegangen, weil es mir zu lange gedauert hat") und manchmal kritisch. Im Lied "Die stillen Helden" prangert er die Promis an, die "Blödheiten von sich geben aus ihren Leben". Dabei würden die vielen "bescheidenen Leut" vergessen, die "so viel mehr leisten, wie des Jetset-Gschwerl". Das kommt an beim Publikum, insbesondere am Starnberger See, wo die Besucher eigene Erfahrungen mit den Promis haben. Für sein überspitztes Kokettieren mit Anglizismen ("ihr könnt mir die back side küssen") spenden die Zuschauer großzügigen Applaus und mit seinem Lied über die Peinlichkeiten des Lebens, wenn man sich wünscht, es täte sich ein Loch im Boden auf, spricht er den Besuchern aus der Seele. Eberl hat die Fähigkeit zur Situationskomik und kann mit seiner charmanten Art über sich selbst lachen. Da verzeiht man ihm glatt seine sexistischen Sprüche, die er als bajuwarischer Grantler über seine Frau abgibt oder die vorhersehbaren Witzchen über das offene Hosentürl auf der Bühne oder den stinkenden Pups im Aufzug.

Mit der Kabarettveranstaltung wollte der Söckinger Faschingsclub (PFC) seinem Publikum einmal etwas anderes bieten und hat damit ins Schwarze getroffen. Eberl und der PFC haben bewiesen, dass bayerisches Kabarett und Fasching bestens zusammenpassen. Hoffentlich wird der Auftritt von Sarah Brandhuber nachgeholt, sobald sie wieder gesund ist.

© SZ vom 25.02.2020
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