Süddeutsche Zeitung

Jubiläum:Umfassende Förderung

Verein "Fortschritt" feiert 25-jähriges Bestehen

Dass es sich Peter von Quadt vor 25 Jahren zur Aufgabe gemacht hat, die konduktive Förderung für Menschen mit Behinderung auch in Deutschland zu etablieren, hat einen persönlichen Grund: Sein Sohn Simon kam wegen einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns mit spastischer Lähmung zur Welt. Aus diesem Grund gründete er 1994 den Verein "Fortschritt", der am Samstag Jubiläum feiert.

Der heute 34-jährige Simon konnte mit drei Jahren weder sprechen noch gehen und durchlief zahlreiche Therapien. Anfang der 90er-Jahre stießen seine Eltern zufällig auf die Methode des ungarischen Arztes András Petö: die konduktive Förderung, ein ganzheitliches System für Kinder mit Schädigungen am Gehirn. Auch bei Schlaganfall-, Parkinson- oder MS-Patienten kann die Methode angewendet werden. Ziel ist, den Kindern und Erwachsenen zu möglichst viel Selbstständigkeit zu verhelfen. Mit Hilfe der Konduktoren lernte er schließlich laufen. Dieser Erfolg war der Anstoß für von Quadt, die Therapieform nach Deutschland zu holen. Denn er musste seinen Sohn noch in Ungarn behandeln lassen. "Hunderte Kinder sind damals für die Therapie nach Ungarn gebracht worden", erzählt der 65-Jährige.

Seit der Vereinsgründung vor 25 Jahren hat sich viel getan. Bis heute setzt sich dieser für die Verbreitung der Methode Petös ein. Die 2001 gegründete gemeinnützige Gesellschaft ist heute Träger von vier heilpädagogischen Tagesstätten und 30 Kinderbetreuungseinrichtungen sowie eines mobilen Fachdienstes und einer betreuten Wohngruppe. Alle Fäden laufen in Niederpöcking zusammen, wo sich neben der Verwaltung auch eine heilpädagogische Tagesstätte für behinderte Kinder und eine Kinderkrippe befinden. Was mit einem gemieteten Raum und der Betreuung von acht behinderten Kindern begonnen hat, ist zum Unternehmen mit 400 Mitarbeitern geworden. Ein Meilenstein war die Einbeziehung der konduktiven Förderung in die Ausbildung von Heilpädagogen. "Seit Jahren kämpfen wir dafür, dass das Berufsbild der Konduktoren anerkannt wird", sagt der Starnberger.

Anlässlich des Jubiläums, das der Verein Samstagnachmittag in der Starnberger Schlossberghalle feiert, übergibt von Quadt die Geschäftsführung seiner Tochter Tatijana. Die 32-Jährige ist bereits seit 2017 Mitglied der Geschäftsleitung und dritte Vorsitzende des Vereins. Ihr ist vor allem die Inklusion behinderter Menschen wichtig: "Eine Herzensangelegenheit".

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Quelle:
SZ vom 29.06.2019
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