"Berg zeigt sich der Welt, und wir zeigen Berg die Welt", mit diesem Satz macht der Kulturbeauftragte der Gemeinde, Andreas Ammer, im Gespräch mit der SZ deutlich, worum es ihm im Kern geht. Er will kein abgehobenes Spektakel für eine elitäre Gruppe konzipieren, aber er will auch nicht das Programm für ein durch und durch provinzielles Fest zusammenstellen. Für jeden soll etwas dabei sein, wenn Berg 1200 Jahre alt wird.
Wird? Die Gemeinde am Ostufer des Starnberger Sees ist bereits 1200. Denn am 5. April 822 wird die kleine Johannes-Kapelle in Oberberg erstmals urkundlich erwähnt. Und wie es dem Anlass gebührt, wird zum Ehrentag auch angestoßen: Rathauschef Rupert Steigenberger lädt das Gremium nach Sitzungsende an diesem Dienstag noch zum Umtrunk. Zuvor hatte Ammer, der auch QUH-Gemeinderat ist, seinen Ratskollegen das bisherige Festprogramm vorgestellt. Und man höre und staune, es ist wirklich für jeden etwas dabei: Lesungen, Ausstellungen, Vorträge und Konzerte. Ein Trachtenumzug darf ebenso wenig fehlen wie ein Fußballturnier und ein ganzes Festwochenende. Los geht es bereits im Mai und gefeiert wird bis in den Juli.
Den Anfang machen hiesige Künstler der Ateliertage mit einer Sonderausstellung zum Thema "Rückblick und Visionen" im Marstall. Nicht unbedingt aus Berg, aber in der Umgebung gewirkt haben auch zwei überregional bedeutende Künstler: Herbert Achternbusch und Bernd Zimmer. Achternbusch verbrachte einen Teil seines Lebens in Ambach, dort entstanden Bilder und Filmprojekte. Zimmer hat in jüngster Zeit durch sein Stelen-Projekt STOA169 in Polling im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau Aufsehen erregt. In der denkmalgeschützten Villa de Osa in Kempfenhausen treten beide Künstler mit ihren Arbeiten in einen Dialog.

Drei Wochen lang gewähren die Eigentümer der "Schön Kliniken", die im Besitz der Villa de Osa sind, anlässlich des Jubiläums Kulturinteressierten einen Blick in die Innenräume des Hauses. So dürfte es auch für weniger Kunstbeflissene interessant sein, die Räume des Baudenkmals zu durchstreifen. "Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass man vor dem Verkauf in die Villa reinkommt", sagte Ammer im Gemeinderat.
Geplant sind auch mehrere Lesungen aus der bislang unveröffentlichten Chronik von Paul Huber. Huber war von 1926 bis 1933 Bürgermeister von Berg. Weil er sich weigerte, der NSDAP beizutreten, musste er zurücktreten. 1946 wurde er erneut zum Rathauschef gewählt. Er lieferte in seiner Chronik "Die andere Seite" eine detaillierte Schilderung von Vetternwirtschaft, Vertuschung und Bedrohung im damaligen Bauerndorf Berg, sowie der Machtergreifung der Nazis und der politischen Gleichschaltung des Ortes. Kenner attestieren ihm ein erstaunliches literarisches Gespür. Mit dem Schriftsteller Oskar Maria Graf pflegte er eine Brieffreundschaft. Mit einem weiteren historischen Vortrag wartet der Berger Archivar Heinz Rothenfußer auf. Er hält in den Räumen der Marianne-Strauß-Klinik einen Vortrag über die dunkle Vergangenheit des Hauses in der Nazizeit.
Auch Kabarettistin Luise Kinseher wird an den Starnberger See kommen
Im Gedenken an den 2012 verstorbenen Lied- und Opernsänger, Dirigenten, Maler und Schriftsteller Dietrich Fischer-Dieskau, der bis zu seinem Tod vor zehn Jahren in Berg lebte, findet im Rittersaal von Schloss Kempfenhausen ein Konzertabend statt. Der bekannte Bariton Benjamin Appl, der zu Fischer-Dieskaus wichtigsten Schülern zählt, präsentiert dem Publikum seine Interpretation von Franz Schuberts "Winterreise". Die Pianistin Pianistin Akemi Murakami wird ihn am Flügel begleiten.
Besonders froh ist Ammer über die Erlaubnis der Kirchenvertreter, in der ältesten Kirche der Gemeinde, der Johannes-Kapelle, ein Solokonzert zu veranstalten. "Sie hat zwar nur 35 Plätze", sagt Ammer, aber es sei sicher ein ganz besonders Erlebnis, die spirituellen Klänge des norwegischen Vibraphonisten Karl Ivar Refseth darin zu hören. Auch eine historische Kirchenführung mit dem Kunsthistoriker Benno Gantner ist geplant. Eine lokale Ausgabe des legendären Independent-Musik-Festivals Alien Disko, das viele von den Münchner Kammerspielen her kennen, gibt es im der Villa de Osa zu hören.
Wer Berg zu Fuß erkunden will, der kann an vier kulturhistorischen Führungen der Kunsthistorikerin Katja Sebald durch den Ort teilnehmen. Die Johannes-Kapelle liegt dabei ebenso auf ihrem Weg wie die ehemalige Bäckerei Graf und das Berger Schloss.
"Mein Daheim im Oberland" lautet der Titel des neuesten Episodenfilms des Seeshaupter Filmemachers Walter Steffen. Darin stellt er Persönlichkeiten aus der näheren Umgebung vor - darunter auch den Weßlinger Literaten und Verleger Anton G. Leitner und die Übersetzerin und Dritte Bürgermeisterin von Berg, Elke Link.

Elisabeth Carr ist mit ihren Kunsträumen am See mehrfach dabei - unter anderem mit einem Jazz-Open-Air im Schlosspark Kempfenhausen. Der Berger Kulturverein hat drei klassische Konzerte organisiert - darunter Ludwig van Beethovens Klaviersonaten in Kombination mit Weltliteratur. Besonders stolz ist Ammer, dass er die Kabarettistin Luise Kinseher mit ihrem Programm "Mamma Mia Bavaria" zu einem Gastauftritt im Gasthof "Post" im Ortsteil Aufkirchen gewinnen konnte.
Die Oskar-Maria-Graf-Schule beteiligt sich gleich mit einer ganzen Themenwoche am Gemeindejubiläum, MTV Berg, Feuerwehr und Burschenschaften laden zu drei Tagen Party mit Band und Fußballturnier und Festzug aufs MTV-Gelände am Lohacker ein - schließlich wird der Sportverein heuer 100 Jahre alt und die Feuerwehr 150.
Dass das Programm nicht in Stein gemeißelt ist, versteht sich für Ammer von selbst. "Da kann natürlich noch einiges hinzukommen."
Daten, Uhrzeiten und Reservierungsmöglichkeiten sind im Internet unter http://berg1200.de zu finden.

