Die Gemeinde Inning will nun auch Fairtrade-Gemeinde werden. Darauf hat sich der Gemeinderat am Dienstag in seiner Sitzung verständigt - wenngleich nicht alle Ratsmitglieder darüber gleichermaßen glücklich zu sein schienen. Entsprechend lang fiel die Debatte aus. Dabei ging es vor allem um die Frage, was so eine Zertifizierung an sich überhaupt bringt und was sich ganz konkret dahinter verbirgt.
"Fairtrade" ist ein großes Thema im Landkreis, viele Kommunen, etwa die Stadt Starnberg oder Tutzing, haben sich bereits qualifiziert, und auch der Landkreis darf sich seit 2019 "Fairtrade-Landkreis" nennen. Damit soll ein klares Bekenntnis für fairen Handel vor Ort abgegeben werden. In Inning jedoch konnten sich einige Räte nicht recht vorstellen, wie dies konkret umgesetzt werden kann: "Ich bin ja grundsätzlich dafür, nur würde ich gern wissen, was die Gemeinde und wir als Rat tun können", hakte etwa Johann Ritzer (Freier Bürgerblock Inning) nach. Andreas Diethelm (CSU) fühlte sich als konventioneller Landwirt sogar diskreditiert: "Da wird nur auf uns Bauern losgegangen, Pestizide beispielsweise sind nicht erlaubt, ich kann nicht dafür sein." Und auch die anderen Mitglieder der CSU-Fraktion schienen nur wenig begeistert zu sein - mit Ausnahme von Bürgermeister Walter Bleimaier. Er schaffte es zumindest, aller Kritik zum Trotz, sein Gremium am Ende auf eine neue Referentin für dieses Thema einzuschwören: auf die neue Grünen-Gemeinderätin Agnesa Pfeuffer: "Sie ist dafür bestens geeignet", sagte er.
Pfeuffer schlug vor, sich in jeder Ausgabe des Gemeindeblattes mit eigenen Texten zu "Fairtrade" einzubringen. Konkret soll es dabei um die 17 nachhaltigen UN-Entwicklungsziele, also der Agenda 2030 gehen, zu denen sich auch der Deutsche Städtetag bekannt hat. Dabei geht es um Themen wie Armutsbekämpfung, Gleichstellung, Wasserversorgung, Energiegewinnung, den Schutz von Ökosystemen und nachhaltiger Bewirtschaftung von Flächen und Wäldern. Beispielhaft und in Kooperation mit jeweils einem örtlichen Vertreter aus den einzelnen Bereichen will sie so für das Thema sensibilisieren. Zudem hat Pfeuffer bereits Vertreter der örtlichen Gastronomie, des Handels und auch der Kirche dafür gewonnen, sich in der für die Zertifizierung vorgeschriebenen Steuerungsgruppe zu engagieren. Wer sich vom Gemeinderat außer Pfeuffer noch dafür zur Verfügung stellt, entschied sich in der Sitzung aber noch nicht.