Inning Das neue Wir-Gefühl

Der Gemeinderat hat bei der Aktion Stadtradeln mitgemacht und gewonnen. Vizebürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka über die positiven Folgen

Interview von Christiane Bracht, Inning

Inning hat gewonnen. Der Preis: 2000 Euro vom Landrat. Zu verdanken hat die Kommune ihre Auszeichnung dem Gemeinderat. Alle 17 Kommunalpolitiker haben sich auf den Sattel geschwungen, um drei Wochen lang Radkilometer beim Stadtradeln zu sammeln. Es war das einzige Gremium im gesamten Landkreis, das vollzählig bei der Aktion mitgemacht hat. Motiviert hat sie vor allen Vizebürgermeisterin Monika Schüßler-Kafka. Die SZ sprach mit ihr über den Erfolg und die Folgen.

SZ: 2000 Euro sind eine hübsche Summe. Was will die Gemeinde damit anfangen?

Schüßler-Kafka: Wir wollen mit dem Gewinn dazu beitragen, eine E-Bike-Ladestation in Inning zu installieren. Das war unser Ziel und wir haben es erreicht. Ich bin sehr froh, dass wir gewonnen haben.

Ist eine solche Station überhaupt nötig?

Die Bürger freuen sich, wenn sie mobil sein können. Durch die E-Bikes haben auch ältere oder nicht mehr so fitte Leute die Möglichkeit, um den Ammersee herum zu fahren, egal ob sie den Berg hinauf müssen oder nicht. Es ermöglicht ihnen, gesunde Freizeit zu erleben. Sogar mein Papa fährt mit 85 Jahren noch zum Stall raus, wenn er es einfach rollen lassen kann. Und dann ist es auch eine touristische Geschichte. Viele unternehmen Radwanderungen, wenn sie hier sind. Es kommen aber auch Tagesausflügler mit E-Bikes. Das E-Bike ist auf dem Weg, hip zu werden.

Haben Sie auch eins?

Nein. Aber es wird eins geben. Ich bin jetzt 52 Jahre alt. Meinem Mann habe ich noch ein Rad ohne E-Antrieb geschenkt und ihm gesagt, das wird das letzte dieser Art sein. Da war er erst beleidigt, später hat er gelacht. Aber wenn man nicht mehr gehen kann und nicht mehr radeln, dann ist das eine gute Alternative.

Was schätzen Sie, wie viele E-Bikes gibt es in Inning?

Lassen Sie mich überlegen: mindestens 50. Die Gemeinde hat auch eins. Es wird fleißig genutzt vom Bürgermeister bis zum Gemeindeangestellten. Damit fahre ich zum Beispiel immer nach Starnberg, zum Beispiel zur Awista-Sitzung. Das ist toll. Auch das haben wir 2013 beim Stadtradeln gewonnen. Da ist die E-Bike-Station die logische Fortsetzung. Aber die Station soll, wie gesagt, auch für Touristen sein, die ihr E-Bike dabei haben. Inning ist schließlich eine Tourismusgemeinde und da gehört so ein Angebot dazu.

Ladestationen für E-Autos gibt's im Landkreis ja schon mehrere. Wäre das die erste für E-Bikes?

Nein. In Tutzing und Pöcking sind schon welche. Aber Vorreiter sind wir trotzdem: Unsere Ladestation ist als einzige, die durch den eigenen Schweiß aus der Mitte des Gemeinderats entstanden ist. Wir haben sie uns erarbeitet.

Das war sicher nicht so leicht.

Man braucht ein Ziel, und das muss erreichbar sein. Natürlich haben einige erst gezögert, als ich sie zum Radeln bewegen wollte. Andere haben gemeint, sie fahren so wenig, dass es nichts bringt und dann gab's die Untertreiber. Aber ich bin enthusiastisch. Und was auch wichtig ist, um zu überzeugen: Man muss glaubwürdig lebenund das, was man von anderen fordert, wirklich wollen. Manche sind nur 17 oder 20 Kilometer gefahren, aber es gibt hier keinen Maßstab. Unser Motto war: Jeder Kilometer zählt.

Sie sind, wie man hört, eine große Radlerin und allein fast 1000 Kilometer gefahren.

Ich bin nicht groß. Ich bin nur 1,65 Meter. Aber es stimmt, ich radel gern und viel. In Inning erledige ich alles mit dem Rad. Aber alleine hätte ich es nicht schaffen können, auch wenn ich viel fahre. Ich bin nur ein Zacken am Ritzel, wie andere auch. Das Wir ist wichtig. Beim Stadtradeln haben wir ein richtiges Wir-Gefühl entwickelt im Gemeinderat, und das hält noch immer an. Es ist eine positive Aufbruchstimmung. Ich bin keine Träumerin, auch wenn es sich so anhört. Aber von der Begeisterung fürs Radeln, die ich weitergegeben habe, kommt jetzt etwas zurück. Und jeder kann stolz auf das Erreichte sein.

Was denken Sie, wie lange wird es dauern, bis die Ladestation errichtet werden kann? 2000 Euro reichen sicher nicht dafür.

Als Allererstes brauchen wir den offiziellen Beschluss des Gemeinderats. Der Antrag wird bei der nächsten Sitzung im September beraten. Ich habe die Idee ins Spiel gebracht und die machbaren Möglichkeiten geprüft. Entschieden wird im Gemeinderat. Aber da bin ich guter Hoffnung, vor allem, weil wir gemeinsam parteiübergreifend dieses Ziel anvisiert und erreicht haben. Ich war bei unserem Stromlieferanten, den Stadtwerken Fürstenfeldbruck, und habe das Projekt vorgestellt. Da habe ich offene Türen eingerannt. Sie zahlen den Rest und sponsern auf diese Weise die Säule. Da war ich baff. Ende September soll sie kommen.

Wie muss man sich die Station vorstellen?

Es wird eine 1,70 Meter große Säule sein mit drei relativ großen Fächern. Jedes soll zwei Steckdosen haben, in die ein Akku hineinpasst. Außerdem können dort Helm und Rucksack verstaut werden. Wir gehen davon aus, dass viele zu zweit unterwegs sein werden. Wenn nicht, kann man auch sein Handy dort laden. Wichtig ist, dass man die Fächer absperren kann, denn der Akku ist das teuerste am E-Bike. Sein Radl wird man daneben anbinden können, damit man gemütlich Rast machen kann. Ich wünsche mir noch ein weiteres großes Fach, in das eine Standpumpe und ein Schraubenzieher reinpassen - quasi als Erste-Hilfe-Kasten. Natürlich soll auch dieser einen Schlüssel haben, sonst ist der Inhalt gleich weg.

Wo soll die Säule denn stehen?

An der Hauptstraße, Ecke Münchner Straße gleich gegenüber dem Café Hutter und dem Bachwirt. Dort sollen dann auch die Schlüssel hinterlegt sein.

Und wie viel soll eine Aufladung kosten?

Eine Stromladung entspricht einem Kilowatt. Das sind etwa 15 Cent. Ich denke, es ist einfacher, wenn wir das als Gemeinde zahlen. Wir haben Sonderkonditionen, und finanziell ist es tragbar. Der Gemeinderat entscheidet, wie bereits gesagt, im September darüber. Ich gehe davon aus, dass man die E-Mobilität voranbringen will. In Inning wurde in der Vergangenheit sehr kontrovers über den Verkehr diskutiert. Mit dieser Aktion zeigen wir, dass es gemeinsam geht. Radeln entlastet, wenn auch in geringem Maße, den Verkehr. Ein Ziel erreicht man nur, wenn man einen Schritt vor den anderen setzt.