Ein Haus in bester Lage in Inning für 3,9 Millionen Euro, Quadratmeterpreise um 5000 Euro für Wohnungen in Gilching und Mieten um 15 Euro pro Quadratmeter in Gauting: Das sind die aktuellen finanziellen Größenordnungen auf dem Immobilienmarkt im Landkreis Starnberg. Im Fünfseenland zu wohnen muss man sich leisten können, und billiger wird es wohl nicht. Seit Jahren gehen die Preise stetig nach oben, und nach Prognosen der Kreissparkasse ist auch kein Ende des Anstiegs in Sicht. Das geht aus dem jüngsten Marktbericht hervor, der nun veröffentlicht wurde. Die bunten Linien in den Diagrammen kennen nur eine Richtung: mehr oder weniger stark nach oben. Bis zum Jahr 2023 ist kein Knick zu sehen. "Von Stillstand oder Rückgang der Nachfrage ist am regionalen Immobilienmarkt nichts zu spüren", bestätigt Dominik Winter, Direktor des Immobiliencenters bei der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg.
Winters Feststellung deckt sich mit den Aussagen des Immobilienverbands Deutschland (IVD). In einem Halbjahresvergleich des Marktforschungsinstituts des IVD Süd bis zum vergangenen Herbst stieg das Preisniveau in den Kreisstädten im Münchner Umlands zum Teil weiter deutlich an. "Der enorme Nachfragedruck konnte durch die Corona-Pandemie zu keiner Zeit gebremst werden", erklärte Institutsleiter Stephan Kippes bei der Vorstellung des Regionalreports im Dezember. Wenig überraschend: Starnberg bleibt demnach die mit Abstand teuerste Kreisstadt im Umland; die durchschnittlichen Kaufpreise für freistehende Einfamilienhäuser liegen dort laut IVD nun bei etwas mehr als 1,9 Millionen Euro. Teurer ist es nur noch in der Landeshauptstadt München.
Am stärksten zogen die Preise in Feldafing an, in Herrsching sanken die Mieten leicht
Detaillierte Vergleiche liefert nun auch die Kreissparkasse, die das auf Marktforschung in der Immobilienbranche spezialisierte iib-Institut in Schwetzingen mit einer Analyse des Immobilienmarkts beauftragt hatte. Dieses Institut erfasst nach Angaben der Sparkasse täglich die Preise von etwa 350 000 Immobilienangeboten auf allen relevanten Internetportalen und wertet diese Daten aus. Als Datenbasis dienten Inserate der vergangenen 24 Monate. Die Preise beziehen sich auf Häuser und Wohnungen, die älter als drei Jahre sind.
Am stärksten sind demnach zuletzt die Immobilienpreise in der Gemeinde Feldafing gestiegen. Käufer müssen dort derzeit im Durchschnitt 14 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Einen deutlichen Anstieg gibt es aber auch in der Kreisstadt Starnberg: Laut Statistik der Sparkasse ist dort innerhalb der vergangenen zwölf Monate ein Plus von gut zehn Prozent festzustellen. Die Preise für Einfamilienhäuer liegen laut Marktbericht im Bereich von 630 000 bis 3,6 Millionen Euro. Beim Kauf von Wohnungen wurden Quadratmeterpreise von 5800 bis 6700 Euro ermittelt, die Durchschnittsmieten bewegen sich laut der Statistik im Bereich von 15 bis 16 Euro pro Quadratmeter. Allerdings sind die Spannen sehr groß - je nachdem, ob ein Gebäude renovierungsbedürftig oder schon saniert ist.
Eine Entwicklung gegen den allgemeinen Trend ist allein in Herrsching festzustellen. Dort sind die Mieten innerhalb eines Jahres - zumindest im statistischen Vergleich - ganz leicht gesunken. Nach den von der Sparkasse veröffentlichten Zahlen liegen die Preise dort knapp unter 15 Euro pro Quadratmeter. Nach IVD-Angaben lag die Durchschnittsmiete für Bestandswohnungen im vergangenen Herbst im Raum Starnberg bei knapp 18 Euro. Nach den Zahlen der Sparkasse reicht die Spanne von 9,30 Euro pro Quadratmeter im günstigsten Fall in Seefeld bis hin zum Spitzenwert von 26,75 Euro für eine große Wohnung in der Gemeinde Berg.
Unter einer halben Million ist fast nirgends im Fünfseenland ein Haus zu bekommen
Das Marktforschungsinstitut unterteilt die Angebote in verschiedene Lagen: von einfach bis top. Allerdings nur theoretisch. Denn im Landkreis Starnberg gibt es nach den Kriterien des Unternehmens in kaum einer der insgesamt 14 Gemeinden einfache Lagen, Top-Lagen mit Spitzenpreisen jedoch sehr wohl. Oft liegen sie in der Nähe der Seen. Dafür gibt es - gemessen an diesen Kriterien - in Krailling keine Top-Lage.
Unter einer halben Million ist fast nirgends im Fünfseenland ein Haus zu bekommen. Und dennoch ist die Nachfrage riesig. Sparkassen-Direktor Winter vermutet, dass das Eigenheim für viele in der Pandemie noch interessanter geworden ist, "um ausreichend Platz zu schaffen für die ideale Kombination von Homeoffice und Familie. Zum anderen, weil der eigene Garten oder große Balkon für viele Menschen interessant ist, wenn man längere Phasen oder sogar Urlaube daheim verlebt." Auch IVD-Sprecher Kippes weiß: "Ein eigener Balkon oder Garten sowie ein Arbeitszimmer oder eine Arbeitsecke stehen bei vielen Interessenten auf der Wunschliste."

