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Naturschutz:Alles im Fluss

Mit seltenen Tier- und Pflanzenarten gehört das Aubachtal in Seefeld zu den schönsten Plätzen im Fünfseenland. Das ist vor allem einer rührigen Schutzgemeinschaft zu verdanken, die heuer 20 Jahre alt wird.

Nur sieben Kilometer lang ist der Aubach, der im Plonnermoos entsteht und im Pilsensee endet. Trotzdem haben es das Bächlein und sein Tal drumherum zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Nicht nur deswegen, weil die Gemeinde Seefeld dort ein neues Krankenhaus bauen wollte und damit einen Sturm der Entrüstung auslöste. Es liegt vor allem daran, dass es im Aubachtal so seltene Pflanzen wie fleischfarbenes Knabenkraut, Lichtnelke, Laabkraut, Schwarze Akelei, Teufelskralle oder Kuckuckslichtnelke gibt. In den Brachen des Niedermoors ist der Kammfarn beheimatet ebenso wie der Kammmolch und die Gelbbauchunke. Unterhalb des Hechendorfer Bahnhofs hat sich eine Kiebitzkolonie angesiedelt - eine Sensation. Dass das Aubachtal zu den schönsten Plätzen im Fünfseenland gehört, ist vor allem der Schutzgemeinschaft Aubachtal zu verdanken, die jetzt ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

Seefeld

Frei fließen kann der Aubach nach der Renaturierung.

(Foto: OH)

Von Anfang an dabei ist Ute Dorschner. Die Seefelder SPD-Gemeinderätin gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins und wurde soeben wieder für vier Jahre zur Vorsitzenden gewählt. Aber auch ihr FDP-Kollege Oswald Gasser engagiert sich seit Beginn für das Aubachtal, ebenso wie Ursula Gampe. Auf die Frage, was sich in den vergangenen 20 Jahren gravierend verändert habe, fällt Dorschner darum als erstes "das Alter der Mitglieder" ein. Aber im Ernst: "Wir haben versucht, die Renaturierung des Aubachs zu unterstützen, und das ist uns ganz gut gelungen", zieht sie Bilanz. Treibende Kraft für die Gründung der Schutzgemeinschaft war Eberhard Stich, in den 1980ern FDP-Gemeinderat und langjähriger Vorsitzender des Fischereivereins Pilsensee-Wörthsee.

Seefeld

Damit die Idylle so bleibt, sind oft Arbeitstreffen der Schutzgemeinschaft nötig.

(Foto: OH)

Im Aubach sammelte sich seinerzeit alles, was die kleinen Zuflüsse aus den Höhen rundherum mit sich brachten - Dreck, Gift, Gülle - und spülte es in den Pilsensee. Und das wegen des Gefälles ziemlich schnell. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten angeblich russische oder französische Kriegsgefangene den Bach zwischen dem heutigen Wertstoffhof und dem Pilsensee ausheben und begradigen, damit die feuchten Wiesen entwässert werden konnten.

Schon vor der Gründung der Schutzgemeinschaft am 25. März 1998 hatte die Gemeinde Seefeld ein 3,2 Hektar großes Grundstück zwischen Inninger Straße und See gekauft. Die Bäume auf dem "Fischereigrundstück" werden gefällt, damit das Schilf wieder Licht bekommt, und vom Aubach ausgehend werden zwei Gräben in das Schilf gezogen, die sich je nach Wasserstand mehr oder weniger füllen und die Fläche vernässen. 1997 beginnt die Renaturierung durch das Abflachen und Bepflanzen des Uferbereichs mit Bäumen und Sträuchern, wie es der Gewässerpflegeplan vorsieht.

Seefeld

Im Aubachtal hat sich sogar eine Kiebitzkolonie angesiedelt.

(Foto: OH)

2006 kann der Verein die ehemalige Kläranlage von Oberalting übernehmen, die dem Bauhof der Gemeinde jahrelang als Baustofflager diente. Der Weßlinger Naturschützer Rudi Burger macht einen Plan für die Renaturierung. Ein Flachweiher wird angelegt, ein Insektenhotel gebaut. Aus der 900 Quadratmeter großen Fläche nahe der Staatsstraße 2068 wird eine Idylle. Sehr wohl fühlt sich am Aubach übrigens auch der Biber.

Jetzt ist der Bachlauf zwischen Sportplatz Oberalting und Pilsensee sowie ein Stück bei Delling renaturiert. Es wechseln sich schattige und sonnige Bereiche ab, Flachwasserzonen entstanden, in denen sich verschiedene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln konnten, die es davor dort nicht gab. "Der Bach formt sich nun seine Uferlinien weitgehend selbst und das Wasser fließt insgesamt langsamer", erläutert Dorschner. Es kann sich besser regenerieren, bevor es in den Pilsensee gelangt. So wird auch die Qualität des Seewassers nachhaltig verbessert.

Ein Naturlehrpfad wurde angelegt, Wildblumen wurden gesät. Und immer wieder sind Pflegemaßnahmen nötig, wie das Ausschneiden der Schilfflächen, damit sie Sonne und Licht bekommen. "Sonst gehen sie kaputt", sagt Dorschner.

Im Vorstand der Schutzgemeinschaft ist nun auch Constanze Gentz, die Vorsitzende der neuen Bund Naturschutz-Ortsgruppe Seefeld und Hüterin der Kiebitz-Kolonie. "Eine enge Zusammenarbeit zwischen Schutzgemeinschaft und Bund Naturschutz wird angestrebt", sagt Dorschner. Eine Idee von Gentz für dieses Jahr ist es, "Lesesteinhaufen" anzulegen. Sie sollen Insekten und Reptilien als Lebensraum dienen. Und dann ist ja noch das Stück Bach vom Sportplatz bis Delling, das ebenfalls renaturiert werden soll. Damit die Idylle noch idyllischer wird.

© SZ vom 04.04.2018
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