Hunde bieten mit ihren Eigenarten und ihrer innigen, komplexen Beziehung zum Menschen ein weites Spielfeld für Cartoonisten. Ob verhedderte Leinen, haarige Bettnachbarn, Wachhunde mit Schwebfliegengenen oder ein „Cocktail-Spaniel“: Vieles zum Schmunzeln gibt es in diesem Jahr wieder beim Humorparcours des Vereins Forum Humor und komische Kunst am Ammersee. In der Freiluftausstellung in Stegen werden 25 Cartoons zum Thema „Mensch und Hund“ gezeigt.
Weil am Eröffnungsabend ein kalter Wind pfeift und weiter hinten über dem Ammersee dunkle Wolken stehen, wird Richard Oehmann, einer der beiden Köpfe hinter Doctor Döblingers geschmackvollem Kasperltheater, Sänger, Schauspieler und Mit-Autor des Nockherberg-Singspiels, den kleinen Rundgang bei der Eröffnung kürzer halten. Etwa 40 Interessierte sind gekommen, darunter einige Cartoonistinnen und Cartoonisten. „Nie wird ein Künstler mehr beleidigt, als wenn er gerade gelobt wird“, meint Laudator Oehmann und lässt diese dann folglich selbst ihre Werke kommentieren. Alle seien ausgestellt, veröffentlicht und hätten Preise gewonnen, fasst Oehmann zusammen und verzichtet darauf, die jeweilige Vita herunterzurasseln. Mehr zu den einzelnen Künstlerinnen und Künstlern gibt es ohnehin per aufgedrucktem QR-Code. Begleitet wird die Eröffnung von Musiker Sepp Kaindl auf der Ziach, der extra zwei Lieder auf den Hund umgedichtet hat.
Nach „Sonne, Sommer, Sonnenbrand“ und „Drahtesel, Stahlrösser und Hornochsen“ hat das Forum Humor und komische Kunst in diesem Jahr das Motto „Mensch und Hund“ für seinen Humorparcours gewählt. Ausgesucht werden die eingereichten Arbeiten von einer Jury, in der neben den Vorstandsmitgliedern auch Oehmann und Marcus H. Rosenmüller saßen. Unterstützt wird der Humorparcours von der Gemeinde Inning und der LAG Region Ammersee mit 2500 Euro aus dem Topf „Unterstützung Bürgerengagement“. Die Bilder werden, ähnlich wie Verkehrsschilder, wetterfest auf Metalltafeln gedruckt. Sie stehen den ganzen Sommer über verteilt am Seeuferweg und auf dem Badegelände in Stegen am Ammersee, und auch noch in den Herbst hinein, bis zum 3. November. Kein Witz ist, dass sie der Mensch dort gerade ohne Waldi und Bello betrachten muss, denn auf dem größten Teil des Geländes gilt in der Badesaison von 15. Mai bis 15. September ein Hundeverbot.

Das erste Motiv auf dem Rundgang ist „Trainingspartner“ von Karl-Heinz Brecheis. Zu sehen sind ein kleiner Hügel mit Birkenwäldchen, die Leine kreuz und quer gespannt, an einem Ende ein Hund, der einen Hasen jagt, am anderen der hinterher hechtende Hundehalter. Brecheis, der, wie er sagt, bis vor drei Jahren selbst einen Hund hatte, zeichnete diesen Cartoon aus den nun zugespitzten Erinnerungen an ein ähnliches Erlebnis mit dem Welpen.
In ihre Kindheitserinnerungen taucht Bettina Schipping ein, die sich damals immer einen „Cocktail-Spanier“ gewünscht und eigentlich einen Cocker Spaniel gemeint habe. In ihrem Cartoon sitzt ein Paar am Tisch, der Hund und die Frau prosten sich mit exotischen Getränken zu, und man sieht den Mann denken: „Nichts gegen Hunde. Aber muss es ein Cocktail-Spaniel sein?“

Der Job als Wachhund dagegen ist, wenn man den Cartoonisten glauben kann, weniger beliebt. Rainer Demattio zeichnete eine Einbruchsszene, bei dem der Hund auf den Vorwurf „Und so was schimpft sich Wachhund“ denkt: „Bin doch wach“. Auch bei ihm gab es einen persönlichen Auslöser, denn auf einer Urlaubsreise mit dem Wohnmobil machten sich nachts Einbrecher zu schaffen, wie er berichtet. In die Flucht geschlagen wurden diese von der Ehefrau und nicht vom Hund, der die ganze Aufregung einfach verschlief.

Beim Cartoon „Wie Waldi“ von Hans Reiser kommentiert Oehmann: „ein Wortspiel, das man aufwendig umsetzt“. Detailreich gezeichnet sieht man dort zwei Dackel, einer übt Geige, der andere will nicht. Die Besitzerin mahnt: „Bello, wenn du nicht übst, spielst du niemals wie Waldi“. Eine Sinnestäuschung mit einem Hund und einem Luftballon verarbeitete Rudi Hurzlmeier in „Schwebfliegengene“: Treffen sich zwei Herren, der eine hat einen fliegenden Hund an der Leine. Fragt der eine: „Man hat ihm Schwebfliegengene implantiert?“, antwortet der andere: „ … oder die Leine ist aus Eisen“. Manche Cartoons sind auch selbsterklärend wie „Hundestagesstätte“ von Jasmin Nölling oder „Rudel“ von Markus Grolik. Das Verhältnis zwischen Mensch und Hund bietet viel Stoff für Komik, besonders aus der Sicht der Hunde. „Eine der Tragödien unserer Zeit“ zeigt laut Oehmann Johann Mayr mit seinem Cartoon: Ein Hund blickt traurig auf Frauchen, das auf einer Parkbank geistesabwesend über ihr Smartphone wischt und denkt sich: „Früher hat sie nur mich gestreichelt.“
Mehr Informationen unter www.forum-humor.de
Am Starnberger See ist von Freitag, 12. Juni, an ein ähnlicher Humorparcours zu sehen. Zum Thema „Glückspilze“ werden in Bernried 41 Cartoons auf Schildern im Goldrahmen zu sehen sein – vom Rathausplatz quer durch das Künstlerdorf, entlang der Seepromenade, durch den Park des Buchheim-Museums bis zum Schloss Höhenried. Veranstalter sind der Verein Komische Kunst am See und die Gemeinde Bernried.
Einen weiteren Humorparcours vom Forum Humor und komische Kunst und der Gemeinde Schliersee gibt es in Schliersee vom 8. August bis 3. November im Kurpark Schliersee, mit 35 Cartoons, ebenfalls zum Thema „Mensch und Hund“.

