Die Begegnungsform „Human Library“ gibt es seit 25 Jahren. Sie nahm ihren Ursprung in Kopenhagen. In der „lebenden Bibliothek“ kann man statt eines Buches einen Menschen auswählen, der dann aus seinem Leben, von seinen Erfahrungen oder einem außergewöhnlichen Hobby erzählt. Diese Veranstaltungsform hat nun am Samstag, 8. November, im Bürgertreff Utting Premiere, als Beitrag des monatlichen Treffs „Café Salam“. Wie es ablaufen soll, erläutert Organisatorin Uschi Zenker. Sie ist als Diakonin in der Integrationsbegleitung bei der evangelischen Kirche Ammersee-West tätig.
SZ: In der „Human Library“ stehen quasi lebende Bücher, die befragt werden. Wenn Sie ein solches Buch wären, wie würde Ihr Cover aussehen?
Uschi Zenker (lacht): Mein Cover würde etwas mit Händen zu tun haben. Nicht nur wir helfen Menschen mit Fluchtgeschichte, sondern wir profitieren auch voneinander. „Ein Handschlag von beiden Seiten“ würde auf meinem Cover abgebildet sein. So heißt auch unser Projekt „Hand in Hand in Utting“, bei dem ich hier für zwei Jahre von der Evangelischen Kirchengemeinde in Utting angestellt bin.
SZ: Haben Sie persönlich schon einmal Erfahrung mit einer „Human Library“ gemacht?
Zenker: Ich habe das noch nie ausprobiert. Ich weiß, das gibt es in größeren Städten. In einem Seminar für Kommunikation habe ich davon erfahren.
SZ: Was hat Sie dazu bewogen, dieses Konzept der Begegnung auch in Utting auszuprobieren?
Zenker: Es ist so, dass wir immer wieder kritisiert werden, für unsere Arbeit mit den Geflüchteten. Die Stimmung wird insgesamt kritischer. Die „Human Library“ wurde in dem Seminar als Beispiel einer Aktion vorgestellt. Die Menschen mit Fluchtgeschichte leben zum Teil schon sieben bis acht Jahre hier und es findet kaum ein Austausch statt. Sie müssen Deutsch lernen und es lässt sich prognostizieren, dass sie nicht in ihre Länder zurückgehen können. Sie sind da, und wir sollten uns mit ihnen auseinandersetzen. So wie wir erwarten, dass sie sich auch mit dem Leben in Deutschland auseinandersetzen.
SZ: Wie wird der Nachmittag in der „Human Library“ ablaufen?
Zenker: Es wird einzelne kleine Tische im Raum geben und an jedem Tisch sitzt ein „Buch“. Es gibt Kaffee und Kuchen, man kann auch erst einmal schauen oder gleich auf ein „Buch“ zugehen und sich dazusetzen. Man kann Fragen stellen oder zuhören. Die Leute haben zu einem bestimmten Thema etwas zu erzählen, wie beispielsweise eine spätberufene Pfarrerin. Biografien sind nicht immer gradlinig. Das ist das Thema des Nachmittags. Es sind Alteingesessene dabei und Zugezogene mit internationalem Hintergrund.
SZ: War es schwierig für Sie, genügend Menschen für die lebende Bibliothek zu gewinnen?
Zenker: Alle, die ich gefragt habe, waren begeistert. Im Moment sind es acht Personen, aber es könnten spontan noch mehr werden.
SZ: Werden Sie diese Form der Begegnung etablieren?
Zenker: Wenn es gut funktioniert und die Leute Spaß dran haben, würde ich es gerne regelmäßig machen. Zwei, dreimal im Jahr kann ich mir das vorstellen, weil es auch eine Form der Anteilnahme und des Zusammenhaltes ist, voneinander zu wissen.
Die „Human Library“ im Café Salam findet am Samstag, 8. November, um 15 im Bürgertreff Utting, Bahnhofstraße 31, statt. 15 Minuten sollen die Gespräche von Mensch zu Mensch dauern.


