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Höhenrain:Der "Seenator" aus Höhenrain

Das "Starnberger Brauhaus" will nach Hellem und Spezial auch einen Doppelbock auf den Markt bringen

Es wächst sichtlich in die Höhe, das Starnberger Brauhaus am Waldrand von Höhenrain, nur wenige Meter von der Landkreisgrenze entfernt. Der Rohbau steht bereits, im Inneren des Gebäudekomplexes hingegen wird noch kräftig gearbeitet. Im Januar soll das Millionenprojekt abgeschlossen und die Brauanlage selbst montiert werden. Gleich danach werden Florian Schuh und Karl Heinz Krawczyk mit ersten Probesuden beginnen. Im April, pünktlich zum 500. Geburtstag des Reinheitsgebots, wollen sie dann mit ihren Bieren auf den Markt kommen.

Im Mai haben mit dem symbolischen ersten Spatenstich die Bauarbeiten auf dem 5000 Quadratmeter großen Grundstück am Waldrand von Höhenrain an der Strecke nach Dorfen begonnen. Im Januar soll die Brauanlage montiert werden, die im November auf einer Fachmesse für die Getränketechnologie, der Brau Beviale, in Nürnberg zu sehen war. Es handelt sich Schuh zufolge um eine vollautomatische und hochmoderne Zehn-Hektoliter-Anlage, die im Schichtbetrieb etwa vier bis fünf Sude fabrizieren kann: "Damit können wir maximal 4000 bis 5000 Liter pro Tag herstellen", sagt der Mann, der sein Geld eigentlich als Finanzdienstleiter verdient und nun zusammen mit einem alten Freund, Karl Heinz Krawczyk eine siebenstellige Summe in die Brauerei investiert. Insgesamt verfüge das Sudhaus über eine Kapazität von 5500 Hektoliter im Jahr. Neue Lager- und Kühltanks haben die beiden gerade eben erst gekauft, insgesamt finden dort nun 220 Hektoliter Platz; mit dieser Menge wollen die beiden auch starten.

Starnberger Brauhaus

Das naturtrübe Kellerbier wird in kleinen 0,33-Liter-Flaschen verkauft, direkt in der Brauerei oder in Geschäften in der Region.

(Foto: Starnberger Brauhaus)

Einen Braumeister dafür haben Schuh und Krawczyk schon gewonnen: Es handelt sich dabei um Sven Leindl, der seine Ausbildung zum Brau- und Mälzmeister an der Doemens-Akademie in Gräfelfing absolviert hat und zuletzt bei der Privatbrauerei Stöttner in Niederbayern an der Seite des dortigen Chefs den gesamten Brauprozess für verschiedene Helle, Weizen, Radler, alkoholfreie Biere und diverse Starkbiere mitverantwortete. Beim Starnberger Brauhaus in Höhenrain wird der ehrgeizige 38 Jahre alte Braumeister sein Können nicht gleich bei so vielen verschiedenen Biersorten unter Beweis stellen können: Das Starnberger Brauhaus will seine Braugeschichte mit zwei Sorten begründen: einem "Starnberger Hell" und einem "Starnberger Spezial". Bei letzterem handelt es sich um ein naturtrübes Kellerbier, das in eine 0,33-Liter-Vichy-Flasche abgefüllt werden soll. Dabei handelt es sich um eine besonders schlanke Flasche, die die beiden Brauherren ausgesucht haben, weil sie sie als "optimal für den direkten Genuss aus der Flasche bei Festen oder an der Bar" einschätzen.

Das Etikett für das Spezial steht bereits fest. Über das Label für das Helle hingegen, das ganz normal in Halbliterflaschen auf den Markt kommen soll, wollen sie auf ihrer Facebook-Seite und auf ihrer Homepage abstimmen lassen. Gesichert haben sie sich hier schon sehr früh eine der Bayern-Domains, und zwar die Adresse "www.brauerei.bayern", die große Brauereien in München sicher ebenfalls gern für sich in Anspruch genommen hätten.

Aufmerksamkeit haben die beiden neuen Brauer aus Höhenrain damit schon gewonnen; auch bei der Berger kommunalpolitischen Gruppierung Quh (Quer. Unabhängig. Heimatverbunden), die unter dem Vorsitz von Andreas Ammer monatlich kleinere Mengen Craft-Bier unter dem Namen "Brauerei Schloss Berg" produziert. Deren Ziel ist es, eine geeignete neue Braustätte zu finden, um die historische Brauerei Schloss Berg zu neuem Leben zu erwecken. Eine Konkurrenzsituation befürchten die beiden kleinen Brauereien wohl aber nicht. Als die Pläne der beiden Starnberger bekannt wurden, äußerte sich Ammer erfreut und sprach gleich von der "neuen Biermetropole Berg".

Auch Schuh und Krawczyk sehen bei sich selbst andere Ziele: Sie wollen sich klar von der Craft-Bier-Szene absetzen und erst einmal mit klassischen bayerischen Biersorten in der Branche Fuß fassen. Denn nach dem Hellen und dem Spezial wollen sie ihre Weißbierproduktion aufnehmen und im nächsten Jahr auch einen Doppelbock unter dem Namen "Seenator" in den Verkauf bringen. Zu beziehen sein werden alle Biere direkt in der Brauerei in Höhenrain und bei regionalen Händlern. Mit einigen haben Schuh und Krawczyk bereits Verträge abgeschlossen. Auch in der Gastronomie gibt es Abnehmer. Näheres dazu wollen sie im April bekanntgeben.