Der Umbau ist seit 2009 beschlossene Sache, brauchbare Pläne liegen seit 2012 in der Schublade, 2013 bekräftigte der Stadtrat das Vorhaben: Das Starnberger Bahnhofsgebäude am See, längst im Eigentum der Stadt, sollte eigentlich ein "Haus des Bürgers" und eine Art "Kultur-Bahnhof" werden. Gastronomie auf der West-, Kultur auf der Ostseite - so lautete die Kurzformel für das Haus am See, das 1855 nach Plänen des Architekten Friedrich von Bürklein im "Maximilian-Stil" erbaut wurde. Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, aber auch Versammlungen kleinerer Vereine und Gruppen sollten hier stattfinden, auch die Tourismusinformation hätte einziehen sollen. Doch aus den ambitionierten Plänen ist bislang nichts geworden. Nun wirft die Starnberger SPD das Thema wieder auf und fordert die rasche Sanierung des teilweise maroden Bahnhofsgebäudes.
In der mit historischen Bauten nur spärlich gesegneten Kreisstadt nimmt das Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert eine Sonderrolle ein. Nach Ansicht der SPD ist es "ein Musterbeispiel für die Architektur jener Zeit und prägt das Erscheinungsbild Starnbergs" - eine Visitenkarte der Stadt. Mit dem Bahnhof am See habe man einen "einzigartigen Schatz ihrer Geschichte, ihrer Kultur und Identität", der allerdings dringend sanierungsbedürftig ist - und das schon seit Jahren. Reparaturen reichen längst nicht mehr aus, um das historische Erbe für nachfolgende Generationen zu erhalten. Das weiß auch die Stadtverwaltung. Doch abgesehen von der Buchhandlung, die sich im Untergeschoss eingemietet hat, und dem "Wartesaal für allerhöchste Herrschaften", der ab und zu von der Stadt für kulturelle Zwecke genutzt wird, ist das übrige Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, bislang ungenutzt.
Im Dezember 2015 überraschte Bürgermeisterin John den Stadtrat mit der Ankündigung eines "Interessenerkundungsverfahrens", die bisher erarbeiteten Pläne hatten keine Gültigkeit mehr: Potenzielle Investoren sollten ein "überzeugendes, stimmiges Konzept" für die Nutzung des Hauses vorlegen und ihre Leistungsfähigkeit nachweisen. Gefordert waren konkrete Aussagen über Gastronomie, Kultur, Umbau und Sanierung sowie ein Angebot zur Umsatzpacht nebst fiktivem Businessplan für das Jahr 2018. Doch das Echo auf die "unverbindliche Markterkundung", wie John es bezeichnete, fiel ernüchternd aus: Die Zustände blieben so, wie sie waren.
Nun aber dringt die SPD auf Abhilfe. Die Stadt möge den Seebahnhof nach erfolgter Sanierung mit neuem Leben füllen, beantragt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Tim Weidner. Er schlägt für die künftige Nutzung drei barrierefrei gestaltete Bereiche vor: Die Bahnhofsbuchhandlung, den "Wartesaal für allerhöchste Herrschaften" als Raum für Trauungen, Empfänge und kultureller Treffpunkt sowie die - bislang ungenutzten - Bereiche im Obergeschoss als Begegnungszentrum für die Bürgerschaft, Ausweichmöglichkeit für die Volkshochschule sowie als Anlaufstelle für Vereine, die Raumbedarf haben.
Das ist im Grundsatz alles nicht neu, einleuchtend aber ist die Begründung: Bisher gehörten das Projekt "Seeanbindung" und die Zukunft des Bahnhofgebäudes untrennbar zusammen. Da - nach jüngster Aussage der Stadtverwaltung - mit einem Baubeginn zur Seeanbindung jedoch frühestens im Jahr 2030 zu rechnen sei, könne "eine grundlegende Entscheidung zum Bahnhofsgebäude nicht mehr länger offen gehalten werden". Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn, fürchtet die SPD, würde der Baubeginn für die Seeanbindung sogar noch wesentlich später erfolgen.
Spannend bleibt die Frage, in welchem Zustand der gelegentlich als "Schmuckstück" bezeichnete Bahnhof nach zahllosen undokumentierten Umbauten tatsächlich ist. Darüber, wie viele Millionen der Umbau letztlich kosten wird, lässt sich nur spekulieren. Die SPD, die zudem fordert, dass sich die Stadt um die Landesgartenschau bewirbt, hofft auf Unterstützung durch Bund und Land mit dem Bauförderprogramm "Stadtumbau" oder die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Das bislang so erfolglose Interessenbekundungsverfahren der Stadt soll dagegen beendet werden.
