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"Herrschinger Konzerte":Verhaltene Vergnüglichkeit

Mit einem fulminanten Oktett von Franz Schubert wird die Leiterin der Klassik-Reihe verabschiedet

Von Reinhard Palmer, Herrsching

Der Neustart war hier zugleich auch ein Ende. Einerseits der sonst der Pandemie zum Opfer gefallenen Konzertsaison, andererseits laut der Geschäftsleiterin der Herrschinger Volkshochschule, Michaela Wirries, der Zuständigkeit: Die älteste Konzertreihe im Landkreis, die "Herrschinger Konzerte", werde an den örtlichen Kulturverein übergeben. Für die langjährige Fachbereichsleiterin, Brigitte Altenberger, die von der Programmgestaltung bis zum Kartenverkauf so ziemlich alles alleine zu stemmen hatte, kam daher der Zeitpunkt, sich zu verabschieden.

Und das bekam mit dem letzten Konzert in ihrer Zuständigkeit einen fulminanten Rahmen: Zwar nicht mit Pauken und Trompeten, doch mit dem Oktett F-Dur D 803 von Franz Schubert in einer kleinorchestralen Besetzung. Laut einer Aussage des Komponisten habe er sich mit den Werken, die um das Jahr 1824 entstanden, "auf diese Art den Weg zur großen Sinfonie bahnen" wollen. Dass Schubert sich über die Kammermusik dem symphonischen Fach annäherte, ist in seinen Orchesterwerken auch deutlich nachvollziehbar, spielt doch die feinsinnige Klanglichkeit immer die nahezu zentrale Rolle. So ist das Oktett zwar in seinen Dimensionen wie in der großförmigen Anlage der Sinfonie schon nahe, doch in der Ausgestaltung und Detailliebe ebenso ein überaus empfindsames Werk der Kammermusik, die bei Schubert immer auch feinste Klanggestaltung und harmonische Finesse bedeutet.

Hechendorf: Brigitte Altenberger

Brigitte Altenberger verabschiedet sich als Leiterin der "Herrschinger Konzerte".

(Foto: Nila Thiel)

Oktette als Ensembles sind eher eine seltene Angelegenheit, sind die Anfragen der Veranstalter schon alleine aus finanziellen Gründen eher selten. Doch die Besetzung des Abends war bereits gut eingespielt, zumal sie in der Basis mit dem Amadis-Quartett auf ein festes Ensemble baute. Die Streicher Uta Hannabach und Traudel Reich an den Violinen, Veronika Stross an der Viola sowie Felix Stross am Violoncello bekamen mit Max Fraas am Kontrabass einen überaus feinsinnigen Mitgestalter in den Tiefen, der seiner Rolle als Vermittler zwischen Streichern und Bläsern mit viel Fingerspitzengefühl absolut gerecht wurde. Einfühlsam fügten sich auch die Bläser mit Oliver Klenk an der Klarinette, Carlos Duque am Horn sowie Ruth Gimpel am Fagott für warmtonige Klangfülle sorgend ins Ensemble ein.

Schuberts klangliche Süffisanz war damit gut bedient und auch der Reichtum an charakterlichen Ausprägungen fand in dieser Besetzung eine weitdifferenzierte Umsetzung. Schon im Kopfsatz ist davon eine Menge gefordert, legte doch Schubert gleich zur Anfang das inhaltliche Programm weitgehend fest. Sozusagen ein Versprechen, das hier im Saal des Hauses der bayerischen Landwirtschaft zwar am Anfang noch etwas verkopft - was nach der langen Konzertierpause der Musiker auch nicht verwunderte -, aber relativ schnell mit tiefen Empfindungen eingelöst wurde.

Herrsching: Hdb Landwirtschaft - Amadis Quartett

Das Konzert bestritten unter anderem Felix Stross (Violoncello), Max Fraas (Kontrabass), Carlos Duque (Horn), Ruth Gimpel (Fagott) sowie Oliver Klenk (Klarinette).

(Foto: Nila Thiel)

Definitiv brach das Eis im mitreißend wirbelnden Allegro vivace, in dem die Musiker für den vergnügten Tanz einen beherzt-musikantischen Schwung zuließen. Auch das Allegretto-Menuett ist mit seiner hier präzisen Rhythmik ein Tanz, doch die acht Musiker verstanden es, die Anhaltspunkte in der geschmeidigen Melodik und den dialogisierenden Passagen richtig zu deuten und über verhaltene Vergnüglichkeit nicht hinauszugehen. Mit den leisen Passagen tat sich gerade das Streichquartett in der Klanggestaltung etwas schwer. Klenks Versuch, im Adagio mit seinem solistischen Klarinetteneinsatz von empfindsamer Zartheit eine weite Rücknahme einzufordern, konnte das Ensemble nur bedingt folgen. Dennoch ließ das Oktett mit kammermusikalischer Leichtigkeit, wie sie im Andante mit sieben Variationen für schlanke Agilität sorgte, Frische und schillernde Farbigkeit nicht vermissen.

Am überzeugendsten traten die Musiker mit dramatischen Verdüsterungen auf, mit denen die Andante-Einleitung des Schlusssatzes für Spannung sorgte, die sich anschließend im Allegro mit tänzerischer Verve entlud - um im entfesselten Finale sogar Euphorie zu entfachen, was einen nachhaltigen und mit frenetischem Applaus gedankten Eindruck hinterließ.

© SZ vom 16.06.2021
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