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Ammersee:Wo der Weiherbeiß lauert

Transparent und nur knapp einen Millimeter lang; Zerkarien sind praktisch unsichtbar.

(Foto: oh)

Zerkarien verursachen Juckreiz nach dem Baden im Ammersee

Von Armin Greune, Herrsching

Als ob die gegenwärtige Mückenplage nicht schon arg genug wäre. Jetzt kann man sich nicht nur am Ufer, sondern auch wieder im Wasser juckende Quaddeln einfangen. Was der Volksmund "Weiherbeiß" nennt, bezeichnen Ärzte als Badedermatitis - für Veterinäre aber heißt die Krankheit korrekt Entenbilharziose. Denn obwohl die Erreger eng mit denen der gefürchteten tropischen Bilharziose verwandt sind, ist eine Infektion für Menschen zwar mit einem lästigen Juckreiz verbunden, aber eigentlich ungefährlich. Nur wer sich beim Aufkratzen der Quaddeln eine Sekundärinfektion einfängt, sollte den Arzt aufsuchen.

Bei den Erregern handelt sich um als Zerkarien bekannte Egellarven: Sie bohren sich normalerweise durch die Schwimmhäute der Füße von Enten, Gänsen, Schwänen, Haubentauchern, Bibern oder Bisamratten und gelangen so über das Blutgefäßsystem in die Venen des Darmes. Dort entwickeln sich die Saugwürmer und die Weibchen produzieren Eier, die über den Darm der Wirtstiere mit dem Kot ins Wasser gelangen. Aus ihnen schlüpfen die sogenannten Flimmerlarven oder Miracidien, die als Zwischenwirte Wasser- oder Schlammschnecken befallen. Nach einer ungeschlechtlichen Vermehrung entwickeln sich die Miracidien zu den Y-förmigen Zerkarien weiter, die von den Schnecken bei Wassertemperaturen um 25 Grad ausgeschieden werden. Zerkarien sind einen Millimeter lang, überleben frei schwimmend maximal drei Tage und müssen deshalb rasch geeignete Endwirte finden - oder sie befallen notfalls Fehlwirte wie Menschen. Deren Immunsystem tötet die Larven zuverlässig ab, es kommt allenfalls zu einer geringen Hautreaktion. Beim zweiten Kontakt tritt jedoch eine Sensibilisierung ein: nach etwa zehn Stunden bilden sich Quaddeln, die bis zu 14 Tage lang stark jucken.

Heuer sind jetzt die ersten Fälle von Badedermatitis in der Herrschinger Bucht bemerkt worden. Doch der Weiherbeiß ist im Hochsommer der Vorjahre auch im Starnberger See, Wörthsee und vielen kleineren Gewässern aufgetreten. Besonders häufig halten sich Zerkarien im flachen, warmen Wasser auf, dort wo auch Schnecken und Enten Pflanzenbewuchs vorfinden. Wer etwa von einem Steg aus badet, kann das Befallsrisiko deutlich senken. Außerdem sollte man sich nach dem Aufenthalt im Wasser gut mit dem Handtuch abreiben und die Badesachen wechseln, Zerkarien trocknen rasch aus.

© SZ vom 20.07.2016

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