NS-VergangenheitHerrsching sucht Ersatz für umstrittene Straßennamen

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Madeleine Ruoff soll sich in der NS-Zeit an arisierten Immobilien bereichert haben, auch Erich Holthaus und Alfred Ploetz gelten als ideologisch belastet. Die Straßenschilder wurden durch Täfelchen mit QR-Code ergänzt, dahinter verbergen sich Texte, die Kreis- und Gemeindearchivarin Friedrike Hellerer verfasst hat.
Madeleine Ruoff soll sich in der NS-Zeit an arisierten Immobilien bereichert haben, auch Erich Holthaus und Alfred Ploetz gelten als ideologisch belastet. Die Straßenschilder wurden durch Täfelchen mit QR-Code ergänzt, dahinter verbergen sich Texte, die Kreis- und Gemeindearchivarin Friedrike Hellerer verfasst hat. Georgine Treybal

Der Beschluss des Gemeinderates, Straßennamen von Personen mit NS-Vergangenheit umbenennen zu wollen, erzeugt viel Aufregung. Doch noch ist es nicht so weit, stellt die Rathausverwaltung klar.

Von Peter Haacke, Herrsching

Es geht um Täter, Profiteure und Vordenker des NS-Regimes, die seit Jahrzehnten auf Straßenschildern verewigt sind, wie Madeleine Ruoff, Erich Holthaus und Alfred Ploetz. Sie alle hatten engen Bezug zu den Nazis, profilierten sich andererseits aber auch als Wohltäter. Die Gemeinde Herrsching am Ammersee tut sich, wie viele andere Gemeinden auch, schwer mit dieser braunen Erblast.

Schon seit Jahren beschäftigt sich der Gemeinderat mit der Angelegenheit, auch die Bürger wurden bereits befragt. Ende April beschloss Herrschings Gemeinderat, dass „grundsätzlich eine Umbenennung“ der Straßen angestrebt werden soll. Zumindest zwei Namen – Madeleine Ruoff und Erich Holthaus – sollen getilgt werden. Die „Ploetzstraße“ soll erhalten bleiben. Doch eine Entscheidung steht weiterhin aus.

Die Gemeindeverwaltung sah sich nach diversen Anrufen irritierter Anwohner im Rathaus nun genötigt, eine „Klarstellung“ der Beschlusslage auf den Weg zu bringen. „Bedauerlicherweise wurde den Bürgern suggeriert“, heißt es im Schreiben, „dass die Namensänderung der beiden Straßen bereits eine beschlossene Sache sei.“ Doch dem ist nicht so: Mit den Beschlüssen startet lediglich ein Prozedere, das Schritt für Schritt abgearbeitet werden müsse, präzisiert Katrin Engelhardt, Pressereferentin der Gemeinde Herrsching.

Demnach sollen für die neuen Bezeichnungen der Madeleine-Ruoff- und Erich-Holthaus-Straße bis Ende Juli zunächst Vorschläge eingereicht werden – möglichst weder Personennamen noch Namen, die es in Herrsching bereits gibt. Nach der Sommerpause möchte der Gemeinderat dann die neuen Straßennamen auswählen. Bei dieser Gelegenheit befasst sich das Gremium möglicherweise auch mit einer finanziellen Entschädigung für betroffene Anlieger und Eigentümer.

Danach müssen wiederum die Betroffenen zur beschlossenen Änderung angehört werden. Erst dann entscheidet der Gemeinderat darüber, ob die Straßen tatsächlich umbenannt werden. Die neuen Straßenschilder würden zunächst zusätzlich zu den alten Schildern montiert, die erst ein Jahr später endgültig verschwänden.

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