Kunst unter freiem Himmel Segel zwischen den Bäumen

"Prisma 1" lautet der Titel dieser von Johannes Hofbauer aus hölzernen Stangen und Scheiben angefertigten Skulptur.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Der Herrschinger Kulturverein zeigt im Kurpark Arbeiten von Bildhauern. Farbige Tücher in luftiger Höhe und ein riesiger Holzlöffel sind besonders beeindruckend

Von Katja Sebald, Herrsching

Dem Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller, bekennender Kulturbanause, bleibt auch nichts erspart, seit seine Gemeinde zum heimlichen Nukleus der Landkreiskunstszene geworden ist: Erst hatte ihm die Künstlergruppe, die vorzugsweise Abbruchhäuser bespielt, mit einer Ausstellung im frisch renovierten Kurparkschlösschen Angst und Schrecken eingejagt. Dann machte ihn einer der Künstler auch noch zum Protagonisten des Kunstprojekts "Schiller liest und Goethe". Kaum hatte er die kreative Truppe für weitere Ausstellungen nach Starnberg und Berg weitergereicht, drohte ihm weiteres Ungemach von Seiten seines Kulturvereins: Er habe überlegt, ob er mit einem Löschzug der örtlichen Feuerwehr anrücken soll, scherzte er bei der Eröffnung von "Skulpturen im Park 6". Hatte doch die Künstlerin Iris von Huene angekündigt, am Seeufer ihre Installation "Feuer-Wasser-Holz" zu entzünden.

Der Herrschinger Kurpark hat die Vernissage am Freitagabend auch ohne Feuerwehr unbeschädigt überstanden und wird auch in diesem Sommer eine der schönsten Ausstellungsflächen der Region sein: Im Zweijahresrhythmus im Wechsel mit dem "Kunstrausch" zeigt der Herrschinger Kulturverein dort Arbeiten von Bildhauern, mittlerweile bereits zum sechsten Mal. Insgesamt 14 Künstler stellen zwischen den Bäumen, vor dem Kurparkschlösschen oder direkt am Ufer des Ammersees aus. Ein besonderer Reiz ergibt sich vor allem da, wo die Künstler installativ vorgehen, also nicht einfach etwas hinstellen, sondern auf den Ort reagieren.

Skulpturen im Kunstpark Herrsching: "Zwischen Himmel und Erde" von Maximilian Mirlach aus Raisting.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Das gilt zum Beispiel für das wuchtige Ensemble von Iris von Huene, einen ausgehöhlten und vom Feuer geschwärzten Eichenstamm, einen riesenhaften schwarzen Löffel und eine Holzkugel, die gleich am ersten Abend von Jugendlichen "besetzt" wurde, es gilt aber ebenso für die farbigen Segel, die Maximilian Mirlach in luftiger Höhe zwischen die Baumstämme gespannt hat, und für seine Aluminiumkugel, die von Stahlseilen gehalten, "zwischen Himmel und Erde" schwebt, wie der Titel der Arbeit lautet. Auch die "Zunehmend windigen Triebe", die der Künstler Julius Wurst als wundersam leichten Baumschmuck aufgehängt hat, die versteckten kleinen Objekte "Watching you" von Eva Zenetti oder die niedrige Tuffsteinskulptur "amo" von Leonard Schlögel überraschen den Besucher auf charmante Weise gleichsam aus dem Hinterhalt.

Einem Märchen ohne Happy End scheinen hingegen die steinernen Kinderkleider von Corinna Hauck entsprungen zu sein, kein Entkommen gibt es auch für das Paar, das Marianne Schweigler in ewiger Umarmung aus Beton modelliert hat. Gerhard Gerstberger gestattet den Besuchern aus einer bestimmten Perspektive durch eine schwere Stele aus rostigem Eisen einen "Turmblick". Kleine, aber durchaus reizvolle Akzente vor der grandiosen Seekulisse setzen die schlanken Eisenobjekte von Felix Flesche. Spielerisch, aber formal unentschlossen muten die prominent platzierten Objekte aus Anröchter Dolomit von Claudia Endres an, ebenso wie "Prisma 1", ein großes liegendes Objekt aus hölzernen Stangen und Scheiben von Johannes Hofbauer.

So reizvoll der im Sommer stets gut besuchte Ausstellungsort direkt am See ist, nicht zuletzt weil er eine so unverkrampfte und direkte Begegnung zwischen Kunst und Publikum ermöglicht, so wird doch in diesem Jahr die Auswahl der bildhauerischen Arbeiten insgesamt nicht annähernd dem hohen Niveau der früheren Ausstellungen gerecht und erst recht nicht Herrschings neuem Status als Kulturhochburg des Fünfseenlands.

"Die Obacht" hat Guido Messer aus Korb diese Plastik aus Bronze und Stahl genannt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

"Skulpturen im Park 6" ist noch bis zum 7. Juni im Herrschinger Kurpark zu sehen.