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Posse:Herrsching behält die doppelten Straßennamen

Breitbrunn Seestrasse

Sechs Kilometer liegen die Seestraße in Breitbrunn (im Bild) und die Seestraße in Herrsching auseinander.

(Foto: Nila Thiel)

Notärzte und Patienten suchen die Klinik, weil es eine Seestraße auch im Ortsteil Breitbrunn gibt. Doch Bürger und Klinik lehnen die Umbenennung ab.

Es waren Anwohner, die sich vor gut einem halben Jahr über die Existenz von Zwillingsstraßen im Gemeindegebiet von Herrsching mokierten. Und nun sind es wieder Anwohner, die eine Lösung des vermeintlichen Problems verhindert haben: Weil sie im sogenannten Anhörungsverfahren jegliche Veränderung ihrer Straßennamen aus unterschiedlichen Gründen ablehnen, hat der Gemeinderat am Montag in seiner Sitzung beschlossen, dass nun alles bleibt wie es ist.

Ein wenig klingt es schon nach einer Provinzposse, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten in Herrsching abgespielt hat. Bürger hatten - beispielsweise in der Ortsteilversammlung in Breitbrunn im Februar - bemängelt, dass es sowohl in ihrem Ortsteil als auch in Herrsching selbst eine Seestraße gebe, die immer wieder zu falschen Zustellungen von Briefen und Paketen führe. In Herrsching wiederum wurde ähnlicher Ärger darüber laut. So hatte ein Arzt, der sich mit seiner Praxis in der Schindlbeck-Klinik niedergelassen hat, ausführlich der Gemeinde geschildert, dass weder Lieferanten noch Patienten das Krankenhaus in Herrsching fänden. Auch in Breitbrunn in der Ortsteilversammlung war davon die Rede. Schuld daran, so wurde damals gesagt, seien die Navigationsgeräte, die die Autofahrer in die falsche Richtung lotsten.

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Posse

Doppelte Straßennamen: Notärzte und Patienten irren durch Herrsching

Die Seestraße und den Kapellenweg gibt es in der Gemeinde zweimal - zum Ärgernis von Anwohnern, die falsche Post bekommen oder vergeblich auf Lieferungen warten.   Von Patrizia Steipe

Ein Problem, das aber letztlich auf die Gebietsreform Ende der Siebzigerjahre zurückzuführen ist. In vielen Gemeinden existieren seither doppelte Straßennamen: Eine Haupt- oder Dorfstraße gibt es fast überall, eine Seestraße, sobald eine Kommune an ein entsprechendes Gewässer grenzt, ebenso häufig. Wohl deshalb hatte auch das Fernsehen das Thema aufgegriffen und darüber berichtet: Etwa mit der Sendung "Quer" des Bayerischen Fernsehens wurde das Herrschinger Zwillingsstraßen-Problem weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt.

Der Herrschinger Gemeinderat hatte sich dem angenommen und sich bemüht, eine Lösung zu finden. In einer ihrer vergangenen Sitzungen schienen die Räte dem auch nähergekommen zu sein. So beschlossen sie, gerade weil es ja auch um die Notfallversorgung von Menschen geht, die Adresse der Schindlbeck-Klinik, bislang Seestraße 43, zu ändern. Mehrere Vorschläge standen hier zur Diskussion: etwa in "An der Klinik 1" oder in "Summerstraße 1", was aber die Umbenennung des bereits bestehenden Anwesens Summerstraße 1 in Summerstraße 3 zur Folge gehabt hätte.

Die Verwaltung wurde beauftragt, mit der Klinik und den Anwohnern der Summerstraße Kontakt aufzunehmen und ihnen die Alternativen zu unterbreiten. Mit einem Ergebnis, das man nur als Patt beschreiben kann: Während die Anwohner der Summerstraße eine Änderung ihrer Hausnummer 1 ablehnten und für die Umbenennung der Klinikadresse stimmten, lehnte die Klinik dies ab: Sämtliche Urkunden, Bürgschaften, Bescheide und Dokumente seien auf die Seestraße ausgestellt, dies zu ändern, wäre ein unverhältnismäßig großer bürokratischer und verwaltungstechnischer Aufwand. Zudem sehe man den "zeitlichen Zusammenhang mit dem angestrebten Trägerwechsel als äußerst problematisch an". Wie berichtet, will der Landkreis die Klinik Schindlbeck übernehmen. Ähnlich verhielt es sich mit dem Kapellenweg. Auch hier war mit dem Vorschlag des Gemeinderats, ihn in "Lisl-Kreuz-Weg" umzubenennen, kein Einverständnis mit den Anwohnern zu erzielen. Unter anderem fanden sie den neuen Namen "zu lang und zu kompliziert". Die Folge daraus: Es bleibt nun alles, wie es ist.