Landkreis will Klinik in Herrsching kaufen Not-OP für Krankenhäuser am Ammersee

Der Landkreis will einen zweistelligen Millionenbetrag in die Schindlbeck-Klinik stecken, um die Chirurgie in Seefeld und die Notfallversorgung zu sichern. Ob beide Häuser dauerhaft bestehen bleiben oder in einem Neubau vereint werden, ist offen.

Von Astrid Becker

Wochenlang ist hinter den Kulissen verhandelt worden, nun steht es fest: Der Landkreis will die Schindlbeck-Klinik in Herrsching kaufen. Dem Vernehmen nach soll der bisherige Eigentümer, das US-amerikanische Unternehmen Myriad, seit längerem erwogen haben, sich von seinem einzigen Krankenhaus in Deutschland wieder zu trennen. Um die Gesundheitsversorgung im westlichen Landkreis sowie die Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern, habe der Kreistag in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, die Klinik zu erwerben, bestätigt Landrat Karl Roth (CSU) auf Anfrage. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. Es dürfte sich aber um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.

Konkret dürfte das Geschäft eine Konsequenz aus dem Debakel um die Klinik Seefeld sein. Im Oktober 2015 waren millionenschwere Defizite des auf Chirurgie spezialisierten Hauses unter der Trägerschaft von sieben Gemeinden und des Landkreises bekannt geworden. Um das Krankenhaus zu retten, war es 2017 vom Kreisklinikum Starnberg übernommen worden und 2018 unter das Dach der damals gegründeten Starnberger Klinik-Holding geschlüpft, zu der auch das Krankenhaus in Penzberg und die Geburtenstation in Wolfratshausen gehören. Seither war über die Zukunft des Seefelder Krankenhauses diskutiert worden.

Die Seefelder Chirurgie mit 72 Betten ist ohnehin ein Dauerpatient. Der Landkreis will mit dem Kauf der Privatklinik am Ammersee die Zusammenarbeit stärken, die für das Seefelder Krankenhaus notwendig ist.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Um das teilweise sanierungsbedürftige Haus auch in Zukunft wirtschaftlich betreiben zu können, waren mehrere Varianten im Gespräch: Um- und Anbau ebenso wie Neubau. In der vergangenen Zeit jedoch war es um dieses Thema ruhig geworden. Hintergrund dafür dürften die internen Gespräche sein, die zu dieser Zeit schon zwischen Holding-Chef Thomas Weiler und dem Geschäftsführer der Schindlbeck-Klinik, Robert Schindlbeck, geführt wurden. Eine Kooperation zwischen beiden Häusern bestehe schon seit Jahrzehnten, sagt Robert Schindlbeck. Im Zuge der sich ständig verändernden Gesundheitspolitik, die es kleinen Häusern erschwere, wirtschaftlich zu arbeiten, "haben wir uns immer wieder über eine zukunftsfähige Lösung ausgetauscht", so Schindlbeck.

Die Herrschinger Klinik mit ihren 126 Betten, die 1946 sein Vater, der Internist Robert Schindlbeck, als Privatklinik zur regionalen medizinischen Versorgung aller Patienten gegründet hatte, war bereits 2015, noch bevor das finanzielle Debakel Seefelds bekannt geworden war, an das amerikanische Unternehmen Myriad Genetics verkauft worden. Myriad ist ein Unternehmen, das sich auf molekulare Diagnostik spezialisiert hat und als Weltmarktführer auf diesem Gebiet gilt. Schindlbeck zufolge hat Myriad seither viele Millionen in Herrsching investiert. Geld, das sich angesichts der Gesundheitspolitik und des Drucks, der über die Krankenkassen bei der Abrechnung ausgeübt werde, so nicht mehr amortisieren ließe, sagt Schindlbeck: "Wir sind froh, wenn wir eine schwarze Null schreiben."

In der Schindlbeck-Klinik mit 126 Betten in Herrsching ist der Geschäftsführer froh, wenn eine schwarze Null in der Jahresbilanz steht.

(Foto: Georgine Treybal)

In Seefeld hingegen dürfte die Lage bei einer Kapazität von nur 72 Betten noch angespannter sein. Vor allem durch die Kooperation mit der Schindlbeck-Klinik habe die Auslastung des Hauses - wichtiges Kriterium bei Förderanträgen - im vergangenen Jahr gesteigert werden können, sagt auch Holding-Chef Thomas Weiler: "Wenn ein anderer Investor oder Klinikbetreiber als der Landkreis Schindlbeck gekauft hätte, wäre die auch für Seefeld notwendige Kooperation nicht mehr gesichert gewesen." Ebenso wenig wie die weitere notfallmedizinische Versorgung von Patienten, die neuen Vorgaben gemäß auf Innerer Medizin fußt, wie von Schindlbeck betrieben, und auf Chirurgie wie in Seefeld. "Wenn nun alles unter einem gesellschaftsrechtlichen Dach ist, können wir die Synergieeffekte beider Häuser noch weiter ausbauen", so Weiler.

Für die Tausenden Patienten beider Häuser pro Jahr und die insgesamt etwa 450 Mitarbeiter soll sich vorerst nichts ändern, wie auch Landrat Roth versichert: "Wir sichern damit ja auch Arbeitsplätze." Die nächsten fünf bis sieben Jahre würden beide Standorte "auf jeden Fall" weiterbetrieben, "wir suchen aber nach der besten zukunftsfähigen Lösung", so Roth.

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Wie die allerdings aussehen könnte, ob sich auf Dauer zwei Standorte rechnen oder ob beide Häuser in einem Neubau auch räumlich unter ein Dach schlüpfen, das sei derzeit nicht abzusehen. Fest stehe nur, dass investiert werden müsse. So seien in die Klinik Seefeld seit der Übernahme bereits rund zehn Millionen Euro geflossen, in Technik und Stromversorgung, sagt Weiler: "Auch für die Operationssäle müssen wir uns etwas einfallen lassen, um den Betrieb in Seefeld ordentlich aufrechterhalten zu können." Am Standort Herrsching, wo sich zum Beispiel in das Klinikgebäude auch etwa 20 niedergelassene Ärzte mit Praxen eingemietet haben, soll derzeit alles bleiben, wie es ist.

Noch allerdings ist kein Kaufvertrag für das 15 700 Quadratmeter große Klinikareal nebst weiteren Immobilien wie den Personalgebäuden in Herrsching sowie ein von Myriad betriebenes medizinisches Versorgungszentrum in München unterzeichnet, sondern nur ein "Letter of Intent", also eine Absichtserklärung. Bis der Deal abgewickelt ist, werde es Wochen dauern, sagen Weiler und Roth. Geprüft werden muss demnach auch noch, wer am Ende kauft: die Klinik-GmbH, die zu 100 Prozent dem Landkreis gehört, oder der Landkreis selbst. "Letzteres ist unser erklärtes Ziel", sagt Roth. Der Landkreis würde dann den Betrieb der Schindlbeck-Klinik an die Starnberger Holding übertragen, so der Landrat, aber "wir müssen noch abwarten, was die rechtlich bessere Lösung ist".

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