Herrsching:Laufen für sauberes Wasser

Lauf Indienhilfe

Sich bewegen, um etwas zu bewegen: Kinder laufen beim Sponsorenlauf in Herrsching für gesundes Wasser.

(Foto: Privat)

Die Christian Morgenstern Schule möchte mit ihrem Spendenlauf das Trinkwasserprojekt der Indienhilfe in Chatra unterstützen

Von Valerie Künzl, Herrsching

Die Kinder sind zwei bis drei Kilometer gelaufen, "was wirklich erstaunlich und ganz toll für Erstklässler ist", sagt Grundschullehrerin und Umweltfachberaterin im Landkreis Starnberg, Susanne Hänel, begeistert. Sie hat den Sponsorenlauf am Dienstag an der Christian Morgenstern Grund- und Mittelschule in Herrsching organisiert. Die Spenden sollen dem Trinkwasserprojekt in Chatra, ein Projekt des Vereins Indienhilfe, zu Gute kommen.

Herrsching und die Stadt Chatra in Westbengalen, Indien, sind seit 2005 offizielle Partner. Für die Menschen in der indischen Stadt bedeutet Wasser ein ständiges Gesundheitsproblem. "Das Grundwasser ist häufig mit Arsen verseucht", so die Vorsitzende des Vereins Indienhilfe in Herrsching, Elisabeth Kreuz. Arsen verursacht "langfristige Gesundheitsschäden", unter anderem ist das Halbmetall krebserregend. Nur 15 von 81 Brunnen in Chatra haben trinkbares Wasser. Das bedeutet: 540 von 700 Einwohnern trinken gesundheitlich bedenkliches Wasser.

Der Verein Indienhilfe möchte dies ändern. In erster Linie kümmert sich die Organisation um Bildungsprojekte. "Ein technisches Projekt zu begleiten, war zu Beginn ein Abenteuer", so Kreuz. Für die Technik ist die Firma "adelphi research" zuständig, ein Forschungs- und Beratungsinstitut in den Bereichen Klima, Umwelt und Entwicklung. Seit 2016 arbeiten die Indienhilfe, adelphi research und die Gemeinde Herrsching aktiv mit der Stadt Chatra zusammen. Elisabeth Kreuz findet es toll, dass "über diese Entfernung" eine solche Zusammenarbeit entstehen kann. Das Trinkwasserprojekt wird über Spenden finanziert. Diese kommen eben unter anderem von der Christian Morgenstern Schule in Herrsching.

Das Ziel beim Sponsorenlauf war nicht nur Spenden zu sammeln, sondern auch sportlich aktiv zu sein und Spaß zu haben. Der Lauf fand an der Seepromenade in Herrsching statt, vom Seespielplatz bis zum alten Sportplatz am See. Die Strecke betrug 333 Meter. Am Endpunkt der Laufstrecke gab es einen Stempel - drei Stempel sind ein Kilometer. 20 Minuten sind die Kleinen gelaufen. Und jetzt treiben sie das Geld von ihren Spendern ein. "Die Kinder haben sich Sponsoren gesucht - Eltern, Oma und Opa, Nachbarn, so viele sie wollen." Diese Sponsoren legen dann pro Kilometer einen Betrag fest. "Von einem Euro bis 50 Euro ist alles vertreten."

Mit den Spenden wird eine sogenannte Trinkwasseraufbereitungsanlage in Chatra finanziert: Es handelt sich dabei um eine mehrstufige Filtrationsanlage, bei der ganzjährig vorhandenes Oberflächenwasser aus einem Teich oder Fluss als Rohwasser-Quelle genutzt und mit naturnahen Prozessen aufbereitet wird. Es ist eine der nachhaltigsten Lösungen, vor allem unter ökologischen und partizipatorischen Gesichtspunkten. Die Wartung ist kostengünstig und lokal vorzunehmen. "Der Grundgedanke ist, dass es sauberes Trinkwasser gibt", so Elisabeth Kreuz.

Zu Beginn gab es jedoch viele Probleme, der Aufwand war enorm. Zum einen bereiteten die indischen Nationalwahlen, die die Bürokratie des Landes auf Monate zum Stillstand brachten, enorme Schwierigkeiten, erzählt Kreuz. Zum anderen habe der Klimawandel zusätzliche Probleme mit sich gebracht. Denn es habe in diesem und im vergangenen Jahr extreme Zyklone gegeben, die in ihrer Häufigkeit und in ihrer Ausprägung noch zugenommen hätten. "Es ist alles sehr flach und eng", beschreibt sie die Situation vor Ort. Das heißt: Der Teich müsse aufgestockt, Erde herbeigeschafft und verarbeitet werden. Das Ganze sei mit erheblichen Kosten verbunden. Zusätzlich müssten Finanzmittel aufgetrieben werden. "Es ist immer schwierig das Geld zusammen zu kriegen," sagt sie. 14 000 Euro werden benötigt, um das Projekt weiter laufen zu lassen.

Wie viel Spenden die Herrschinger Schule durch ihren Sponsorenlauf beisteuern kann, ist noch offen. "Wie viel Geld erlaufen wurde können wir erst frühestens nächste Woche wissen, denn da laufen noch die Mittelschüler im Rahmen ihres Sportunterrichts", so Susanne Hänel.

Elisabeth Kreuz bleibt trotz allem hoffnungsvoll. Es sei jetzt wichtig, den Teich aufzustocken, sonst komme der nächste Zyklon und man könne wieder von vorne anfangen. Und das dürfe einfach nicht passieren.

© SZ vom 14.10.2021
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