Herrsching Klinikfusion steht kurz bevor

Der Freundeskreis des Seefelder Krankenhauses informiert sich beim Geschäftsführer des Starnberger Klinikums, Thomas Weiler, und bei Landrat Karl Roth über den Sachstand. Diese sprechen von letzten administrativen Hürden

Von Marcella Rau, Herrsching

Ein kleines bisschen dauere es noch. Aber: "Der Bräutigam steht bereits am Altar", scherzt Thomas Weiler auf der Mitgliederversammlung des Freundeskreises und Fördervereins des Seefelder Krankenhauses. Der Geschäftsführer des Starnberger Klinikums informiert dort gemeinsam mit Landrat Karl Roth und dem ärztlichen Direktor des Klinikums Seefeld, Markus Wagner, über die Zukunft des Hauses im Verbund mit dem Klinikum Starnberg. "Nun muss nur noch auf die Braut gewartet werden". Diese scheint sich zu verspäten, denn ursprünglich war die Übernahme bereits für Anfang des Jahres geplant, doch noch immer gibt es ein paar letzte administrative Hürden, berichtet Weiler. Mitte des nächsten Jahres könnte es dann aber endlich soweit sein. Die lange Zeit unsichere Standortfrage jedenfalls konnte mittlerweile geklärt werden, wie Landrat Karl Roth berichtet. Nach derzeitigem Stand spricht alles dafür, dass es keinen Neubau geben wird, sondern die Klinik an ihrem alten Standort bleiben kann. Fünf bis sechs Jahre wird es allerdings noch dauern, bis die Ausbauarbeiten abgeschlossen sind.

Die finanzielle Situation des Klinikums Seefeld hat sich laut Landrat Karl Roth mittlerweile entspannt. Die Verluste konnten von vier auf unter weniger als eine Million Euro gesenkt werden, sagt er.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die chirurgische Klinik hatte in der Vergangenheit mit hohen Verlusten zu kämpfen, zeitweise lag das Defizit bei mehr als vier Millionen Euro. Doch die finanzielle Situation habe sich mittlerweile entspannt, so Roth. Die Verluste konnte auf unter eine Million Euro gesenkt werden. Dabei könne bei einem so kleinen Haus wie dem Seefelder Krankenhaus kaum mit hohen Gewinnen gerechnet werden. Dennoch sei das Haus, das über die Landkreisgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf genießt, unverzichtbar für die kommunale Versorgung. Die Synergieeffekte, die durch den Zusammenschluss mit den anderen Kliniken entstehen, machten den Betrieb des Krankenhauses auch in Zukunft möglich. Einiges wird sich trotzdem ändern: Denn eine rein chirurgische Klinik ist gerade in Zeiten einer alternden Gesellschaft nicht mehr sinnvoll, stellt Geschäftsführer Weiler fest. Viele der Patienten heute haben Mehrfacherkrankungen, die bisherige Praxis, die Betroffenen zur internistischen Behandlung in die Schindlbeck Klinik nach Herrsching zu fahren, soll bald der Vergangenheit angehören, denn auch in Seefeld wird in Zukunft eine internistische Abteilung entstehen, die Bettenzahl soll auf Lange Sicht auf 100 steigen.

Sie debattieren über die Zukunft der Seefelder Klinik: Herrschings Bürgermeister Christian Schiller (stehend), Landrat Karl Roth und Thomas Weiler.

(Foto: Georgine Treybal)

Doch trotz der positiven Entwicklung hat auch das Klinikum Seefeld mit Problemen zu kämpfen, berichtet Markus Wagner. Vor allem der Mangel an Pflegekräften setze der Klinik zu. Die Wohnkosten seien so hoch, dass sich Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen ein Leben hier schlicht nicht leisten können. Bewerber gäbe es zwar, aber auf Dauer lasse sich das Personal oft nicht halten, berichtet Wagner. "Wie soll sich auch eine Krankenschwester mit einem Monatsgehalt von 1300 Euro auch eine Wohnung in einem Ort leisten, in dem der Quadratmeter teils mit 19 Euro gehandelt wird?" Noch steht die zukünftige Nutzung des Altbaus des Klinikums, der nach Fertigstellung des Umbaus frei wird, nicht fest. Eine Lösung könnte sein, dort Wohnungen für Mitarbeiter einzurichten.