Auf zwei Kilometern Länge"Es ist fast ein Wunder, dass sie noch stehen"

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Nach 60 Jahren: Die Ufermauern des Kienbachs müssen in Herrsching auf einer Länge von rund zwei Kilometern saniert werden.
Nach 60 Jahren: Die Ufermauern des Kienbachs müssen in Herrsching auf einer Länge von rund zwei Kilometern saniert werden. Arlet Ulfers

Die Ufermauern des Kienbachs sind nach 60 Jahren marode. Nun stehen in Herrsching große Sanierungsarbeiten an. Das soll den Bach auch besser erlebbar machen.

Von Patrizia Steipe, Herrsching

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Solange die Ufermauern des Kienbachs intakt sind, bleibt das Gewässer wohl auch bei einem Jahrhunderthochwasser in seinem Bachbett. Das ist die gute Nachricht, die Johannes Haas dem Herrschinger Gemeinderat überbrachte. Die schlechte Nachricht schob der Projektleiter für die Kienbachsanierung beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim gleich hinterher: Die Mauern sind auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke durch Herrsching nach 60 Jahren marode. "Es ist fast ein Wunder, dass sie noch stehen", sagte er.

Auf Fotos, die Haas mitgebracht hatte, sah man bröckelnde Steine, Risse und Unterspülungen, so dass Teile der Mauer "quasi in der Luft stehen", und ein Mauerstück in Schieflage. Bricht eine Mauer ein, dann würde sich das Wasser des Kienbachs zurückstauen, über die Ufer treten und in angrenzende Straßen und Gebäude fließen, befürchtet Haas und zeigte dem Ratsgremium auf einer Karte eine Simulation dieser Situation. Auch die Gebäude und Verkehrsflächen, die direkt auf oder neben den Ufermauern stehen, wären dadurch einsturzgefährdet.

Das Wasserwirtschaftsamt hat für die Sanierung des innerörtlichen Kienbachs über 100 Uferbauwerke untersucht und bewertet. Die Streckenabschnitte wurden dann farblich gekennzeichnet. Rot bedeutet "schnellstmögliche Sanierung", bei den grünen Abschnitten ist keine Baumaßnahme erforderlich. Dabei wurden unter anderem die Standsicherheit, die Leistungsfähigkeit der Mauern, das Schadenspotenzial und die Dringlichkeit bewertet. Das Ergebnis: Bei sechs Prozent der Schutzmauern besteht akute Einsturzgefahr, bei weiteren 55 Prozent liegen eine "geringe Beeinträchtigung" vor oder ihr Zustand ist "mittelfristig problematisch". Zwei Drittel der Ufermauern wurde eine "kritisch bis sehr kritische" Dauerhaftigkeit attestiert.

Auch im Bereich des Bahnhofs könnte der Bach wieder sichtbar werden

Das bedeutet, dass "14 Prozent der Mauern schnellstmöglich und 55 Prozent kurz- bis mittelfristig saniert werden müssen", mahnte Haas. Geplant ist, Mauern und Brücken zu erhöhen, damit der "Freibord", das ist der Abstand vom Wasserspiegel zur Oberkante der Mauer oder der Unterkante einer Brücke, einen halben Meter beträgt. Außerdem soll südlich der Ortschaft ein Schwemmholzrückhaltebecken errichtet werden, in dem Äste und Stämme, die der Wildbach mit sich führt, aufgehalten werden. Ohne ein solches Becken bestünde die Gefahr, dass Schwemmholz Brücken blockiert und es zu einem Rückstau kommt, so Haas.

Christiane Gruber (BGH), die eine Betonierung des Bachbetts befürchtete, versicherte der Fachmann, dass "so naturnah wie möglich" saniert werde. "Es ist definitiv nicht geplant, den ganzen Kienbach in eine Betonröhre zu verlegen." Schließlich sei eines der Ziele des Wasserwirtschaftsamts, Gewässer wieder mehr erlebbar zu machen. Allerdings wird an den diversen Engstellen des Kienbachs wohl nur eine Betonsanierung möglich sein. "Wirklich viel Platz haben wir nirgends", bedauerte Haas. Falls Anlieger Flächen entlang des Bachbetts für eine naturnahe Sanierung abgeben, wäre mehr möglich. Dann könnten beispielsweise mehr Natursteine verbaut werden. Die Gemeinde hat bereits zugesagt, Grund im Bereich des Bahnhofs für die Sanierung zur Verfügung zu stellen. Vielleicht könnte sogar der dort unter der Straße fließende Kienbach wieder sichtbar gemacht werden, hofften Ratsmitglieder.

Im Juni werden Fachleute der Wasserbehörde den Baugrund mit bis zu fünf Meter tiefen Probebohrungen und Sondierungen untersuchen. Konkrete Sanierungsmaßnahmen sollen Ende des Jahres mit der Gemeinde und den Anliegern besprochen werden.

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