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Stars in Herrsching:Was für eine Show!

Herrsching: Haus der bayr. Landwirtschaft: Neujahresempfang der Gemeinde Herrsching

Hoch die Tassen: Der Showmaster und Herrschinger Bürgermeister Christian Schiller mit seinen Gästen (von links) Jonas Kaufmann, Rita Falk, Sabine Thomas und Judith Williams.

(Foto: Nila Thiel)

Der Neujahrsempfang war schon immer extravagant, doch heuer kommen Opern-Weltstar Jonas Kaufmann, Bestseller-Autorin Rita Falk und Fernseh-"Löwin" Judith Williams.

Wenn Herrschings Bürgermeister Christian Schiller zum Jahresempfang seiner Gemeinde einlädt, ist eines garantiert: Ein gewöhnlicher Jahresempfang wird das nicht werden. Doch mit so vielen Überraschungen wie bei "Schillers Show" - wie das Ereignis längst genannt wird - hat wohl keiner der 300 geladenen Gäste gerechnet. Am Ende dürfen alle einen Kanon singen - unter Anleitung des Opernsängers und Weltstars Jonas Kaufmann und der Teleshopping-Unternehmerin Judith Williams. Und außerdem erfahren, das der katholische Pfarrer Simon Rapp "schnuckelig" ist und ein Grund sein könnte, nach Herrsching umzuziehen - zumindest für die Autorin der Eberhofer-Krimis, Rita Falk.

Es ist ein Zufall, so erzählt Schiller später, dass sich ausgerechnet heuer, kurz vor der Kommunalwahl, so viel Prominenz beim Empfang einfindet. Ein Zufall, der den persönlichen Kontakten Schillers zuzuschreiben ist. Denn Prominente eigens dafür einzukaufen, ist seine Sache nicht. Für Gäste wie Jonas Kaufmann gibt es nur ein kleines Geschenk: eine Herrschinger Tasse, gefüllt mit Pralinen. Schiller kennt Kaufmann seit gut zehn Jahren, ihre Kinder hatten die selbe Klavierlehrerin. "Da kommt man automatisch ins Gespräch." Ebenso lange hoffte Schiller darauf, dass Kaufmann eines Tages seine Einladung zum Jahresempfang annehmen würde: "Aber er hatte nie Zeit." Auch diesmal war lange unsicher, ob er kommen würde: "Er hat ja noch am Mittwoch in Berlin gesungen und muss am Samstag schon wieder in Nürnberg auf der Bühne stehen", sagt Schiller. Vor eineinhalb Wochen sagte Kaufmann dann zu.

Die beiden Männer verstehen sich gut, das ist für das Publikum an diesem Abend offensichtlich. Wie groß die Sympathie ist, zeigt auch ein bisher gut gehütetes Geheimnis, das Schiller am Donnerstag lüften darf: Er war es, der Jonas Kaufmann und dessen zweite Frau, die Opernregisseurin Christiane Lutz, 2018 standesamtlich getraut hat - mit einem Gag. Schiller ließ dafür eine Heiratsurkunde auf den Familiennamen "Lutz" anfertigen und sprach dann bei der Zeremonie: "Ihr habt Euch ja auf diesen Namen verständigt." Bei Kaufmanns Bekanntheit sei es ja kein Problem, wenn er plötzlich Lutz hieße.

Herrsching: Haus der bayr. Landwirtschaft: Neujahresempfang der Gemeinde Herrsching

Der Neujahrsempfang hat nun auch ein eigenes Logo: "Schillers Show".

(Foto: Nila Thiel)

Kaufmann war sprachlos. Er spielt seine Reaktion darauf am Donnerstag vor: "Ich hab' dann nur ganz vorsichtig 'nicht wirklich' gesagt" und mit Blick auf seine Frau: "Ich wollte es mir ja nicht gleich verderben."

Der Sänger ist ohnehin in Plauderlaune an diesem Abend, Er erzählt, warum er im Opernfach gelandet ist und nicht etwa im Pop oder Rock: "Da wäre ich nicht so erfolgreich geworden, und niemals so glücklich." Er korrigiert Schiller, als dieser behauptet, dass Kaufmann neben vielen europäischen Sprachen auch Japanisch beherrsche: "Nur ein paar Brocken", sagt er. Für einen Sänger so wichtige Worte wie Aschenbecher oder Bier: "Das hab ich von meinem Professor gelernt." Dem Herrschinger Bürgermeister macht Kaufmann ein großes Kompliment: Es sei in keinem Festzelt der Welt zu erleben, was "Du hier auf die Bühne bringst." Kaufmann ist davon sogar so angetan, dass er mit Blick auf sein aktuelles Programm "Mein Wien" spontan laut überlegt, auch mal ein "Mein Herrsching" zu machen.

Auch die Krimiautorin Rita Falk scheint begeistert zu sein von dem Format, das Schiller und sein Team rund um Assistentin Bettina Schneck in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt haben. Sie hatte Schiller im vergangenen Jahr bei einer Krimilesung im Circus Krone kennengelernt, und zwar über die Autorin und Krimifestivalveranstalterin Sabine Thomas. Von ihr stammt beispielsweise "Tatort Ammersee", das laut Schiller in Herrsching das bestverkaufte Buch ist. Mit Falk habe er sich auch auf Anhieb verstanden, erzählt er dann, und als die Autorin erfahren habe, was unter "Jahresempfang" in Herrsching zu verstehen ist, habe auch sie zugesagt. "Und sie ist dann tatsächlich gekommen, obwohl sie eigentlich krank ist, aber sie wollte sich das nicht entgehen lassen." So schildert es auch Falk selbst auf der Bühne: "Ich stehe schwer unter Drogen", witzelt sie - um gleich darauf vom katholischen Pfarrer Simon Rapp zu schwärmen, der kurz zuvor zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Susanne Parche auf der Bühne begrüßt wurde. "Schnuckelig" nennt sie ihn - zur großen Begeisterung des Publikums.

Herrsching: Haus der bayr. Landwirtschaft: Neujahresempfang der Gemeinde Herrsching

Gekommen sind auch die Handballerinnen.

(Foto: Nila Thiel)

Rapp, den das sichtlich überrascht, kontert später im persönlichen Gespräch mit der Autorin damit, dass er sich anbiete, im nächsten Eberhofer-Krimi, sofern der mal in Herrsching spiele, das Mordopfer zu beerdigen. Das kann Falk, die ein gehöriges Mitspracherecht bei Drehbuch, Darstellern und Filmlocations besitzt, zwar nicht versprechen, zwei Dinge aber schon: Ein siebter Film soll im Sommer in die Kinos kommen, und sie selbst wird heuer im Kurparkschlösschen Bilder ausstellen, die sie gemalt hat - und wohl auch lesen.

Direkt von einem Dreh angereist ist auch die Teleshopping-Unternehmerin Judith Williams ("Die Höhle der Löwen") mit ihrem Mann, dem Schauspieler Alexander-Klaus Stecher. Ihr kommt am Ende eine besondere Aufgabe zu: Zusammen mit Kaufmann bringt sie, selbst ausgebildete Sängerin, dem Publikum den Kanon "Froh zu sein, bedarf es wenig" bei.

Für die Gäste mag dies die größte Überraschung des Abends sein - für Schiller selbst ist es etwas anderes: Nach dreieinhalb Stunden auf der Bühne fällt plötzlich Schillers Mikrofon aus. Eine Stimme aus dem Off ertönt, ein Film erscheint auf der Leinwand auf der Bühne, der eine Programmänderung ankündigt. Schiller ist sichtlich verdutzt, um wenig später übers ganze Gesicht zu strahlen.

Denn ein paar Herrschinger, darunter Gemeinderat Ludwig Darchinger und der Tontechniker des Abends, Herbert Unterholzner, haben ein eigenes Logo und ein Schild für den Bürgermeister angefertigt. Was darauf steht? "Schillers Show" natürlich, was sonst.

© SZ vom 18.01.2020
Süddeutsche Zeitung Starnberg Ausgezeichnete Herrschinger

Ehrungen

Ausgezeichnete Herrschinger

Im Mittelpunkt stehen beim Jahresempfang die Menschen, die sich mit sozialem Engagement oder sportlichen Leistungen um die Gemeinde verdient gemacht haben.

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