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Weltraummission: Zurück von der ISS

Herrsching: RH:  ISS FOTO Projekt

Vor dem großen Poster mit den 388 Menschen auf dem Sportplatz posieren am Freitag (von links) Fotograf Willy Generotzky, Herrschings Bürgermeister Christian Schiller und die ESA-Missionsdirektoren Brigitte Meisinger und Roland Lüttgens. Das Original-Foto hat Astronaut Alexander Gerst signiert.

(Foto: Nila Thiel)

388 Menschen versammeln sich vor eineinhalb Jahren auf dem Herrschinger Sportplatz, um sich fotografieren zu lassen. Das Bild wird zur Raumstation ISS geschickt. Als Beweis gibt es nun das Foto vom Foto.

Einmal so richtig abheben - das war die Idee, die Herrschings Bürgermeister Christian Schiller nicht mehr los ließ. Mit einem Flugzeug kann ja jeder herumdüsen, das reichte Schiller anscheinend nicht. Also gleich noch mal eine Etage höher denken: Warum nicht zur Internationalen Raumstation ISS aufsteigen? Das hat Schiller nun tatsächlich geschafft - allerdings natürlich nicht in Persona, sondern auf einem Foto, zusammen mit 387 anderen Herrschinger Bürgern. Das Bild wurde mit zur ISS hochgeschossen, als der Deutsche Astronaut Alexander Gerst im Frühjahr und Sommer 2018 ISS-Kommandant war. Und ein Foto vom in der Schwerelosigkeit schwebenden Foto, das die Herrschinger zeigt, hat ein Astronaut in der Cupola - einer Art Aussichtskanzel der ISS - als Beweis fotografiert, und das digitale Bild zur Erde gefunkt. Wo es über Houston in Texas nach Oberpfaffenhofen und schließlich nach einer ganzen Weile nach Herrsching zurückkam.

Die Herrschinger waren am 27. Mai 2017 einem Aufruf des Bürgermeisters gefolgt, sich auf dem Sportplatz zu versammeln. Der Herrschinger Fotograf Willy Generotzky schoss dann von der Feuerwehrleiter aus das Gruppenbild. Da traf es sich gut, dass in Herrsching leitende Mitarbeiter der Europäischen Weltraum-Organisation ESA wohnen und im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im benachbarten Oberpfaffenhofen arbeiten.

Wie Brigitte Meisinger etwa, oder Roland Lüttgens. Beide waren Direktoren der Missionen von Alexander Gerst in den Jahren 2014 und 2018. "Ob der Alex das Foto wirklich selbst gemacht hat, das lässt sich heute nicht mehr klären, auch der genaue Tag der Aufnahme steht nicht fest. Da ist so viel los da oben, da kann schon mal was verloren gehen", erklärte Brigitte Meisinger bei einer Pressekonferenz am Freitagvormittag im Herrschinger Rathaus. Sicher ist dagegen, dass die ISS mit einer Geschwindigkeit von 7,6 Kilometern pro Sekunde in rund 400 Kilometern Höhe um die Erde kreiste, als das Foto geschossen wurde.

Meisinger erzählte, wie kompliziert es ist, irgendwelche Dinge mit auf die ISS zu nehmen. "Da gibt es ganz klare Prioritätenlisten, und Fotos gehören normalerweise nicht dazu." Und sie berichtet, dass es auf der ISS, in der Astronauten aus verschiedenen Nationen zusammen wohnen und arbeiten, offenbar genauso zugeht wie in einer irdischen Wohngemeinschaft. "Manchmal sind Dinge einfach nicht da, wo sie sein sollten - und dann muss man eben suchen."

Damit nun alle Herrschinger etwas von dem Foto haben, hat es Schiller auf zwei mal 3,80 Meter vergrößern und in der Wiese neben dem Rathaus aufstellen lassen. Die Auflösung ist übrigens so gut, dass die Gesichter problemlos zu erkennen sind. Ein paar Wochen soll das Weltraumfoto stehen bleiben. Wer es sich selbst auf die Vitrine stellen oder aufs Handy laden will, bitte sehr: "Wir haben das Foto auf unsere Homepage gestellt, von dort kann es kostenlos heruntergeladen werden", sagt Schiller und grinst. Wer will, kann sich aber auch ein Foto im Copy Shop an der Luitpoldstraße ausdrucken lassen

Schiller hat nun nur noch einen Wunsch. Dass Alexander Gerst, der das Foto signiert hat, nun doch einmal höchstselbst nach Herrsching kommen möge.