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Herrsching:Hitzige Auseinandersetzung um Nikolaushalle

TSV Herrsching

Einst hat der Volleyball-Bundesligist, der "Geilste Club der Welt" in der Nikolaushalle Erfolge gefeiert, jetzt ist sie ein Sanierungsfall.

(Foto: Lukas Barth/Dpa)

Die dringend nötige Sanierung der Sportstätte entzweit Gemeinderäte. Ungelöste technische Fragen um die Heizung und eine Kostenexplosion verärgern die CSU. Kurz vor Mitternacht kommt es zum Eklat

Wenn es um die Nikolaushalle in Herrsching geht, kann nur mehr von einer Verkettung unglückseliger Umstände gesprochen werden. Seit vergangenem Jahr steht fest, dass der Boden der Halle, in der auch der "Geilste Club der Welt", also die Volleyball-Bundesligisten vom Ammersee, viele Spiele ausgetragen hat, dringend saniert werden muss. Doch bis heute ist nichts geschehen - aus vielen Gründen. Erst stritt man um die technischen Details, dann stellte sich heraus, dass die Kosten falsch kalkuliert wurden, dann kam Corona - und nun fordert die CSU, die gesamten Pläne wieder umzuwerfen. Der Antrag der Fraktion dazu mündete jedenfalls am Montagabend nach gut fünf Stunden Beratungen zu anderen Themen im Eklat und schließlich im Abbruch der Sitzung.

"Oberstes Ziel ist, die Halle so schnell wie möglich wieder nutzbar zu machen", sagte Bürgermeister Christian Schiller. Er kann nicht verstehen, warum die CSU erst jetzt Bedenken an den Plänen äußert, obwohl sie diese im Bauausschuss längst abgesegnet hat - und die öffentliche Ausschreibung bereits läuft. Die Zeit ist also knapp. Und die Sicherheit in der Halle immer gefährdeter, wie ein Blick in die Chronologie der Ereignisse offenbart. Im Sommer 2019 hatten sich erstmals Schäden am Hallenboden gezeigt. Ein Gutachten empfahl nur wenig später dringend die Erneuerung des Bodens 2020. Im September 2019 beauftragte der Gemeinderat daher die Verwaltung für 2020 mit der Ausschreibung des Vorhabens - und damit fingen die Probleme an. Denn die Halle wird bisher mit einer Fußbodenheizung temperiert, die allerdings, und das wusste zunächst niemand, mit der Bodenkonstruktion verbunden ist. Durch einen Zufall - bei Arbeiten an einem anderen Gewerk - stellte sich im November heraus, dass durch diese Konstruktion nicht nur der Boden selbst, sondern auch die Fußbodenheizung erneuert werden muss. Dies segnete der Bauausschuss im Dezember auch ab, ohne sich mit Alternativen zu befassen. Die mit der Heizung und dem Hallenboden beauftragten Planer äußerten im Januar erste Bedenken, ob eine neue Fußbodenheizung bei den Gegebenheiten in der Halle und dem geplanten Bodensystem überhaupt machbar und wirtschaftlich sein könne. Sie schlugen daher Deckenstrahlprofile als alternative Beheizung vor. Im März folgte der Bauausschuss dieser Empfehlung und entschied sich um - für die Deckenstrahler.

Anfang April teilte die Heizungsspezialistin dann mit, dass sie sich verrechnet habe. Bei der Kalkulation der Heizlast war sie offenbar von einem Neubau ausgegangen - nicht von einem Altbau. Deshalb würden sich die Investitionskosten nun von 47 000 Euro auf 89 000 Euro erhöhen. Wenig später äußerte CSU-Gemeinderat Roland Lübeck, Geschäftsführer in einem Heizungstechnikerbetrieb, erstmals Zweifel an der Beheizung der Halle von der Decke aus. Diese könnte wiederum in anderen Teilen der in die Erde gebauten Halle zu Feuchtigkeit und Schimmel führen, wie er auch am Montag noch einmal erklärte.

Die Corona-Pandemie verschlimmerte die Sache zudem. Die Mittelschule teilte der Gemeinde am 21. April mit, die Halle bis Mitte Juli für die schriftlichen Prüfungen zu benötigen. Der ursprünglich anberaumte Baubeginn in den Pfingstferien war damit nicht mehr haltbar. Die Arbeiten am Hallenboden wären damit frühestens im Oktober beendet - mit fatalen Folgen für den Schul-, aber auch für den Leistungssport des TSV Herrsching, für den Halle in dieser Zeit nicht mehr zur Verfügung stünde. Also kam die Überlegung auf, den Hallenboden heuer nur provisorisch zu reparieren und ihn dann 2021 in aller Ruhe zu erneuern.

Doch auch dies scheint in der Zwischenzeit unmöglich geworden zu sein: Weil die Schäden an dem Boden so massiv sind, musste das südliche Hallendrittel Anfang Mai komplett gesperrt werden. Zeitgleich kristallisierte sich ein Baubeginn in der Halle erst für die Zeit nach den Sommerferien heraus, weil erst dann die entsprechenden Firmen wieder Kapazitäten frei haben. Die CSU ließ daraufhin ihre Bedenken in dem Antrag münden, die Ausschreibung in Bezug auf die Heizung zu ändern und die Erneuerung des Bodens auf das nächste Jahr zu verschieben. Darüber sollte am Montag befunden werden.

Doch auch das gelang nicht. Denn der mit dem Fall betraute Gutachter riet in der Zwischenzeit dringend von einer provisorischen Reparatur ab - wegen erhöhter Unfall- und Verletzungsgefahr. "Die Verantwortung dafür kann und will niemand übernehmen, wenn sich da jemand verletzt, wäre das eine Katastrophe", so Bürgermeister Christian Schiller. Eine Einigung darüber, wie es nun weitergeht, konnte am Montag nicht erzielt werden. Die Sitzung wurde ohne Beschluss dazu kurz nach halb zwölf Uhr nachts abgebrochen. Der Gemeinderat will sich nun am Dienstagabend noch einmal damit befassen.

© SZ vom 27.05.2020

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