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Gymnasium am Ammersee:Herrsching bekommt eine der modernsten Schulen Bayerns

Obwohl die Kosten um ein Viertel auf 87 Millionen Euro steigen, hält der Landkreis Starnberg am Bau fest. Das Lernkonzept schlägt sich auch in der Architektur nieder.

Von Carolin Fries

Der Landkreis Starnberg hält am Bau des Gymnasiums in Herrsching fest, auch wenn die Kosten durch einige Umplanungen zuletzt um knapp ein Viertel auf 87 Millionen Euro gestiegen sind. "Wir werden sicher irgendwann bei 100 Millionen Euro landen", prophezeite CSU-Kreisrat Harald Schwab, der es für sehr wahrscheinlich hält, dass die Schule vierzügig anstatt wie ursprünglich geplant dreizügig gebaut wird. Doch selbst wenn diese Marke geknackt würde: "Als reichster Landkreis im ganzen Land ist es angezeigt, das zu machen."

Die große Mehrheit entschied am Montag im Kreistag, die Planungen fortzusetzen. Lediglich Gautings Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU), ihr Amtskollege aus Feldafing Bernhard Sontheim (FW) und Rainer Schnitzler (FW), Bürgermeister in Pöcking, stimmten dagegen. Landrat Stefan Frey (CSU) sprach von einer "mutigen Entscheidung", die wegweisend für den Landkreis als Bildungsstandort sei. Martina Neubauer (Grüne) sagte, das Gymnasium sei "kein Luxus", sondern die Schüler seien nun einmal da. "Wir sollten jetzt nicht wie das Kaninchen auf die Schlange starren", sagte Tim Weidner (SPD) und fügte hinzu: "Dafür kriegen wir eines der modernsten Gymnasien in Bayern."

Architekt Felix Schürmann sagte, an die modernste Schule Bayerns komme das Herrschinger Gymnasium wohl nahe heran. In der Planung habe man den lehrerzentrierten Unterricht überwunden und stattdessen auf Lernstationen gesetzt, ein "pädagogisches Zirkeltraining", wie er erklärte. Die Jahrgangsstufen fünf bis sieben würden in den vier Lernhäusern in sogenannten Jahrgangsclustern unterrichtet. Anders als Mittel- und Oberstufe hätten die Kleinsten noch einen Klassenraum mit einem eigenen Arbeitsplatz. Ältere Schüler wiederum würden in offen gegliederten Lernlandschaften zwischen "Fachclustern" wechseln, die stärker auf ein individuelles und selbstorganisiertes Lernen setzten. Das pädagogische Konzept stieß im Gremium auf große Zustimmung. "Ich bin wirklich beeindruckt", sagte Erika Schalper (Grüne).

Weniger begeistert zeigten sich die Kreisräte von der Kostensteigerung. "Die Zahlen gefallen auch mir nicht", sagte Kämmerer Stefan Pilgram. Vor einem Jahr noch habe die Kostenschätzung bei 67 Millionen Euro gelegen. Nun hätten die Gutachten Erschwernisse beim Baugrund offenbart, der aufwendig mit Drainagen entwässert werden muss. Hinzu kommen Maßnahmen zum Schutz eines nahen Eschen-Sumpfwald-Biotops. Zudem habe man die Kosten von Möbeln, Schildern, Schließanlage und Türüberwachung berechnet und obendrein eine Reserve von knapp sechs Millionen Euro eingeplant. Alles zusammengerechnet lande man bei 83,5 Millionen Euro, zusätzlich 3,5 Millionen Euro koste die Erschließung. Der Landkreis müsse maximal 70 Millionen tragen. Vom Freistaat rechnet man mit Zuschüssen zwischen neun und elf Millionen Euro, die Gemeinde Herrsching muss zehn Prozent von dem beisteuern, was übrig bleibt - etwa acht Millionen Euro - und aufkommen für die zusätzliche Ausstattung der Sportanlagen, die über den Schulsport hinausgeht, etwa eine Anzeigetafel. Der Gemeinderat sollte darüber am Montagabend entscheiden.

Platz für 810 Schüler

Das Gymnasium im Mühlfeld am südlichen Ortsrand von Herrsching will der Landkreis zum Schuljahresbeginn 2023 in Betrieb nehmen. Etwa ein Jahr zuvor wird das Kultusministerium laut Kreiskämmerer Stefan Pilgram bekanntgeben, wer die Schule leiten soll. Die bisherige dreizügige Variante geht von 810 Schülern in 27 Klassen aus, eine Erweiterung durch Aufstockung auf vier Züge ist möglich.

Das Grundstück ist 41 800 Quadratmeter groß, wovon 17 500 Quadratmeter versiegelt werden sollen. Geplant sind vier Einzelgebäude, die über ein verbindendes Erdgeschoss verfügen, in dem sich alle gemeinschaftlich genutzten Räume befinden: Mensa, Bibliothek, Verwaltung, Kreativräume sowie Flächen für Veranstaltungen. In den zwei Obergeschossen aus Holz sind die Häuser räumlich voneinander getrennt. Im Untergeschoss ist eine Tiefgarage mit 80 Parkplätzen für Autos, zehn für Motorräder und einem Fahrradraum für 230 Räder geplant. Den Vorplatz der Schule sollen in Anlehnung an eiszeitliche Drumlins grüne Hügel prägen. Südlich des Eingangs liegt eine Dreifach-Sporthalle, dahinter der Sportplatz mit Rasen- und Hartplatz. Der Landkreis hat bereits 5,2 Millionen Euro für Grundstück, Erschließung und Planung ausgegeben. frie

Einsparmöglichkeiten etwa bei den Holzoberflächen und den Schrankfarben sowie der Wartung in Höhe von knapp 800 000 Euro haben die Planer bereits bei der Kostenkalkulation berücksichtigt. Auf Antrag der CSU-Fraktion, welcher mit nur einer Stimme Mehrheit angenommen wurde, sollen sie dem Gremium darlegen, wie sich weitere Einsparungen in Höhe von knapp 900 000 Euro umsetzen lassen. "Wir werden die Kosten natürlich noch einmal genau prüfen", versicherte Landrat Frey.

Eine Entscheidung, ob das Gymnasium drei- oder doch vierzügig gebaut wird, soll im Frühjahr fallen, wenn es mit der Schulbedarfsplanung die neuesten Prognosen bezüglich der Schülerzahlen gibt. Eine Erweiterung würde für den Landkreis zusätzliche Kosten von 3,3 Millionen Euro bedeuten.

© SZ vom 27.10.2020
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