In der Bürgerversammlung der Gemeinde Herrsching hatte Karin Casaretto einen Antrag "zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über die Tiefengeothermie" gestellt. Das Anliegen behandelte der Gemeinderat nun in seiner jüngsten Sitzung. Dabei stellte Bürgermeister Christian Schiller jedoch klar: "Es hat überhaupt noch keine Verhandlungen mit der Gemeinde gegeben". Der Geothermie Ammersee GmbH, die die bergrechtliche Erlaubnis für das Erdwärmefeld "Vierseenland" habe, fehle ein geeignetes Grundstück für die obligatorischen Probebohrungen und den Rütteltest. Im Vorjahr habe der Investor zwar nach einem Grundstück gefragt. Der Gemeinderat aber habe laut Schiller damals mitgeteilt "dass Grundstücke der Gemeinde weder über einen Pachtvertrag zur Verfügung gestellt noch veräußert werden". "Durch Ausbruch des Krieges in der Ukraine ist die Energieversorgungslage für Deutschland massiv in Not geraten", heißt es im Bürgerantrag. Die Antragstellerin befürchtet, dass Strom- und Energiepreise weiter steigen werden, daher müsse langfristig "jede Gemeinde energieautark werden".
"Wir brauchen die Geothermie und sitzen hier auf einem Schatz", sagte Gerd Mulert (Grüne). Der unter der Erde fließende Grundwasserstrom mache Herrsching zu einem "Hotspot für Geothermie". Er forderte einen Bericht im Arbeitskreis Umwelt und Gemeinderat über den aktuellen Sachstand. Wolfgang Schneider (SPD) bezweifelte, ob Geothermie in Herrsching möglich sei. Die Erschließung mit Fernwärmenetz sei sehr teuer, und es fehle eine ausreichende Anzahl an Abnehmern: "Wir haben kein Neubaugebiet wie in Freiham". Dort steht bereits eine Geothermieanlage , die bis zu 30000 Neubürger versorgen soll. Im Hinblick auf ein Tiefengeothermiewerk an der Seefelder Straße, welches das neue Herrschinger Krankenhaus mit Wärme und Strom beliefern könnte, sagte Schiller, dass Landrat Stefan Frey diese Idee zurückgewiesen habe. Das Krankenhaus soll möglichst schnell realisiert werden. Das wird mit Geothermie nicht möglich sein.