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Bundesliga:Herrschinger Volleyballer wollen Landkreis verlassen

Abwehr ¦ Johannes TILLE 6 HER und Norbert ENGERMANN 10 HER Volleyball WWK Volleys Herrsch

Die Stimmung in der Herrschinger Nikolaushalle ist legendär, doch sie fasst nur 1000 Zuschauer. Nun lockt die Stadt Fürstenfeldbruck den Bundesligaverein mit einem Grundstück für einen Neubau.

(Foto: Oryk Haist)

Das Bundesligateam plant eine Arena für 3000 Zuschauer in Fürstenfeldbruck. In ihrem Heimatort sind sie nicht zum Zug gekommen.

Es ist ein Aufschlag, der für Aufsehen sorgt: Nach fünfjähriger Suche nach einer bundesligatauglichen Halle wollen die Herrschinger Volleyballer des selbsternannten "Geilsten Clubs der Welt" dem Landkreis 2022 endgültig den Rücken kehren. In Fürstenfeldbruck plant der Bundesligist den Bau einer bis zu 3000 Zuschauer fassenden Multifunktionshalle nebst Hotel. Die Pläne werden dem Fürstenfeldbrucker Hauptausschuss am Dienstag vorgestellt. Sollte der Bau gelingen, verlöre der Landkreis abgesehen von den Seglern seine einzige Bundesligamannschaft im Breitensport.

Fritz Frömming, Teammanager und Geschäftsführer der aus dem Verein ausgelagerten "Home of Volleyball GmbH", bestätigte am Freitag das Vorhaben. Spätestens zur Saison 2022/2023 müsste die auf fünf Millionen Euro veranschlagte Traglufthalle mit Holz- oder Stahlskelett stehen. Dann nämlich läuft die Sonderregelung aus, die es den WWK Volleys erlaubt, in der Bundesligaansprüchen nicht genügenden, zu niedrigen Nikolaushalle in Herrsching die jährlich bis zu 30 Heimspiele auszurichten.

Einen Neubau hatte der Gemeinderat 2017 abgelehnt. "Profisport auf diesem Niveau ist nichts für eine 11 000-Einwohner-Gemeinde", sagt Bürgermeister Christian Schiller. Die Gemeinde habe den Volleys kein passendes Grundstück anbieten können. Doch gab es auch Zweifel, was mit einer Eventarena passieren solle, falls die Volleyballer eines Tages abstiegen. Nach den damaligen Plänen hätte eine Betreibergesellschaft die Halle gebaut und finanziert, "zweimal in der Woche hätte die mit 2500 Leuten voll sein müssen", erinnert sich Schiller an das Konzept. Alles in allem sei das "eine Nummer zu groß" für Herrsching gewesen. Anstatt einer Eventarena gelte es, günstigen Wohnraum zu schaffen, so Schiller.

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Fritz Frömming ist gar nicht gut zu sprechen auf seinen Bürgermeister und den Gemeinderat, von denen er sich im Stich gelassen fühlt. So konnten zwar die Ligaspiele noch immer in Herrsching stattfinden. Ab dem Pokalhalbfinale sowie für Meisterschaften aber musste in eine doppelt so große Halle ausgewichen werden, wofür die Volleyballer nach Innsbruck oder Vilsbiburg gefahren sind.

Christian Schiller kann den Frust nur bedingt nachvollziehen. Die Gemeinde habe den Verein in den vergangenen Jahren "viel getan, dass der Verein in der Bundesliga Fuß fassen konnte". Die bestehende halle habe man aufgemöbelt und jährlich 10 000 Euro für zusätzliche Trainingszeiten in anderen Hallen gezahlt. Ja, die Volleyballer seien ein "schönes Aushängeschild". "Das ist nett, aber bringt für eine Kommune außer Prestige nicht viel."

Das sieht Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) anders. Wie Frömming berichtet, sei dieser auf die Volleyballer zugekommen und habe zwei Grundstück im Westen vorgeschlagen. Das passende wäre wohl 14 000 Quadratmeter groß, südlich gäbe es ein weiteres, fast 23 000 Quadratmeter großes Areal. Beide Flächen grenzen an das Industriegebiet Hubertusstraße und den Toom-Baumarkt. In der Stadt gibt es Hoffnungen, mit einer solchen Multifunktionshalle auch örtliche Vereine unterzubringen. So suchen auch die Drittligahandballer des TuS bei besonderen Spielen wie jüngst gegen die Rhein-Neckar Löwen schon mal eine Alternative zur knapp tausend Zuschauer fassenden Wittelsbacher Halle. Die Stadtverwaltung knüpft an das Projekt die Hoffnung auf einen "Gewinn für den Breitensport in der Stadt".

Von den Erwachsenen- und Jugendteams der Herrschinger Volleyballer genutzt werden würde die Halle hauptsächlich von Montag bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr sowie vom Bundesligateam an Samstagen zwischen 15 und 22 Uhr. Für den Bau der Halle auf 14 000 Quadratmetern (inklusive 500 bis 700 Parkplätze) würde auch hier eine Spielbetriebsgesellschaft gegründet, der auch die Volleyballer Miete zahlen müssten. Ein Sponsor, nach dem die Halle benannt werden soll, sei bereits gefunden, so Frömming. Den Namen will er noch nicht nennen.

Christian Schiller freut sich für die Volleyballer - und dass sie in Fürstenfeldbruck quasi um die Ecke wären.

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