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Landkreis Starnberg:Drei weitere Corona-Tote in Herrschinger Schindlbeck-Klinik

Die Schindlbeck-Klinik in Herrsching kämpft seit Monatsbeginn mit einem Ausbruch des Coronavirus unter Patienten und Mitarbeitern.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die Zahl der infizierten Patienten und Mitarbeiter steigt weiter. Weil sich das Virus auch im Seniorenstift in Seefeld ausbreitet, schließt das Landratsamt das Haus.

Von Carolin Fries

In der Herrschinger Schindlbeck-Klinik sind erneut drei mit dem Coronavirus infizierte Patienten gestorben. Wie ein Kliniksprecher mitteilt, handelt es sich bei allen drei Personen um Patienten, die sich erst in der Klinik angesteckt haben. Ein Patient starb am Sonntag, zwei am Montag. Die Klinik kämpft seit knapp zwei Wochen mit einem Ausbruch. Anfang Dezember sind bereits drei Patienten verstorben, die den Erreger in das Haus eingeschleppt haben sollen.

Nach wie vor tauchen immer neue Fälle auf den Stationen auf, obwohl die Klinik eine Isolierstation eingerichtet hat, keine weiteren Patienten mehr aufnimmt und ein strenges Besuchsverbot gilt. So stieg die Zahl der infizierten Patienten über das Wochenende von acht auf 15, laut Kliniksprecher "liegen unterschiedliche Schweregrade" im Krankheitsverlauf vor. Auch Mitarbeiter werden weiterhin positiv getestet: Am Freitag waren 24 betroffen, am Sonntag 31 und am Montag 36. Weitere Angaben zu den Verstorbenen machte die Klinik am Montag nicht. Insgesamt werden dort derzeit 21 Covid-19-Patienten behandelt, davon zwei auf der Intensivstation, einer wird beatmet.

Nach der Schindlbeck-Klinik hat das Landratsamt am Montag auch das Seniorenstift Pilsensee in Seefeld geschlossen, weil sich dort das Coronavirus auszubreiten scheint. Am Sonntag wurde bekannt, dass 19 der 50 Bewohner positiv getestet wurden, außerdem eine Mitarbeiterin. Zwei Bewohner wurden bereits am Wochenende mit Verdacht auf Lugendentzündung in eine Klinik gebracht, wie Geschäftsführer Ulf Walliczek sagt. Am Montag mussten zwei weitere Bewohner in die Klinik. Zudem wurde ein weiterer Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getes- tet, wie Landratsamtssprecherin Barbara Beck mitteilt. Damit fällt laut Walliczek knapp ein Drittel der Belegschaft aus.

Den im Seniorenstift verbliebenen infizierten Bewohnern gehe es gut, so der Geschäftsführer, sie zeigten keine Symptome. Auch der Großteil der betroffenen Mitarbeiter sei gesundheitlich stabil. Lediglich vier Personen hätten stärkere Erkältungssymptome gemeldet. Die vielen Covid-19-Fälle seien das Ergebnis einer Reihentestung, nachdem in der vergangenen Woche vier Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

"Ich vermute, dass das Virus über die Pflegekräfte ins Haus gekommen ist", sagt Walliczek. Viele Mitarbeiter hätten Nebenjobs in anderen Heimen oder Krankenhäusern. Er wünscht sich deshalb verbindliche Vorgaben für alle Dienstleister im Gesundheits- und Pflegebereich, in welchen Abständen Mitarbeiter getestet werden müssen. "Im zweiten Schritt brauchen wir natürlich mehr Schnelltests." Im Seniorenstift seien erst in der vergangenen Woche welche vom Gesundheitsamt angekommen.

Die infizierten Bewohner versuche man nun, "so gut es geht", zu isolieren, so der Geschäftsführer. Bei Bewohnern mit einem starken Bewegungsdrang sei das allerdings kaum möglich, "das Risiko müssen wir in Kauf nehmen". Große Sorgen macht sich Walliczek um seine Mitarbeiter, die nun täglich Covid-19-Kranke versorgen müssen. "Das ist psychisch sehr belastend." Für das gesamte Haus gilt nun ein Besuchsverbot bis einschließlich 24. Dezember. "Da müssen wir uns noch was überlegen, vielleicht eine Fenster-Weihnacht", sagt Walliczek.

Ganz anders im Caritas-Altenheim Maria Eich in Krailling. Auch dort gibt es seit zwei Wochen Coronavirus-Fälle, insgesamt sechs Bewohner seien positiv getestet worden, alle symptomfrei. "Derzeit sind noch drei Bewohner in Quarantäne, außerdem eine Mitarbeiterin", sagt Heimleiterin Diana Sturzenhecker. Diese arbeite allerdings nicht in dem Bereich der infizierten Bewohner. Sturzenhecker vermutet, dass Besucher die Bewohner angesteckt haben. "Es gibt leider immer wieder Angehörige, die sich nicht an die Regeln halten und die Masken zum Beispiel im Zimmer absetzen." Von diesem Dienstag an bietet das Altenheim deshalb Schnelltests für Besucher an - ohne ein negatives Ergebnis darf niemand mehr ins Haus. Wer sich nicht vor Ort testen lassen will, kann auch einen negativen Befund mitbringen. Die Mitarbeiter würden zweimal wöchentlich getestet, die 163 Bewohner im Abstand von zwei Wochen, selbstverständlich auf freiwilliger Basis. "Das alles gibt auch keine hundertprozentige Sicherheit, aber wir wollen ein Besuchsverbot unbedingt vermeiden", sagt Sturzenhecker. An Heiligabend werde von 9 bis 16 Uhr getestet, damit niemand wegen der Pandemie allein sein muss.

© SZ vom 15.12.2020
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