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Coronavirus:Herrsching stellt Kühlcontainer für Särge auf

Herrsching: Friedhof - Kühlcontainer als Vorsorgemaßnahme

Bürgermeister Christian Schiller (re.) und Bestatter Luciano Peccolo zeigen den Kühlcontainer, der zur Vorsorge angeschafft wurde.

(Foto: Nila Thiel)

Die Gemeinde verzeichnet ungewöhnlich viele Corona-Tote und Gestorbene mit ungeklärter Todesursache. Im Dezember waren die Kapazitäten in der Aussegnungshalle knapp geworden.

Von Astrid Becker

Die Warnung war deutlich: "Es wird eng", hatte das Bestattungsunternehmen Denk der Gemeinde Ende des Jahres signalisiert. Eng, damit ist die Zahl der vorhandenen Kühlplätze für Tote gemeint. Was für viele makaber klingen mag, weil der Tod ein Thema ist, mit dem sich viele Lebende nur ungern auseinandersetzen, ist für Bestatter und Gemeinden eine Pflicht. Sie haben per Gesetz Sorge dafür zu tragen, dass Leichen vor der Bestattung ordnungsgemäß gekühlt werden. Doch wegen der Pandemie und der damit verbundenen steigenden Zahl der Sterbefälle sind die Kapazitäten in vielen Kommunen - wie etwa jüngst aus Nürnberg berichtet -, knapp geworden. "Rein vorsorglich", wie Bürgermeister Christian Schiller betont, hat Herrsching nun die Zahl seiner Leichenkühlplätze aufgestockt - mit einem Kühlcontainer am Friedhof im Mitterweg, der Raum für zehn Särge bietet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Ammerseegemeinde auf eine mobile Kühlstation für ihre Toten ausweicht. Bereits im April hatte die Verwaltung einen Container für den "Fall des Falles" aufgestellt. "Zum Glück haben wir ihn nicht ein Mal in Betrieb nehmen müssen, und wir hoffen, dass dies auch diesmal so ist", so der Rathauschef. Ende des Jahres aber, kurz vor den Weihnachtsfeiertagen, wurden die Kühlkapazitäten für die Gestorbenen knapp, wie Luciano Peccolo von der Trauerhilfe Denk sagt.

Als Vertragspartner der Gemeinde obliegen diesem Unternehmen alle Aufgaben, die einst Totengräber übernommen haben: Sargträger bereit zu stellen, Tote umzubetten und Gräber zu öffnen oder zu schließen. Über das nötige Personal dafür verfügen viele Kommunen heutzutage aber nicht mehr. Deshalb beauftragen sie ein Bestattungsunternehmen damit. In Herrsching ist das derzeit die Firma Denk. Und sie war es auch, die die Kommune auf mögliche fehlende Kapazitäten aufmerksam machte.

"Die Sterberate ist in Gemeinden wie Herrsching mit einer Klinik und fünf Pflegeeinrichtungen ohnehin höher als in anderen Kommunen", sagt Peccolo. Von November bis Weihnachten allerdings hatte die Gemeinde, in der es laut Bestatter "eigentlich 2020 erstaunlich ruhig zuging" zu viele Tote zu verzeichnen. Schiller spricht von 17 Corona-Toten, "von denen wir sicher wissen", und genauso viel anderen Sterbefällen, deren Hintergründe noch nicht aufgearbeitet seien. "Wir erfahren nicht immer, ob jemand an Covid-19 gestorben ist", sagt der Bürgermeister.

Herrsching: Friedhof -  Aussegnungshalle

In Herrsching sterben im Jahr 270 bis 300 Menschen. Ihre Leichen werden normalerweise in den "Schneewittchensärgen" in der Aussegnungshalle gekühlt.

(Foto: Nila Thiel)

In der Aussegnungshalle am Friedhof gibt es Kühlmöglichkeiten nur an zwei der drei vorhandenen Aufbahrungsstätten. Wie Schneewittchensärge sehen diese Plexiglashüllen aus, in die die Holzsärge dann geschoben werden können. Sind diese Plätze belegt, verfügt die Firma Denk noch über eigene Kühlmöglichkeiten mit vier bis acht Grad Celsius, mit denen Leichen bis zur Bestattung gekühlt werden müssen. Doch diese acht Plätze stehen nicht nur dem Landkreis Starnberg zur Verfügung: "Und da kann es bei einer geschätzt 25 bis 30 Prozent gestiegenen Sterberate in der Gesamtregion sehr schwierig werden", so Peccolo.

Deshalb hat Herrsching im November, gleich nach dem Hinweis des Bestatters, einen Kühlcontainer geordert. Sehr schwierig sei es gewesen,überhaupt einen zu bekommen, sagt Schiller: "Das Problem haben ja nicht nur wir." Geliefert wurde der Container am Dienstag und auf dem dafür gesperrten Parkplatz hinter dem Friedhof aufgestellt. Dort werde er bleiben, so lange sich die Corona-Lage nicht bessere, so Schiller. 2000 Euro im Monat gibt die Kommune dafür aus, aber "es ist besser, vorgesorgt zu haben, als dann vor unlösbaren Problemen zu stehen."

© SZ vom 13.01.2021/sim/van
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