„Ich stehe auf keiner Gemeinderatsliste, wenn ich nicht Bürgermeister werde, bin ich raus.“ Bei der Aufstellungsversammlung redet Christian Schiller Klartext. Der Herrschinger kandidiert als Einzelperson. Dass das funktioniert, hat er bei den vergangenen drei Wahlen bewiesen. Jetzt strebt der 57-Jährige seine vierte Amtszeit an. Bei seiner Antrittsrede vor den 49 Mitgliedern seines Vereins „Ein Bürgermeister für alle“ zeigt er sich als versierter Rhetoriker. Über eine Stunde lang redet er frei, erzählt Anekdoten, schürt Emotionen.
In der Gemeinde sei vieles gut gelaufen: „Da spielt die Erfahrung eine Rolle und dass man weiß, wen man anrufen kann“, sagt Schiller, dem das „du“ näher ist als das „Sie“. Erfahrung und Netzwerke sind seine Trümpfe im Wettbewerb mit Gegenkandidatin Karin Casaretto. Die wird von Grünen und Bürgergemeinschaft ins Rennen geschickt.

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Dauerbrenner wie bezahlbarer Wohnraum, der Bahnhof, Landschaftsschutz, Gewerbe stehen auf Schillers Agenda. Er betont jedoch, dass derzeit aus finanziellen Gründen wenig möglich sei. 55,8 Prozent, also mehr als die Hälfte der Gemeindeeinnahmen, fließen als Kreisumlage nach Starnberg ab, und da sind noch die Rückzahlungen und fehlenden Gewerbesteuereinnahmen eines großen Herrschinger Betriebs, die zusammen rund drei Millionen Euro Verlust ausmachen. „Eine Katastrophe“, sagt Schiller und folgert, dass dies eine „erfahrene Führungskraft“ wie ihn im Rathaus erfordere.
Schiller ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Er ist seit 2008 Bürgermeister. Davor hat er beim Energieunternehmen Eon gearbeitet. In seiner ersten Amtszeit hat Schiller davon geschwärmt, wie er es genießt, durch den Ort zu gehen und von allen Seiten angesprochen zu werden. Diese Kontakte sind ihm heute noch genauso wichtig. Er sucht die Nähe zu den Menschen – sei es beim Neujahrsempfang mit Prominenten und Überraschungsgästen, den er gekonnt moderiert, oder in seinen Reels und Beiträgen auf Social Media, die er mit Informationen über das Gemeindeleben füttert.
Auf der CSU-Liste kandidiert Schiller für den Kreistag
Dabei setzt Schiller auf direkte Ansprache und den Eindruck ständiger Nähe, der auch im Wahlkampf wirken soll. Seine Follower erfahren, wie Gemeinderatsentscheidungen ausgefallen sind und sind bei seinem privaten Account virtuell dabei, wenn er über den Brenner radelt oder seinem Sohn, dem Triathleten Felix Schiller, beim Ironman zujubelt.
Erstmals möchte Christian Schiller nun auch in den Kreistag, um Herrschings Interessen zu vertreten. Drei Parteien hätten ihm einen Listenplatz angeboten, sagt er. Er entschied sich aus strategischen Gründen für die CSU. „Da habe ich die meisten Chancen.“ Für die Christsozialen saß Schiller übrigens schon einmal von 1996 bis 2002 im Gemeinderat.
Bei der Wahl zum Bürgermeisterkandidaten für 2026 erreicht er fast das Traumergebnis von 100 Prozent. Drei Wahlzettel sind jedoch mit Namen unterschrieben und deswegen ungültig.

