Kommunalwahl in HerrschingAus Protest in die Politik

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Baumschutz liegt Bürgermeisterkandidatin Karin Casaretto besonders am Herzen.
Baumschutz liegt Bürgermeisterkandidatin Karin Casaretto besonders am Herzen. (Foto: Nila Thiel)

Karin Casaretto tritt als Bürgermeisterkandidatin von Bürgergemeinschaft und Grünen an. Ein gefällter Baum hat ihr politisches Engagement geweckt.

Von Patrizia Steipe, Herrsching

Die Bürgergemeinschaft Herrsching und die Grünen haben eine gemeinsame Bürgermeisterkandidatin aufgestellt. Die parteifreie Karin Casaretto (Jahrgang 1966) führt außerdem die Grünen-Liste für den Gemeinderat an. Das erhöht ihre Chancen auf einen Einzug ins Rathaus unabhängig vom Ausgang der Bürgermeisterwahl. Sie tritt gegen Amtsinhaber Christian Schiller an, der für eine vierte Amtszeit kandidieren möchte.

Casarettos politisches Engagement begann vor drei Jahren, als der große Baum am Kienbach, der direkt vor ihrem Fenster stand, der Motorsäge zum Opfer fiel. „In der Gemeinde wurden weitere alte Bäume gefällt“, bedauert sie. Sie beschloss zu handeln und engagierte sich im neuen Verein Pro Natur. Bald übernahm sie den Vorsitz. „Wenn ich etwas anpacke, dann richtig“, erklärt die Filmproduzentin, Regisseurin und wissenschaftliche Referentin im Klimaschutzmanagement an der Hochschule Weihenstephan.

Vor 18 Jahren zog Casaretto mit ihrer Familie nach Herrsching. Die begeisterte Seglerin und Reiterin spricht vom „schönsten Ort am Ammersee“. Und das soll Herrsching bleiben. Für die Baumschutzinitiative drehte sie den Youtube-Film „Unser Kienbach“. Darin sieht man sie in Gummistiefeln durch das Bachbett stapfen und erklären, sie wolle den Bach bewahren und am Bahnhof wieder öffnen.

Der Bahnhof beschäftigt sie besonders. Casaretto sieht dort die künftige Ortsmitte mit einem von einer Bürgergenossenschaft realisierten Kultur- und Bürgerbahnhof. Auf dem stillgelegten Gleis könnte ein alter Eisenbahnwaggon als Jugendcafé stehen, überlegt die Mutter eines 17-jährigen Sohnes. Casaretto hat viele Ideen. Die See-Geothermie steht auf ihrer Wunschliste, ebenso Wohnungen auf dem Bofrost-Areal oder das vor Jahren beschlossene Einheimischenmodell auf der Klosterwiese in Breitbrunn.

Mit Vertragsrecht und Feuerwehrwesen hat sie sich bereits befasst

Als Regisseurin denkt sie kreativ. „Ein ‚geht nicht‘ gibt‘s nicht“, sagt sie und betont: „Ich will gestalten und zuhören.“ Sie fordert Transparenz, offene Diskussionen und kritisiert in Herrsching eine „Politik hinter verschlossenen Türen“, die zu inszenierten Gemeinderatssitzungen führe, in denen längst alles feststehe. Bei der Bürgerbefragung von Pro Natur äußerten 950 Personen Kritik und Wünsche. „Ich bin zu vielen Orten geradelt, um mir ein Bild zu machen“, erklärt sie.

Und sie bereitet sich vor, hat ein Seminar für Bürgermeisterbewerber im bayerischen Selbstverwaltungskolleg gebucht. Einen Gemeinderatskurs mit Einheiten zu Bau- und Vertragsrecht oder Feuerwehrwesen hat sie bereits absolviert. „Richtig cool war das“, sagt sie. Um die Herrschinger von sich zu überzeugen, lädt sie jeden zweiten und vierten Freitag von 16 bis 17 Uhr vor das Energiewendezentrum in der Herrschinger Seestraße 35 zu einem „Walk & Talk“ ein.

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