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Herrsching:Kommt ein Biber an den Bahnsteig

Herrsching hat allerlei zu bieten: Ein Biber an der S-Bahn - dass er und seine Artgenossen Bäume zernagen, stört einige.

(Foto: Dieter Härth)

Gänsekot, Schwalbennester und nun das: Kein Ort im Fünfseenland hat so viel Ärger mit der Fauna wie Herrsching. Selbst Touristen machen sich schon darüber lustig.

Kurios. Ein Biber am Bahnsteig. An einem Ort, an dem Menschen oft missgelaunt warten, trägt ein Tier wie dieses sicher zur Erheiterung bei. In Herrsching ist das neuerdings zu erleben, und der eine oder andere drückt da schon mal auf den Auslöser seiner Handykamera. Bürgermeister Christian Schiller hat so ein Foto in den Bürgerversammlungen vorgezeigt und damit viele Lacher bei seinem Publikum erzeugt - vor allem, weil er das regelmäßig mit dem Spruch garnierte: "Wenn er doch nur einsteigen würde..."

Das klingt lustig, offenbart aber auch, dass den Bürgermeister in seiner Gemeinde recht viele tierische Probleme plagen - weit mehr als in anderen Kommunen im Kreis. Da ist die zehn Kilometer lange Uferpromenade, mit der Herrsching als "der längsten in ganz Deutschland" wirbt - und deren üppiger Baumbestand. Eine Pracht, die auch der Biber für sich entdeckt hat. Sechs der streng geschützten Tiere leben in Herrsching, etwa 20 Bäume hätten sie allein in den vergangenen zwei Jahren am Ufer zwischen Wartaweil bis weit über den Fischbach an der Rieder Straße hinaus zerstört. Deshalb ummantelt die Gemeinde ihre Bäume jetzt mit Drahthosen, was nicht gerade ein schöner Anblick ist.

Starnberg

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Viele und oft stundenlange Gespräche habe er schon geführt, wie er die geschützten Tiere vom Baumbestand fernhalten könne: "Da gibt es noch so eine Tinktur, mit der man den Baum von unten etwa eineinhalb Meter weit nach oben einschmiert, aber das hat nicht viel genutzt." Der Biber sei ein besonders schlaues Tier und Baumrinden hätten oft auch rissige Borken: "Der Biber findet da jede noch so kleine Pore, die nicht bepinselt ist, und schon legt er los." Also bleibt nicht viel anderes übrig, als die Bäume einzuzäunen: "Manche Touristen haben sich darüber schon lustig gemacht und gefragt, ob wir Angst haben, dass uns die Bäume geklaut werden", erzählt er.

Zäune wird es in Herrsching auch bald wieder gegen die Gänse geben - zumindest in Höhe des Sportplatzes: "Der wird sonst vollkommen zugekotet", sagt der Rathauschef. Von April bis Juni könnten die Gänse die Zäune wegen der Mauser nicht überfliegen.

Herrsching: Gänse auf der Seepromenade

Gänse am Strand - die Ausscheidungen der Tiere sind manchem in Herrsching ein Dorn im Auge.

(Foto: Nila Thiel)

Ein Behelf, dem sich die Gemeinde bediente, nachdem die Unteren Jagdbehörden in Landsberg und Starnberg die Idee abgelehnt hatten, Gänse und Enten mit einem Seeadler zu vergrämen. Die Schonzeit hätte dafür aufgehoben werden müssen, weil der Plan rechtlich als Jagdhandlung gilt. Das aber sei nicht möglich gewesen, weil verkotete Wiesen keinen wirtschaftlichen Schaden darstellten, lautete die Begründung des Starnberger Landratsamts.

Neu ist nun aber ein anderer Plan: Schiller zufolge werde derzeit in der Staatskanzlei und im Umweltministerium geprüft, ob im Rahmen eines Forschungsprojektes über Gelegemanagement die Population der Tiere verringert werden könne: "Laienhaft gesagt: Wenn eine Gans beispielsweise vier Eier legt, werden zwei bis drei angestochen, sodass nur noch ein bis zwei Jungtiere hochkommen", umreißt Schiller den Ansatz, der wohl mit dem Wildbiologen und Wildtiermanager Professor Andreas König aus Weihenstephan, umgesetzt werden soll. Doch ob es so weit kommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Schwalbe bei der Fütterung  ihrer Jungen

Schwalben im Bahnhof - Tierfreunden sind sie Grund zur Begeisterung, andere Bewohner der größten Gemeinde am Ammersee stören sich an den hohen Kosten, die die Rettung der Vögel aus der Bahnhofshalle verursacht haben.

(Foto: LBV)

Ein anderes tierisches Problem dagegen schon: die Sache mit den Schwalben in der Bahnhofshalle. Mehrere Nester der als bedroht geltenden Vögel waren dort entdeckt worden. Ihre Bewohner hatten immer wieder "Spuren" auf Köpfen und Kleidung der Fahrgäste sowie an Wänden und auf dem Boden hinterlassen. Deshalb sollte die einst offene Halle geschlossen werden. Doch ohne Umzug der Tiere keine Genehmigung. Drei Jahre habe es gedauert, bis die Vögel ihre neue Heimat am Bahndamm angenommen hätten, sagt Schiller. 20 000 bis 30 000 Euro habe das "erste Umsiedlungsprogramm dieser Art in Deutschland" verschlungen.

Immerhin hatte die Idee Erfolg. Alle andere tierischen Probleme löst Schiller derzeit nur mit Humor: "Irgendwann biete ich halt Safaris ins Herrschinger Wildlife an."

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