„Ein stiller Avantgardist in Oberbayern“: Es hätte wohl kaum einen passenderen Titel für die Rückschau auf das Lebenswerk von Heinz Butz gegeben. Der Künstler, der in München und in Oberammergau lebte und im Dezember 2025 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, war alles andere als ein Shootingstar, der breiten Öffentlichkeit dürfte sein Name kaum bekannt sein. Gleichzeitig aber befinden sich seine Arbeiten in den renommiertesten Kunstsammlungen. Und so kam es, dass sich zur Ausstellungseröffnung Sonntagnachmittag die Münchner Kunstszene im kleinen Museum Starnberger See, dem ehemaligen Heimatmuseum der Stadt Starnberg, versammelte.

Heinz Butz wurde 1925 in Dillingen an der Donau geboren. Als 19-Jähriger wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nachdem er 1946 schwerverletzt aus russischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, schloss er sich in Augsburg der „Naturforschenden Gesellschaft“ an. Schließlich begann er ein Studium an der Kunstschule der Stadt Augsburg und wechselte 1950 an die Akademie der Bildenden Künste nach München. Von 1954 an unterrichtete er zunächst an der Kunstschule, dann an der Werkkunstschule in Augsburg und zuletzt an der Münchner Akademie, wo er von 1983 bis zu seiner Emeritierung 1991 eine Professur für Kunsterziehung innehatte.

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Vor allem das genaue Studium der Natur war Grundlage seiner Lehre, Generationen von Kunststudenten unterrichtete er im Aktzeichnen. Parallel zu seiner Lehrtätigkeit entwickelte Butz sein eigenes Werk leise und hoch konzentriert, unbeeindruckt von Moden und Vorbildern. Das Trauma von Krieg und Gefangenschaft schlug sich darin ebenso nachdrücklich nieder wie die tief empfundene Liebe zur Natur.

Es ist dem bestens vernetzten Museumsleiter Benjamin Tillig zu verdanken, dass die erste museale Einzelausstellung für den 2022 verstorbenen Künstler am Starnberger See stattfinden kann. Sie entstand in enger Zusammenarbeit mit der Familie und mit dem Münchner Galeristen Fred Jahn, der Butz seit den 1980er-Jahren vertrat. Auch private Sammler stellten großzügig Leihgaben zur Verfügung.
Alle Kunst kommt aus dem Leben und Erleben.Heinz Butz
Man könnte diese Retrospektive, die sich über zwei Etagen erstreckt, mit einer Aneinanderreihung von Superlativen beschreiben, denn sie vereint zahlreiche hochkarätige Exponate aus allen Schaffensperioden. Sie zeigt frühe Naturstudien ebenso wie die beinahe lebenslange Auseinandersetzung mit dem menschlichen, vor allem weiblichen Körper. Sie umfasst die Bildobjekte aus farbig gefassten Spanplatten ebenso wie das zeichnerische Werk und schließlich ein umfängliches Konvolut von Kleinplastiken, das gerade von einem Sammler gekauft wurde und nun noch einmal der Öffentlichkeit präsentiert wird, vielleicht zum letzten Mal.
Man könnte sich dieser Ausstellung aber auch aus einem ganz anderen Blickwinkel nähern. Man könnte eintreten in die stille Welt, die dieser ungewöhnliche Künstler erschaffen hat, und die nun beinahe kongenial präsentiert wird. Das sanft-warme Grau der Wände, so scheint es, dehnt die subtile Farbigkeit der an einer langen Wand präsentierten Bildfolge aus den 1960er-Jahren auf den gesamten Raum aus. Es dient zugleich als ruhiger Hintergrund für die frühen Stilleben, für die Landschaften und schließlich auch für die Aktdarstellungen, die tanzenden, liegenden und sich manchmal verrenkenden Körper und die aus einzelnen Körperteilen „zusammengenähten“ Objekte. Die Grenzen zwischen Abbildung und Abstraktion überschreitet Butz beinahe beiläufig und in beide Richtungen. Die etablierten Regeln für die Hängung von Exponaten lässt diese Ausstellung ebenso beiläufig außer Acht.


Alle Kunst komme aus dem Leben und Erleben, so zitierte Tillig den Künstler in seiner begeisterten Einführung. Um seinen Erfahrungen in Faschismus, Krieg und Gefangenschaft etwas entgegenzusetzen, habe Butz sich erst der Natur und dann der Kunst zugewandt. Im Lauf der Jahre habe er ein ungewöhnliches und eindrückliches Werk geschaffen, das alles andere als heroisch sei, nicht abgrenzend, sondern verbindend.

Allenfalls beiläufig folgt die Ausstellung zunächst einer Chronologie, bevor sie im Untergeschoss die Bezüge zwischen den einzelnen Werken aufspürt und ausgerechnet den aus alltäglichen Fundstücken entstandenen Kleinskulpturen einen denkbar großen Auftritt verschafft. Butz habe einen Werkkosmos geschaffen, der „sich mühelos jeder Einordnung widersetzt“, heißt es im Begleittext. Gleiches könnte man über den Kosmos dieser wundersam leichtfüßigen und spielerischen Ausstellung sagen.
Die Ausstellung „Heinz Butz – Ein stiller Avantgardist in Oberbayern“ ist noch bis zum 3. Mai 2026 im Museum Starnberger See zu sehen. Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

