Bald wird das historische Bahnhofsgebäude in Hechendorf in neuem Glanz erstrahlen. Eigentümerin Isabel Thielen, die vor fünf Monaten das Haus erworben hat, befindet sich mit den Sanierungsarbeiten in der Endphase. Die 54-jährige Medizinerin hofft, spätestens Anfang Mai damit fertig zu sein und im ehemaligen Wartesaal ein Fotoatelier und im Nebentrakt eine Arztpraxis für funktionelle und präventive Medizin eröffnen zu können. Thielen ist auch promovierte Psychologin und will Coachings und Strategiemeetings anbieten. Zudem wird es einen Backshop von Kasprowicz geben, von dem vor allem Pendler und Fahrgäste künftig profitieren dürfen.
Aber über eine Sache freut sich Thielen ganz besonders: Ihr ist nämlich der Clou gelungen, dass nach fast zehn Jahren wieder die Uhr am Gebäude funktioniert und somit ein ewiges Ärgernis in der Gemeinde der Vergangenheit angehört. Denn die Zeiger auf dem Ziffernblatt zeigten immer die falsche Zeit an und irritierten somit auch oft Fahrgäste, die zur S-Bahn wollten. Niemand fühlte sich zuständig und die Bahn AG verwies darauf, dass die Uhr am alten Bahnhofsgebäude dem jeweiligen Eigentümer gehöre und man nichts damit zu tun habe.
Das wiederum ließ die neue Besitzerin nicht ruhen; sie wollte das Problem endlich lösen. „Ich habe hierbei einen persönlichen Ehrgeiz entwickelt und bin der Sache energisch nachgegangen“, erzählt Thielen. So kam es, dass die Bahn ein Modul zur Funksteuerung bei der Uhr einbaute. Zudem kümmerte sich ein Elektriker von ihrer Baustelle um den aktiven Stromanschluss, was offenkundig auch nicht ganz einfach war. „Aber jetzt geht die Uhr wieder“, freut sich Thielen. Denn sonst hätte sie abmontiert werden müssen, was schade gewesen wäre.

Das sieht auch der Seefelder Bürgermeister Klaus Kögel (CSU) so, der die Beharrlichkeit der neuen Eigentümerin lobt. Denn diese Uhr habe leider alle Varianten drauf gehabt, nur nicht die richtigen, sagt er. Überhaupt sei die Gemeinde sehr froh über die Wiederbelebung des 123 Jahre alten Bahnhofs. Er sei von dem ganzheitlichen Konzept angetan, auch wenn es kein Lokal mehr in dem Gebäude gebe, so Kögel. Aber dafür könne man sich nun auf die Bäckerei-Filiale freuen. Jedenfalls werde das Bahnhofsareal aufgewertet und es sei schon eine „positive Resonanz“ der Einwohner zu spüren, berichtet der Rathauschef.
Zum Projekt gehört überdies, den ehemaligen Wartesaal nicht nur für Coaching-Seminare, sondern vielleicht auch für Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Das ist gut vorstellbar, denn Thielen war früher Personalchefin bei Bertelsmann und ihr Ehemann Klaus Eck ein Verlagsleiter. Jetzt will aber das Paar erst einmal mit der umfassenden Renovierung fertig werden, die viel Kraft gekostet und Kreativität erfordert hätte.

