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Handwerk in der Coronazeit:Dieser junge Metzger eröffnet seinen Hofladen trotz Krise

Er ist erst 22 Jahre alt, aber Metzger aus Leidenschaft: Georg Friedl.

(Foto: Arlet Ulfers)

Auf dem Inninger Broslhof bietet der 22-jährige Georg Friedl alle Teile vom Rasserind an. Und schlachtet auch noch selbst.

Am Hof riecht es nach frisch gebrühter Wurst. Feinwürzig ist dieser Duft. Und appetitanregend. Es dauert dann auch einige Minuten, bis Georg Friedl junior Zeit hat, um mit einem zu sprechen. "Moment bitte", sagt er, " ich muss schnell noch etwas aus dem Kessel holen." In dem Duft der Wurst stehen ein paar Menschen bei Sonnenschein und warten auf Einlass. Wegen Corona dürfen immer nur zwei Kunden in den neuen Hofladen auf dem Broslhof in Inning, den Georg Friedl junior nun, trotz der allgemeinen Krise, eröffnet hat.

"Ich habe das ein Jahr geplant und deswegen auch jetzt durchgezogen." Hätte er allerdings eine solche Pandemie vorhergesehen, hätte er es sich vielleicht noch einmal anders überlegt. "Aber ein bisschen Angst habe ich schon, was ist wenn ich das Virus erwische? Dann kann ich zusperren." Deshalb müssen seine Kunden nicht nur Abstand voneinander halten, sondern auf der einen Seite den Laden betreten und ihn auf der anderen Seite wieder verlassen. Das funktioniert, weil der Hofladen zwei Eingänge hat, Friedls Personal bedient durch eine Plexiglasscheibe, trägt Handschuhe, direkten Kontakt mit den Kunden gibt es nicht. "Das ist mir wichtig - ich würde nie mehr froh werden, wenn ich jemanden anstecken würde", sagt Friedl. Er ist gerade einmal 22 Jahre alt und der Enkel des früheren Inninger Bürgermeisters und Landwirts Georg Glas, der vor elf Jahren gestorben ist. Darin liegt auch der Grund, warum Georg Friedl irgendwann den Wunsch entwickelt hat, Metzger zu werden, also einen Beruf zu ergreifen, der immer wenige junge Menschen begeistern kann. Bei Georg Friedl ist das anders: "Ich bin da hineingewachsen", sagt er. Hineingewachsen - damit meint er die Mutter-Kuh-Haltung, mit der einst sein Großvater Glas mit Charolais-Rindern begonnen hat, also einer fleischliefernden Rasse, die damals vor mehr als 20 Jahren noch kaum jemand in der Gegend gehalten hat. Schon damals gab es auf dem Broslhof mitten im Ortszentrum der kleinen Ammerseegemeinde einen Hofladen, den bisher Georg Glas Frau Anneliese geführt hatte. Kleiner war der bis vor Kurzem, und nicht so stark auf eigen erzeugte Produkte getrimmt wie es Enkel Georg nun will. "Die Gelegenheit ergab sich jetzt, entweder ich übernehme oder wir geben den Hofladen auf. Und ich wollte immer schon selbständig sein", erzählt dieser jetzt: "Klar, ich hätte auch etwas anderes machen können, in irgendeine große Firma gehen, Hierarchien hält man als junger Mensch schon aus, aber dann mit 30 oder älter - nein, das war nicht mein Lebensziel."

Auf dem Broslhof in Inning, der seiner Familie gehört, hat Georg Friedl eine Hofmetzgerei eröffnet - mit Fleisch von den Rindern seiner Familie. Geschlachtet wird auch vor Ort.

(Foto: Arlet Ulfers)

Also besucht Georg Friedl nach seinem Realschulabschluss in Schondorf noch die Fachoberschule in Pasing und beginnt nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Metzger bei Hans Kneissl in Herrsching. Dort lernt er alles über das Handwerk, sieht aber auch, wie sich Kneissl Tag und Nacht abrackert, um seinen eigenen Ansprüchen an Qualität und selbst erzeugte Waren gerecht zu werden. Aber genau das ist es, was Georg Friedl will: "Frische Topware", wie er sagt. Also zieht der junge Mann in Windeseile seine Ausbildung durch, nach der für ihn verkürzten Lehrzeit von zwei Jahren hängt er sofort den Meister an, und arbeitet dann noch in drei verschiedenen Metzgereien, beim Weber in Lenggries, beim Scholler in Starnberg und neben seiner Ausbildung beim Kneissl auch noch beim "Maischberger" in Buchloe. Letzteres aus gutem Grund: Denn dort lernt Friedl Schlachten. Für ihn gehört das dazu. "Nicht alle machen das und können das." Aber auf dem Broslhof ist das Selbstschlachten der mittlerweile unterschiedlichen Rinderrassen, die nach wie vor größtenteils im Freien leben, Teil des Konzepts - schon seit vielen Jahren. "Wissen Sie, dadurch habe ich immer alle Teile eines Rindes zum Verkauf da, und ich weiß genau, wie es gehalten worden ist." Das gilt auch für die Strohschweine, die allerdings nicht aus eigener Haltung stammen, aber von Bauern aus Poing und Friedberg. Lämmer gibt es auch bei Friedl: Sie kommen aus Fürstenfeldbruck. Zudem bietet er seinen Kunden frisches Geflügel aus der Region an und Kalbfleisch, teils aus eigener Zucht, teils aus Münsing. Das Wichtigste dabei ist für Friedl: "Ich kenne die Haltung, die Fütterung, ich sehe die Qualität des Fleisches." Wenn er so redet, dann spürt man, dass er seinen Beruf mit Leidenschaft ausübt. "Ich finde die ganze Bandbreite super: Von der Produktion bis hin zum Verkauf, der Kontakt zu meinen Kunden ist mir wichtig", sagt er. "Und bei mir kriegen sie jedes Stück vom Tier, und meine Wurst mache ich jede Woche frisch." Außer in der Zeit, in der er selbst in seinem neuen Hofladen in Inning steht: donnerstags und freitags von 9 bis 19 Uhr, und samstags von 8 bis 13 Uhr.

© SZ vom 03.04.2020

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