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Handwerk:Dieser Zimmerer gibt auch schwierigen Azubis eine Chance

Pöcking Wirtschaftspreisträger Gansneder

Ludwig Gansneder ist nur noch selten auf der Baustelle zu finden. Mit der Führung seiner Zimmerei in Pöcking ist er voll ausgelastet.

(Foto: Georgine Treybal)

Der Mensch ist Ludwig Gansneder wichtiger als die Noten - und bislang hat er noch jeden Lehrling durchgebracht. Dafür wird er als bester Ausbilder der Region ausgezeichnet.

Von Boris Messing, Pöcking

"Bisher hab' ich noch alle durchgebracht", sagt Ludwig Gansneder. "Auch die sozial benachteiligten Azubis, die sich schwer taten." Für seinen Zimmerei-Betrieb in Pöcking pickt sich Gansneder nämlich unter den Bewerbern nicht nur die Rosinen heraus, er will allen eine Chance geben. Für dieses soziale Engagement wurde die Zimmerei heuer mit dem Preis "Bester Ausbildungsbetrieb der Region" in der Firmen-Kategorie unter 20 Mitarbeitern ausgezeichnet.

Bei der Auswahl seiner Lehrlinge gehe es hauptsächlich "um den Mensch an sich", sagt Gansneder. Sicher sei es wichtig, dass die Azubis gutes handwerkliches Geschick mitbrächten und solide Mathematik-Kenntnisse. Aber das Menschliche sei ihm wichtiger als Noten. Und das bedeute eben auch, Jugendliche mit einem schwierigen sozialen Hintergrund aufzunehmen. "Es ist ein tolles Erfolgserlebnis, benachteiligten Azubis durch die Lehre zu einem Beruf zu verhelfen", sagt Gansneder.

Für solche Menschen würde sein Betrieb bisweilen sogar eine Art "Familienersatz" werden. So hat er momentan einen jungen Asylbewerber aus Mali in der Lehre. Leider sei es ein "zäher Kampf mit der Bürokratie", ihn behalten zu dürfen. Gansneder arbeitet auch mit der Herzogsägmühle zusammen, einer sozialen Einrichtung der Diakonie in Oberbayern, die sich unter anderem um Jugendliche kümmert, die Probleme in der Berufsschule haben. Mit dieser Institution setzt sich Gansneder zusammen, wenn Lehrlinge seines Betriebs sich in der Schule schwer tun. Gemeinsam wird dann an einer Lösung gearbeitet. Das erfordere manchmal viel Geduld, sagt er, aber am Ende lohne es sich immer.

Die Lehrlinge in Gansneders Betrieb haben zu je einem Drittel einen Mittelschul-, Realschul- und Gymnasialabschluss. Diese Mischung sei ihm wichtig, sagt er. Die Abiturienten beginnen nach der Lehre meistens noch ein Studium im Baubereich. Andere wiederum eröffnen später ihren eigenen Zimmereibetrieb - "selbst geschaffene Konkurrenz sozusagen", sagt Gansneder und lacht. Seit er die Firma 1995 von seinem Vater übernommen hat, wurden 32 Lehrlinge in seinem Betrieb ausgebildet. Die Zimmerei gibt es aber schon seit 1976 - mehr als vier Jahrzehnte, in denen Deutschland sich wiedervereinigte und einige globale Wirtschaftskrisen überstehen musste. Die Zimmerei Gansneder ging stets mit geradem Rücken durch diese Krisen und politischen Umbrüche; die Auftragsbücher seines Familienbetriebs waren immer voll.

Damals begann die Zimmerei als kleiner Drei-Mann-Betrieb und wuchs mit den Jahren stetig. Heute hat sie 18 Mitarbeiter, davon drei Meister. Das handwerkliche Angebot deckt die ganze Palette des Gebäudebaus ab: Gauben, Garagen, Anbauten, Balkone, Fußböden und Treppen, Wände, Decken, Dachstühle - Gansneder baut so ziemlich alles außer Möbel. Mittlerweile erstrecken sich die Aufträge auf den gesamten Landkreis Starnberg und den Münchner Großraum.

© SZ vom 08.11.2018
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