Handwerk:Alle Wege offen

25 Auszubildende bekommen in Andechs ihre Gesellenbriefe. Bei der Feier betonen die Redner, dass ohne Schreiner, Zimmerer, Bäcker und Metzger nichts geht

Von Christine Setzwein, Andechs

Wenn die Kreishandwerkerschaft Starnberg ihre Freisprechungsfeier zelebriert, sind viele Superlative zu hören. Da ist die Rede von einem Feiertag im Jahreskalender, vom ersten Schritt nach oben auf der Karriereleiter, von großer Klasse, von Wertschätzung, von der Wirtschaftsmacht von nebenan und ja, auch von Nachhaltigkeit. Mit dem erfolgreichen Ende der Ausbildung könne man nun der Öffentlichkeit "unseren hervorragenden Nachwuchs vorstellen", sagte Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder am Dienstagabend im Klostergasthof Andechs. 25 Auszubildende - ein Metzger, zwei Bäcker und eine Bäckerei-Fachverkäuferin, neun Schreiner und zwölf Zimmerer/Holzbauer - erhielten ihre Gesellenbriefe, die Prüfungsbesten wurden ausgezeichnet.

2021 sei ein schwieriges Jahr, die Anspannung über die unsichere wirtschaftliche Lage sei spürbar gewesen, sagte Gansneder. Umso mehr seien die Gesellenbriefe "große Klasse" ausgefallen. Das Handwerk sichere den Lebensstandard, Handwerker könnten sich über ihren Beruf verwirklichen. Darum sei es schade, dass 2021 in Oberbayern 2000 Lehrstellen bisher nicht besetzt werden konnten. "Stehen Sie für Ihre Werte ein und engagieren Sie sich", gab er den frischgebackenen Gesellen mit auf den Weg.

Freisprechungsfeier der Kreishandwerker

25 Junghandwerker der Starnberger Bäcker-, Metzger-, Schreiner- und Zimmerer-Holzbau-Innung haben in Andechs ihre Gesellenbriefe bekommen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

"Ihr macht einen supergeilen Job", sagte Landrat Stefan Frey (CSU), der ebenso wie die CSU-Landtagsabgeordnete Ute Eiling-Hütig, der Andechser Bürgermeister Georg Scheitz und einige Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen auf den Heiligen Berg gekommen war. Eigentlich müsste man jeden Gesellen für den Landkreis verpflichten, meinte Frey. Arbeit gebe es genug. "Und in Zukunft verdienen Sie mehr als der ein oder andere abgehalfterte Akademiker wie ich", scherzte Frey.

Als Landrat müsse man nicht unbedingt Akademiker sein, meinte Dieter Vierlbeck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer München und Oberbayern, in Richtung Frey. Einem Handwerker stünden alle Wege offen, ein Meisterbrief biete den uneingeschränkten Hochschulzugang. Vierlbeck führte den Philosophen Julian Nida-Rümelin an, der aufzeige, wie gefährlich der aktuelle Akademisierungstrend sei, der am Ende sowohl die berufliche als auch die akademische Bildung beschädigen werde. Und was die Nachhaltigkeit angehe, müsse sich das Handwerk vor keiner grünen Politik verstecken: "Wir produzieren in der Region für die Region."

Freisprechung

Mit einer Hobelbank aus Eschenholz gewinnt Benedikt Simon Hauser den Wettbewerb "Die gute Form".

(Foto: Pfisterer/oh)

Der Andechser Bürgermeister sprach von der Wertschätzung, die den Junghandwerkern und dem Handwerk entgegengebracht werden müsse. Und der wichtigste Freund sei ohnehin der Handwerker von nebenan, sagte Scheitz.

Seit dem Spätmittelalter mussten die Gesellen bestimmter Zünfte drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft gehen, um den Meisterbrief zu erhalten. Wurde der Lehrling damals von seiner Meisterfamilie freigesprochen, musste er das Festessen selber zahlen, erzählte Gansneder. Heute speisen die Junghandwerker, so wie in Andechs, auf Kosten der VR-Bank. Und zur Unterhaltung durften sie über die Künste des Zauberers und Mentalisten Louis von Eckstein staunen.

Die Innungssieger 2021 sind: Tobias Bernhart (Bäcker), Pablo Nibbe (Metzger), Kilian Anton Rinderle (Zimmerer), Markus Essig für das beste Gesellenstück und Benedikt Simon Hauser (Schreiner). Hauser gewann außerdem den Wettbewerb "Die gute Form".

© SZ vom 05.08.2021
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