Hainbuchen am Kuhweg:Bäumchen, wechsle dich

Starnberg: Possenhofenerstr- Kuhweg

Plötzlich waren entlang des ehemaligen Kuhwegs 25 Hainbuchen da. Die Anwohner sind geteilter Meinung.

(Foto: Nila Thiel)

Eine vorschnelle Pflanzaktion könnte Starnberg einen Eintrag ins "Schwarzbuch der Steuerzahler" bescheren

Von Peter Haacke, Starnberg

Beste Chancen auf einen Eintrag ins "Schwarzbuch der Steuerzahler" hat sich möglicherweise die Stadt Starnberg erarbeitet. Zwar geht es im konkreten Fall nicht um Verschwendung öffentlicher Gelder im sechs- oder siebenstelligen Bereich. Doch die Sinnhaftigkeit einer Aktion der Stadtverwaltung, die an der Possenhofener Straße unlängst 25 Bäumchen anpflanzen ließ, darf bezweifelt werden: In einem Akt vorauseilenden Gehorsams wurden in einem Abstand von zehn Metern 25 Säulenhainbuchen als Ersatz für 15 altersschwache Robinien gesetzt - allerdings ohne Zustimmung der zuständigen Gremien und zum Kummer einiger Anlieger. Nicht ausgeschlossen, dass die jungen Bäume schon bald wieder umgetopft werden.

Schon vor den Sommerferien hatte sich der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität mit dem Thema befasst. Allerdings regte sich bei der CSU seinerzeit Widerstand gegen die Pflanzaktion entlang des ehemaligen "Kuhwegs" oberhalb der Possenhofener Straße. Zwar hatte die Fachstelle "Grünplanung und Naturschutz" ausführliche Überlegungen zu Wahl und Platzierung der Bäume angestellt. Wichtiger Aspekt: Dass die Anwohner "auch in Zukunft den Blick auf den See genießen können". Die Wahl fiel auf Carpinus betulus fastigiata - als Solitär ein pflegeleichter Hingucker mit pyramidenförmiger Krone zum Stückpreis von 130 Euro.

Gleichwohl hätte die Angelegenheit vor der Tat noch einmal politisch beraten werden sollen. Doch da war es schon zu spät, die Grünplaner hatten ganze Arbeit geleistet. Das Echo der 31 Anlieger darauf war geteilt: Bei einer Befragung plädierte etwa die Hälfte für die Entfernung der Hainbuchen und monierte zudem die fehlende Pflege einer teils löchrigen, teils üppig wuchernden Weißdornhecke. Ein erstes Angebot für die Pflege der Hecke, die manchen ohnehin ein Dorn im Auge ist, würde 20 000 Euro kosten, sagte Vize-Bürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU). Hinzu kämen für Baum- und Heckenpflege voraussichtlich etwa 7800 Euro pro Jahr. Das Entfernen der Hainbuchen indes kostet nur etwa 1500 Euro.

Nun also ist guter Rat teuer. Grünen-Chef Franz Sengl sprach von einem "Trilemma": Einerseits sollen Starnbergs Bürger ökologisch "grün" denken, andererseits konstatierte er eine "gewisse Eigenmächtigkeit der Verwaltung, die sonst zu nix kommt". Fraglich sei überdies, ob man den "Seeblick privilegierter Wohnlagen" beschränken dürfe und brachte eine Crowd-Funding-Aktion ins Spiel. Michael Mignoli (BLS) indes befand: "Die Verwaltung hat da was verbockt und muss dafür gerade stehen." Möglicherweise könnten die Bäume am Wiesengrund eine neue Heimat finden. Die Entscheidung darüber fällt demnächst bei einem Ortstermin.

Zuletzt waren Starnberg (2011), Tutzing (2014) und Herrsching (2018) im "Schwarzbuch der Steuerzahler" gelandet: Eine Reise des Starnberger Stadtbaumeisters Stephan Weinl nach China, um einen Preisvorteil für Granitplatten auszuhandeln, fand ebenso Beachtung wie in Tutzing der Bau einer der "teuersten Geh- und Radwege Bayerns". Die Baukosten für 1,3 Kilometer erhöhten sich von 465 000 auf 1,2 Millionen Euro. Herrsching ließ für 234000 Euro ein Verkehrskonzept erstellen und platzierte dazu 25 Pflanzentröge an Einfahrten und Parkflächen, die aber weder zur Verkehrsberuhigung noch zu erhöhter Sicherheit beitrugen. Der Steuerzahlerbund rügte seinerzeit: "Weniger an Grün und Kosten wäre hier vielleicht mehr gewesen." Ein Satz, der für Starnberg erneut Anwendung finden könnte.

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