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Gymnasium Starnberg:Wie Schüler über Rassismus und Handysucht denken

Beim Studientag des Gymnasiums präsentieren Neuntklässler in der Kreisstadt ihre Projekte zum Thema "Leben im 21. Jahrhundert: Unsere Vergangenheit, unsere Zukunft".

"Lasst euch jetzt nicht daran hindern, helfen die Welt zu verändern. Denn heute werden wir erfahren, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu sagen haben", rezitieren die rund 100 Schüler der neunten Jahrgangsstufe des Gymnasiums Starnberg am Donnerstag gemeinsam. Die Jugendlichen stellen ihre Projekte zum Thema "Leben im 21. Jahrhundert: Unsere Vergangenheit, unsere Zukunft" in der Schlossberghalle vor. Thomas Maier-Bandomer, Mitglied der erweiterten Schulleitung und Organisator des Studientags, ist stolz auf die jungen Menschen: "Man sieht, was Schüler für ein Potenzial haben, wenn man sie beim Lernen nicht stört."

Die jungen Leute haben ihre Projekte selbst entwickelt und umgesetzt. Es geht um Bevölkerungswachstum, um Rassismus, das Erwachsenwerden, Digitalisierung, Umwelt und um Sucht. Mit verschiedenen Medien - von selbstproduzierten Filmen, Gedichten und Slam Poetry bis hin zu Vorträgen, Musik und Kunstwerken - setzen sich die Schüler mit dem Motto des Studientags auseinander. Und sie sind sich einig: Die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist wichtig, um Fehler in der Geschichte nicht zu wiederholen.

Der Studientag wurde vor drei Jahren initiiert, um Schüler zum Lernen zu motivieren. "Am Ende des Tages haben sie eine Leistung gebracht, auf die sie stolz sind", sagt Maier-Bandomer. Bei der Aufgabenstellung des Studientags gehe es vor allem darum, "die Zeit, in der wir leben, zu reflektieren". Das Konzept komme gut an, sagt der 57-Jährige, man denke sogar darüber nach, es noch auszuweiten.

Ein wiederkehrendes Thema einiger Projekte ist Antisemitismus. Eine Gruppe bespricht den Anschlag in Halle, die Herkunft und die verschiedenen Formen von Antisemitismus und fragt: Was kann man dagegen tun? "Antisemitismus ist ein Fehler im System, ein Missstand der Demokratie", sagt einer der Schüler. Man müsse als Gemeinschaft dagegen kämpfen, da Antisemitismus immer von der Gesellschaft selbst ausgehe. Eine zweite Gruppe produziert gerade einen Podcast über den Starnberger NS-Funktionär Franz Xaver Buchner. Sie erzählen, dass der Starnberger 1923 beim Hitler-Putsch in München teilnahm und als Bürgermeister den Nationalsozialismus in Starnberg verbreitete. "Wir wollen Geschichte mit Zukunft verknüpfen, um Vergangenheit greifbar zu machen", sagt eine Schülerin.

Aber auch um die Identitätsfindung beim Erwachsenwerden geht es. "Die Menschen verstecken sich hinter einer Maske, aber wo bleiben da die Kontraste?", dichtet eine Schülerin. Sie wünsche sich ihre Kindheit zurück, wo Träume noch Wirklichkeit waren. Außerdem bespricht ein Kurzfilm das Problem der Handysucht. Mit Emojis erklärt der Film, wie übermäßiger Handykonsum unter anderem zu Schlafstörungen oder psychische Erkrankungen führen kann. Es ist ein hohes Niveau, mit dem die Neuntklässler die Themen besprechen: "Ich freue mich einfach, wenn sie sich für eine Sache begeistern", sagt Maier-Bandomer am Ende zufrieden.

© SZ vom 14.02.2020
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