Guglmänner und ihr König Ludwig II.Das ewige Rätsel

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Eine letzte Ölung vor dem Tod? Bald jährt sich der 125. Todestag König Ludwigs II. - die Gerüchte um sein Ableben verstummen auch im Gedenkjahr nicht.

Wolfgang Görl

Am 13. Juni jährt sich zum 125. Mal der Todestag König LudwigsII., und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass bis zum Gedenktag noch einige schrille Zwischenrufe zu vernehmen sein werden. Der erste "Mordio"-Schrei war bereits zu hören, und zwar aus jenem finsteren Gewölbe, in dem die "Guglmänner" ihr Wesen treiben. "Sargöffnung subito" fordert der Geheimbund, dessen unter einer schwarzen Kapuzenkutte verhüllte Mitglieder nicht eher ruhen wollen, bis der mysteriöse Tod des "Märchenkönigs" aufgeklärt ist.

Am Wochenende trafen sich die Königstreuen in Gammelsdorf.
Am Wochenende trafen sich die Königstreuen in Gammelsdorf. (Foto: dpa)

Die Guglmänner bezweifeln die amtliche Version, derzufolge der wegen angeblicher Unzurechnungsfähigkeit auf Schloss Berg festgehaltene Monarch den Freitod gesucht habe. Sie sind überzeugt: "Es war Mord." Ludwig II. sei erschossen worden. Und damit die Wahrheit ans Licht komme, müsse der Sarkophag in der Gruft von Sankt Michael geöffnet werden.

Den prüfenden Blick auf den Leichnam, den die Guglmänner seit Menschengedenken fordern, wird ihnen und dem Rest der Welt auch im Jubiläumsjahr versagt bleiben. So jedenfalls sieht es Marcus Freiherr von Bechtolsheim, der Präsident der herzoglichen Verwaltung. Herzog Franz von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach, habe in dieser Angelegenheit eine unmissverständliche Haltung: "Die Totenruhe ist zu respektieren." Außerdem gebe es Bechtolsheim zufolge keine historischen Belege, die die Behauptung, der König sei erschossen worden, stützten.

Die Verfechter der Mordtheorie wird dies kaum beeindrucken. "Die offizielle Darstellung ist falsch", sagt auch Stefan Jetz, der Vorsitzende des Verbands der Königstreuen in Bayern. Er beruft sich auf eine Geschichte, die er kürzlich im "Oberbaierischen Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2011" entdeckt hat.

Demnach sei Michael Beck, der damalige Pfarrer von Aufkirchen, schon am Nachmittag des 13. Juni 1886 nach Schloss Berg gerufen worden, um dem röchelnd im Bett liegenden König die letzte Ölung zu spenden. Von den Umstehenden sei er gehindert worden, das Ritual vollständig auszuführen. Nach offizieller Lesart ist der Leichnam des Königs aber erst Stunden später, kurz nach 23 Uhr, im See gefunden worden.

Man darf annehmen, dass auch die Bayerische Landesausstellung, die unter dem Titel "Götterdämmerung. König LudwigII. und seine Zeit" vom 14. Mai bis 16.Oktober auf Schloss Herrenchiemsee stattfindet, weder die Königstreuen noch die Guglmänner verstummen lässt. Wenn Finanzminister Georg Fahrenschon, dessen Haus nicht schlecht von den Schlössern des träumerischen Monarchen profitiert, auf Anfrage mitteilt, angesichts der "Unerklärbarkeit und Andersartigkeit" Ludwigs habe "wohl jeder Bürger Bayerns seine eigene Vorstellung von diesem König", so gilt das auch für den rätselhaften Tod an den Gestaden des Starnberger Sees.

Auf dem Boden des Ungewissen gedeiht der Mythos am prächtigsten. Und ist es nicht gerade dieser Mythos, der am 13.Juni wieder Tausende Königstreue und Schaulustige zur Gedenkfeier vor der Votivkapelle im Schlosspark zusammenführen wird? Die Familie der Wittelsbacher, sagt Freiherr von Bechtolsheim, wird "möglichst zahlreich" vertreten sein und sich um die Gestaltung des Gottesdienstes kümmern. Gewiss wird es eine stimmungsvolle Feier - gerade weil die Sache so mysteriös ist.

© SZ vom 18.01.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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Von Tobias Dorfer und Christopher Horn

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