Guglmänner: Gescheiterter Protest Ein zu geheimer Bund

Die Guglmänner sind bekannt für spektakuläre Aktionen. Doch bei der Gedenkfeier zum 125. Todestag von Ludwig II. war von dem mysteriösen Geheimbund nichts zu sehen. Haben die Guglmänner das Jubiläum verschlafen? Nein, sie haben es verpatzt.

Von Otto Fritscher

Sie sind für spektakuläre Auftritte bekannt: brennende Fackeln in den Händen, in schwarze Kutten gehüllt und die Gesichter unter Kapuzen mit Sehschlitzen verborgen, ein flammendes Kreuz in der Mitte des Ruderboots. So waren die Guglmänner vor fünf Jahren in der Abenddämmerung plötzlich beim Gedenkkreuz für König Ludwig II. im Starnberger See aufgetaucht. Der Geheimbund, dessen Mitglieder sich nie unvermummt zeigen, ist der festen Überzeugung, der Märchenkönig ist ermordet worden. Gedenktage nutzen die Guglmänner deshalb gern, um auf sich aufmerksam zu machen.

Der Geheimbund "Die Guglmänner SM. König Ludwig II." demonstriert vor der Votivkapelle in Berg und verlangt die Öffnung des Zinnsargs des Königs.

(Foto: SZ DIVERSE)

Und diesmal, am Pfingstmontag bei der Gedenkfeier zum 125. Todestag von Ludwig II? "Ja, wo sind sie denn?", fragten sich die gespannten Besucher. Doch von Guglmännern war weit und breit nichts zu sehen. Fehlanzeige also? Hatte der Geheimbund das Jubiläum verschlafen?

Verschlafen nicht, aber zumindest verpatzt. Denn die Protestaktion fand mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Plan der Aktivisten war es, 16 lebensgroße Pappkameraden in Form von Guglmännern aufzustellen. An Land diesmal, und zwar im Berger Schlosspark, genau in der Zeitspanne, während die Gedenkfeierlichkeiten liefen. Nach Ende des Gottesdienstes sollte der Festzug die Guglmannfiguren passieren und die Forderungen lesen, die als Fürbitten verkleidet waren. Blöd nur, dass "ein Mitarbeiter des Veranstalters", so die Starnberger Polizei, oder "irgendwelche dahergelaufenen Trachtler", so die Version von Guglmann-Pressesprecher Alfred Helm, die Pappkameraden schon entdeckt und beseitigt hatten, bevor der Gottesdienst zu Ende war.

So konnte die Öffentlichkeit die Forderungen nicht zur Kenntnis nehmen, und die Guglmänner sahen sich am Dienstag gezwungen, per Presse nachzulegen: "Das ist Zensur der freien Meinungsäußerung", ärgert sich Helm. Dagegen hätten "die Verächtlichmacher des Königs" unbehelligt demonstrieren dürfen. Auf den Tafeln der Guglmänner war etwa zu lesen: "Herr, wir bitten Dich, dass Du alle Verleumder des Königs zuschanden machen wollest . . . dass Du die Verbreiter homoerotischer Lügenmärchen zur Hölle fahren lassen mögest . . . dass Du die Erkenntnis ,Es war Mord' durch Facebook und Google in der ganzen Welt verbreiten lassen wollest."

Die Polizei übrigens war auf alle Eventualitäten vorbereitet. Den Weg übers Wasser hatte sie versperrt. Auf dem See patrouillierte das Boot der Wasserschutzpolizei, um das Kreuz war ein halbkreisförmiger Kordon aus Segelbooten gelegt worden. "Wir hätten die Guglmänner nicht versenkt, aber abgedrängt", sagt Starnbergs Polizeichef Norbert Reller.

Ein Gebet für den Märchenkönig

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