Grünes Spitzenduo in Gilching 100 wollen Robert und Ludwig fragen

Parteichef Habeck und Spitzenkandidat Hartmann verbreiten beim Wahlkampfauftritt im Gilchinger Rathaus Optimismus

Von Manuela Warkocz, Gilching

Freudige Erwartung verströmten die grünen Spitzenfrauen des Landkreises am Dienstag im Gilchinger Rathausfoyer. Die Kandidatinnen Anne Franke und Martina Neubauer wollten die Euphorie zwar noch nicht auf das prognostizierte gute Abschneiden am Sonntag münzen. "Die Stimmung ist positiv, aber ich vertraue nur dem Endergebnis", gab sich Franke verhalten. Sie waren jedoch sichtlich stolz, dass die beiden prominenten Grünen Robert Habeck und Ludwig Hartmann Gilching in ihre packevolle Wahlkampftour einschoben.

Spitzenunterstützung für die Grünen im Landkreis: Bundesvorsitzender Robert Habeck (li.) und Bayerns Spitzenkandidat Ludwig Hartmann.

(Foto: Georgine Treybal)

Die flapsige Ankündigung "Frag Robert und Ludwig" kam offenbar gut an. Über 100 Interessierte füllten den Veranstaltungsraum im Rathaus. Bürgermeister Manfred Walter (SPD) sah kein Problem mit dem Wahlkampfauftritt. Das Rathaus hätte auch anderen Parteien offen gestanden, "es hat halt keine gefragt", sagte er der SZ. Als Hausherr begrüßte er den grünen Bundesvorsitzenden Habeck und Hartmann, Spitzenkandidat und Fraktionschef im Landtag, bevor die Herren mit den obligatorischen Sonnenblumen von den Gilchinger Parteifreunden empfangen wurden. Seit zwei Wochen pflügt das Duo landauflandab durch Bayern. "Wir ziehen das durch, bis Sonntag 18 Uhr", kündigt Hartmann mit einem Grinsen an.

Stimmkreis wird spannender als 2013

Bei der Landtagswahl 2013 war im Stimmkreis Starnberg noch alles klar: CSU-Kandidatin Ute Eiling-Hütig holte mit 40,8 Prozent der Erststimmen das Direktmandat, weit abgeschlagen folgte SPD-Bewerber Tim Weidner mit 16,8 Prozent. Diesmal dürfte das Ergebnis knapper ausfallen: Prognosen für den Stimmkreis sehen Eiling-Hütig noch lange nicht sicher oder wahrscheinlich im Landtag, sondern geben ihr allenfalls einen Vorsprung auf die Grünen-Konkurrentin Anne Franke. Der Anbieter election.de gibt der CSU-Abgeordneten eine Gewinnwahrscheinlichkeit - nicht zu verwechseln mit dem erwarteten Anteil bei den Erststimmen - von 74 Prozent, Franke bekommt 24 Prozent. Das wäre, von den Münchner Stimmkreisen abgesehen, der knappste in ganz Oberbayern. Mitte August kam Eiling-Hütig noch auf sichere 97 Prozent. Der Anbieter wahlkreisprognose.de erwartet derzeit einen Vorsprung von bis zu sechs Prozent der Erststimmen vor Franke. 2013 waren es noch 24 Punkte vor dem Zweitplatzierten. Die Prognosen beruhen aber nicht auf Umfragen zu den Kandidaten, sondern sind Rechenmodelle, die langfristige Wählerpotenziale und aktuelle demoskopische Trends verknüpfen. dac

Inmitten des Sitzvierecks, zu dem die Veranstalter das Publikum gruppiert hatten, zeigten sich die Stärken der beiden Politprofis. Im Frage-und-Antwort-Spiel mit den Gästen punktete Hartmann mit viel Sachwissen und verhaltenem Optimismus. Habeck, der als Grüner in Schleswig-Holstein 2012 das Umweltministerium übernommen hatte, steuerte Interna bei, wie man nach einem Machtwechsel die Loyalität der Behördenmitarbeiter gewinnt. Der 49-jährige Autor und Philosoph, der erst spät in die Politik einstieg, sieht sich als Mutmacher für Wähler, um in Bayern "die politischen Verhältnisse vom Kopf auf die Füße zu stellen und der bayerischen Demokratie die dringend benötigte Frischluftzufuhr zu geben". Ganz gleich, wie hoch das Ergebnis der Grünen letztlich ausfalle, habe die Landtagswahl über Bayern, ja über Berlin hinaus Bedeutung, betonte der Bundespolitiker. Es gehe um ein politisches Signal für Europa.

Erst einmal um weniger Weitreichendes ging es den Gästen. Das waren am Termin Nachmittags um halb drei überwiegend ältere Leute. Aus ihren Reihen bekam Hartmann Lob, wie er sich beim Fernsehduell mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) geschlagen habe, auch wenn die Themen "nicht grünenfreundlich" gewesen seien. Die habe der BR ausgewählt, keiner habe darauf Einfluss gehabt, erklärte Hartmann. Sein Eindruck bei vielen Begegnungen vor Ort: Das Migrationsthema spiele bei den Leuten nur eine untergeordnete Rolle. In Gilching ging es mehrfach um die Zukunft der Pflege. Die Grünen setzen sich vor allem für eine bessere Infrastruktur wie mehr Tagespflegeplätze und eine Aufwertung des Pflegeberufs ein. Eine Fragestellerin beunruhigt das verordnete Profitstreben der Kliniken. Hartmann sieht vor allem auf dem Land die Notwendigkeit, kleine Kliniken als Notfallzentren zu erhalten. Das Wohl der Tiere - "Ich höre immer nur Menschen, Menschen" - lag einer anderen Frau am Herzen. Um die Energiewende zu forcieren und mehr Windenergie nach Bayern zu bekommen, wollen die Grünen die Abstandsregeln ändern. "Ein Kilometer müsste ausreichend sein", findet Hartmann.