Starnberger Grüne:Lützerath - und tschüss

Starnberger Grüne: Kuscheliges Wortgefecht: Ursula Münch und Dieter Janecek waren bei der von Christoph Egle (links) geleiteten Debatte im Weßlinger Pfarrstadel in vielen Punkten nicht weit auseinander.

Kuscheliges Wortgefecht: Ursula Münch und Dieter Janecek waren bei der von Christoph Egle (links) geleiteten Debatte im Weßlinger Pfarrstadel in vielen Punkten nicht weit auseinander.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Wegen ihres Umgangs mit Energiekrise und Ukraine-Konflikt verlieren die Grünen derzeit Mitglieder - gewinnen aber gleichzeitig auch welche dazu. Womöglich aus genau den gleichen Gründen.

Von Florian Zick

Das ist also die thematische Gemengelage: Es geht um den Krieg in der Ukraine, um Fairtrade-Moccachino, den Mittagspeak der Solaranlage am eigenen Haus und um ein Verbot von Elektro-SUVs. Eine ziemlich wilde Mischung, selbst für eine Partei wie die Grünen, wo Pragmatismus und schöne Utopien ja schon immer aufeinandergeprallt sind. Aber es sind schließlich auch unruhige Zeiten, in denen alles irgendwie mit allem zusammenhängt. Krieg, Flucht, Energiekrise - da kommt man sehr schnell vom einen aufs andere.

Die Grünen spüren angesichts der Themen, die momentan die öffentliche Debatte bestimmen, diese Zerrissenheit derzeit wieder besonders - auch beim Starnberger Kreisverband. Wie am Rand des Neujahrsempfangs vergangenen Freitag bekannt wurde, sind dort allein in den vergangenen Tagen drei Mitglieder ausgetreten. Die dafür bekannten Gründe: die Waffenlieferungen an die Ukraine und der Braunkohleabbau in Lützerath. Im gleichen Zeitraum sind aber auch drei Leute beigetreten. Zu deren Beweggründen weiß man noch nichts Näheres. Womöglich waren es aber auch da: die grüne Haltung zu Waffenlieferungen und Lützerath.

Gesamt gesehen steigt der Zuspruch bei den Grünen aber. Der Starnberger Kreisverband kratzt momentan an der Marke von 400 Mitgliedern - so viele gab es noch nie. Da kann man durchaus mit einem gewissen Selbstbewusstsein diesen leichten, selbstironischen Spott ertragen, den die Poetry-Slammerin Meike Harms als Stargast beim Neujahrsempfang von der Bühne des Weßlinger Pfarrstadels herunter verbreitete. Harms ist 2020 an ihrem Wohnort Gilching selbst für die Grünen zur Kommunalwahl angetreten, kann sich aber wunderbar subtil über die Birkenstock-und-Jutetaschen-Mentalität lustig machen, die bei den Grünen eben auch ein bisschen zur Partei-DNA gehört.

Für die politische Showeinlage sorgten Ursula Münch, die Direktorin der Politischen Akademie in Tutzing, und der Münchner Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek, den der Starnberger Kreisverband in Ermangelung eines eigenen Vertreters in Berlin als Bühnengast eingeladen hatte.

Starnberger Grüne: Birkenstock und Jutetasche: Poetry-Slammerin Meike Harms bei ihrem Auftritt beim Neujahrsempfang der Grünen.

Birkenstock und Jutetasche: Poetry-Slammerin Meike Harms bei ihrem Auftritt beim Neujahrsempfang der Grünen.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Janecek und Münch haben vor wenigen Wochen schon einmal argumentativ die Klinge gekreuzt, beim "Sonntags-Stammtisch" im BR. Es war ein eher kuscheliges Gefecht - und so ähnlich sah es auch im Pfarrstadel aus. Da attestierte Münch der Ampel-Koalition in Berlin die erfolgreiche Auflösung der "ein oder anderen Verkrustung", die sich in den vielen Jahren unter Angela Merkel als Bundeskanzlerin gebildet hätte. An die Grünen im Speziellen verteilt sie nach kurzem Nachdenken die Schulnote 2,7 ( "Gemessen an den schwierigen Aufgaben."). Wenngleich die Rolle der Grünen in der Regierung schon noch "manchmal eine nervige" sei. Dass bei einer Veranstaltung wie der in Weßling die Frage nach einem SUV-Verbot aufkomme, wertete die dabei als Bestätigung für ihre Einschätzung. "Das ist mir einfach zu dogmatisch", so Münch.

Einen richtigen Dissens gibt es nur bei der Flüchtlingspolitik

Ein richtiger Dissens zwischen der Politikprofessorin und dem grünen Publikum ließ sich allerdings nur bei einem Thema feststellen: der Aufnahme von Flüchtlingen. Da ging ein Raunen durch die Reihen, als Münch dafür plädierte, Menschen ohne handfesten Asylgrund konsequent abzuschieben, um die Integrationsfähigkeit des Landes nicht zu gefährden. Janecek dagegen verwies auf die rechtsstaatlich aufwendigen Ausweiseprozeduren, wegen denen es ohnehin nicht gelingen könne, jedes Jahr Flüchtlinge in relevanter Anzahl in ihre Heimatländer zurückzuführen. Er sprach sich deshalb für eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt aus, "weil die Leute eh schon da sind".

Dafür gab es sogar Applaus. Manche Ansichten sind bei den Grünen eben völlig unumstritten, egal ob ökologisch bewegter Achtzigerjahre-Fundi, eher pragmatisch orientierter Neuzeit-Realo oder auch nur auf Fairtrade achtender Wohlfühlgrüner.

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