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Dießener Töpfermarkt:Im Keramik-Paradies

Dießen: Töpfermarkt
(Foto: Nila Thiel)

Großer Andrang herrscht bei der 18. Schau dieser Art, die Landtagspräsidentin Barbara Stamm eröffnete. Bis Sonntag werden in den Seeanlagen wieder 50 000 Besucher erwartet.

Von Armin Greune, Dießen

Wie jedes Jahr haben sich die beschaulichen Seeanlagen an Christi Himmelfahrt in einen quirligen Keramik-Basar verwandelt. Landtagspräsidentin Barbara Stamm hat den 18. Dießener Töpfermarkt eröffnet, zu dem bis Sonntag wieder etwa 50 000 Besucher erwartet werden. Die Großveranstaltung zeigt sich heuer internationaler denn je: Von neun Ausstellern, die debütieren, stammen sieben aus dem Ausland, der Einzugsbereich in Europa reicht von Estland bis Südspanien. Sogar ein eigens aus Mailand angereistes, chinesisches Fernsehteam berichtet aus Dießen, sein besonders Augenmerk gilt der Pinselmanufaktur von Li Jian Sheng.

Schon vor der offiziellen Eröffnung sind nahezu alle Parkplätze entlang der Jägerallee belegt. Die Marktgemeinde ist bereit: Nicht nur, dass man etwa bei den WCs in den Seeanlagen kräftig nachgerüstet hat - auch Gastronomie und Geschäfte im Ort präsentieren sich von ihrer besten Seite. Und selbst die Wiesen südöstlich von Dießen haben ihr Prachtkleid angelegt: So früh wie selten blühen Iris, Schlangen-Knöterich und Knabenkraut um die Wette.

Doch da fegt eine scharfe Bö über den Markt und wieder schiebt sich eine dunkle Wolke vor die Sonne. Alle Blicke - vor allem die der 170 Aussteller - wenden sich sorgenvoll zum Himmel. Denn gerade am Eröffnungstag sollte das Wetter mitspielen: An Christi Himmelfahrt werden stets die besten Geschäfte gemacht, wenn besonders viele Sammler zwischen abstrakter Keramikkunst, spaßigen Tonfiguren und hochwertigem Gebrauchsgeschirr auf die Pirsch gehen. Vereinzelt sind erste Tropfen zu spüren, als der Dampfer mit den Ehrengästen anlegt: Es ist nicht wie geplant die "Dießen", sondern die größere "Utting", auf der sich Stamm ins Goldene Buch von Dießen eingetragen hat.

Aber dann bleibt es an diesem Vormittag doch trocken, und die Landtagspräsidentin, die für dieses Ereignis um 4.15 Uhr aufstehen musste, kann sich freuen, "dass ich das noch erleben darf, dass man hier auch eine Unterfränkin 'reinlässt." Gut gelaunt lässt sich Stamm von Marktleiter Wolfgang Lösche durch das Getümmel führen, der das Marktkonzept und interessante Fakten zum Töpferhandwerk erläutert.

Zunächst zeigt er den Ehrengästen den Stand von Georgos Tsilkalario Tziligkakis, der als Enkel das Erbe des legendären Nikos Kavgalakis weiterführt und in einer lebenden Werkstatt direkt an der Mühlbachmündung hüfthohe Amphoren dreht. Für den verstorbenen Großvater, der von Beginn an zu den Wahrzeichen des Dießener Marktes gehörte, sei in der kretischen Heimat ein großes Museum errichtet worden, erzählt Lösche. Kavgalakis' Gefäße hätten in ganz Europa Absatz gefunden, der kommerzielle Erfolg sei auf einen Funktionswandel zurückzuführen: Was erst zur Aufbewahrung von Öl oder Wein diente, wird heute als Gartendekoration geschätzt.

Für den Töpfermarkt sei es neben der Tradition aber auch wichtig, dass die Jury jährlich aus den etwa 360 Bewerbern neue Talente auswählt: "Junge Keramiker sprechen auch ein junges Publikum an", sagt Lösche. Er erzählt von einer Ausstellerin, die 2017 zum ersten Mal dabei war und ihre Eindrücke dabei wie folgt zusammenfasste: "Das war unglaublich, wie im Keramik-Paradies". Zum Konzept der stetigen Verjüngung gehört auch, dass die wichtigsten Ausbildungsstätten der Töpfer in Dießen mit Ständen vertreten sind. Neben den Keramikschulen aus Landshut und der Töpferhochburg Höhr-Grenzhausen reisen seit 2014 auch Studenten der Keramikklasse der Muthesius Kunsthochschule Kiel an den Ammersee. Bestandteil ihres Studienfaches ist es, in Dießen Erfahrungen im Kundengespräch und in der Verkaufspraxis zu sammeln. Doch junge Besucher können sich an ihrem Stand unter dem Motto "Kiel Wasser" auch über die Ausbildung zum Keramiker informieren.

© SZ vom 11.05.2018

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