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Klimawandel:14-Jährige komponiert Song für Greta Thunberg

Anne Otterbach, Lucia Tepelmann und Lillemor Pauli (v. l.) stehen beim Videodreh im Starnberger See

(Foto: Leopold Heller/oh)

Lucia Tepelmann aus Münsing schreibt ein Lied mit Ohrwurmpotenzial, das sie zusammen mit ihrem Chor beim Klima-Aktionstag in München singt.

Sie könnte nächsten Freitag einen Verweis kassieren, aber Lucia Tepelmann wird definitiv nicht in die Schule gehen. Stattdessen wird sie singen. Mit dem neu gegründeten Wolfratshauser Projektchor One Decision auf dem Münchner Königsplatz. Eigentlich hatte die 14-jährige Münsingerin nur einen Song für Greta Thunberg und die Fridays-for-Future-Bewegung schreiben wollen. Aber dann ist die Sache aus dem Ruder gelaufen. Und dürfte weiterhin Wellen schlagen.

Am Mittwoch, 18. September, 18.30 Uhr, zwei Tage vor der geplanten Großdemo am Königsplatz, wird Lucia im Münchner Monopol Kino das Musikvideo "It's Friday" vorstellen. Daran haben 50 Kinder und Jugendliche aus Münsing und dem Umfeld der Wolfratshauser Musikschule mitgewirkt, zudem professionelle Kameramänner und -frauen (eine davon auf der Durchreise nach Los Angeles), Beleuchter und Tontechniker, Schauspieler (Anton Algrang und Nicole Belstler-Boettcher), Künstler und Musiker. Einige von ihnen sind Freunde der Familie, andere Bekannte von Bekannten. "Alle haben sich spontan eingeklinkt", sagt Annika Tepelmann, Lucias Mutter. "Das war absolut besonders. Irre!"

Die Drehbuchautorin, die mit dem Künstler Herbert Nauderer verheiratet ist, hat in den vergangenen Jahren immer wieder ambitionierte Theater- und Kinderfilmprojekte vorangetrieben. Sie ist kreativ, gut vernetzt und zielstrebig - und macht keinen Hehl daraus, dass sie es war, die sich im Frühjahr mit ihrer Tochter hingesetzt hat, um den Future-Song zu texten: "Come on girls it's friday, it's time now to shout / come on boys, it's friday, let's sing it out loud / come on everybody, let's get it done / we're the crowd, we are loud and we've just begun."

Die Melodie mit Ohrwurmpotenzial stammt von Lucia, das Arrangement für Solostimme, Chor und Klavier von Andreas Puhani. "Das hätte ich nicht gekonnt", räumt die Neuntklässlerin freimütig ein. Was ihr hingegen mühelos gelungen ist: Mädchen aus dem renommierten Wolfratshauser Kinderchor, in dem sie seit vielen Jahren singt, für ihr Lied zu begeistern. Die Idee, ein Video zu machen, brachte wiederum ihre Mutter ins Spiel. "Ich dachte an einen Drehtag", sagt Annika Tepelmann. "Wir hatten kein Geld und wenig Zeit." Ihr Kollege Florian Fessl sei als Erster Feuer und Flamme gewesen. Er organisierte Kameraleute und tat ein leer stehendes Schulhaus in der Münchner Infanteriestraße auf. Anfang August rückte dort ein ganzes Profiteam an.

Das Video zeigt eine apathische Schulklasse in einem tristen grauen Zimmer (Wandbemalung samt Mausmann: Herbert Nauderer). Auf dem Stundenplan steht die Klimakrise. Ein Mädchen mit Zöpfen (Amrei von Kracht) steht plötzlich auf und trotzt dem Lehrer. Wie Greta Thunberg ermuntert es die Mitschüler, auf die Straße zu gehen und für den Klimaschutz zu kämpfen.

Dazwischen sind Aufnahmen von drei Mädchen geschnitten, die in einem dunklen Wasser stehen. In der Mitte Lucia, die mit beeindruckender Stimme die Solopartien singt. Der Pegel steigt unablässig. Am Ende ragen nur noch die Köpfe über die Wasseroberfläche. Ein gelungener Studioeffekt? Keineswegs, sagt Lucia. "Wir standen bis drei Uhr nachts im Starnberger See." Zunächst hätten sie auf wackligen Kisten balanciert, irgendwann dann Neoprenanzüge unter die roten Kleider angezogen - "weil wir so gefroren haben". Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Seeszenen bleiben im Gedächtnis. Nächste Woche soll das Video auf Youtube gestellt werden. Möchte Lucia damit berühmt werden? Sie lacht. "Vor allem möchte ich etwas zur Klimaschutz-Bewegung beitragen."

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