Nach Bürgerprotesten und dem Einwand eines Nachbarn beerdigt die Familie Perfall ihre Pläne für den Bau eines Krematoriums bei Greifenberg. Das teilte der neue Bürgermeister der Gemeinde am Ammersee bei einer Bürgerversammlung in dieser Woche mit. „Das wird nicht weiter verfolgt, hier ist Endstation“, sagte Roman Albrecht vor gut 60 Zuhörern, die dies wiederum mit Applaus quittierten. Maximilian von Perfall bestätigte dies am Mittwoch. Das Thema hatte im Ort kontroverse Debatten ausgelöst.
„Es hat sehr viel Aufregung in der Bevölkerung gegeben, das war schon ein heißes Eisen“, sagte Bürgermeister Albrecht. Die Meinungsverschiedenheiten in dem Ort mit nur 2400 Einwohnern seien nicht nur auf sachlicher, sondern auch auf emotionaler und persönlicher Ebene ausgetragen worden, was er als „sehr schade“ empfinde. Die Widerstände zeigen jedenfalls Wirkung, es werde kein Bauantrag gestellt.
Das Interesse an dem Thema war von Anfang an groß. Zuhörer drängten sich im Sitzungssaal, als Maximilian von Perfall im März im Gemeinderat erste Pläne vorstellte. Demnach sollte das Krematorium außerhalb des Ortes nördlich der Lindauer Autobahn auf dem Gelände eines Sägewerks an der Beurer Straße entstehen. Dieses Grundstück, das der Familie Perfall gehört, liegt nur gut einen Kilometer westlich des Waldgebiets, in dem sich der von Maximilian von Perfall als Geschäftsführer geleitete Naturfriedhof Ammersee befindet. Er versicherte schon bei diesem Termin, dass das Projekt nur weiter verfolgt würde, wenn es die nächsten Nachbarn akzeptieren. Das ist nun nicht der Fall.

Das Adelsgeschlecht der Perfall ist nach eigenen Angaben seit mehr als 500 Jahren in Greifenberg zu Hause, besitzt dort ein Schloss und bewirtschaftet Waldgebiete in der Umgebung. In ihrem Bestattungswald bei Painhofen wird an diesem Samstag, 27. Juni, von 15 Uhr an ein „Vorsorge-Spaziergang“ mit Vortrag angeboten. Anmeldung unter Telefon 089/217037000.
Die Debatte um das Krematorium im Norden des Ammersees ist geradezu typisch. Regelmäßig stoßen private Bauwerber mit ihren Plänen zum Bau von Verbrennungsanlagen auf Widerstände. Im Kraillinger Gewerbegebiet wehren sich benachbarte Firmenchefs, in Penzberg stimmte der Stadtrat nach Protesten dagegen, in Sauerlach scheiterte ein Bauantrag vor Gericht. Auch am Rande der Bürgerversammlung in Greifenberg war wieder von verschiedenen Bedenken zu hören, etwa dass viele Leichentransporte durch den Ort fahren würden.
In der Branche gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, ob weitere Anlagen in Bayern überhaupt notwendig sind. Da ist auf der einen Seite von langen Wartezeiten für eine Einäscherung die Rede, auf der anderen Seite von schon ausreichenden Kapazitäten.

