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Grausamer Tod von Rehen in Berg:Jäger fordert mehr Umsicht von den Bauern

Rehkitz im Maisfeld

Rehkitze haben noch keinen Fluchtinstinkt, sie kauern sich bei Gefahr zusammen - und werden Opfer der großen Mähmaschinen.

(Foto: dpa)

Werden die Wiesen gemäht, sterben immer wieder Kitze und Jungrehe, die sich im hohen Gras verstecken. Der Jäger Markus Müller fordert von den Bauern mehr Umsicht, nachdem mehrere Tiere kläglich verendeten.

Der junge Rehbock liegt tot im Gras, die Gliedmaßen abgetrennt. Ein schreckliches Ergebnis einer Mahd, die sich dem Berger Jäger Markus Müller am Pfingstwochenende bot. Vor allem Großbauern - "wenige", will Müller betont wissen - würden wenig Sorgfalt an den Tag legen, wenn sie mit ihren Mähmaschinen durch das Feld fuhren. Das ist nach dem Tierschutzgesetz verboten, sagt Müller, wenn der Bauer die Jäger schon nicht informiere, müsse er das Feld vorher absuchen.

Gegen Mähmaschinen haben Rehe keine Chance. Wenn Rehe Junge bekommen, baut die Geiß, die Rehmutter, ein Nest im vermeintlich sicheren hohen Gras am Waldrand. Droht unmittelbar Gefahr, flüchten nur ältere Tiere, Kitze kauern sich am Boden zusammen. Sie sind dann auch nicht leicht zu finden, sagt der stellvertretende Kreisbauernobmann Georg Holzer. In diesem Jahr sei die Mahd wegen des Wetters besonders früh, falle so mit der Setzzeit der Kitze zusammen, sagt Müller, der zwar keinen eigenen Pachtvertrag besitzt, aber als Hobbyjäger einen Begehungsschein im Pachtgebiet bei Berg hat.

Eigentlich gibt es viele Möglichkeiten, die Tiere zu schützen: "Wenn wir Jäger Bescheid wissen, dass der Bauer mähen will, gehen wir ein paar Tage vorher in dem Gebiet jagen." Durch die Schüsse fühle sich die Geiß dann nicht mehr sicher und bringe ihre Kitze woanders hin. Und selbst wenn der Bauer kurzfristiger mähen wollte, würden die Jäger auch wenige Stunden vor der Mahd mit speziell ausgebildeten Hunden durch das Feld laufen und die Kitze in Sicherheit bringen, sagt Müller.

Vielen sei das Schicksal der Tiere egal

Die einzige Voraussetzung: Bauern und Jäger müssen miteinander reden. "Die meisten tun das auch", erklärt Müller, das Problem seien eben wenige, nicht näher genannte Bauern, denen das offenbar zu viel Aufwand sei. Holzer hat eine andere Vermutung: "Wenn ein Bauer nicht mit dem Jäger kommuniziert, dann sind die Gründe wahrscheinlich persönliche Differenzen." Ist der junge Rehbock also unschuldiges Opfer eines persönlichen Streits? Müller streitet das ab. Zwar sei oft derselbe Landwirt verantwortlich, aber eine Vorgeschichte gebe es nicht. Vielmehr scheine den Betrieben das Schicksal der Tiere schlicht egal zu sein. Auch wenn sie Schadenersatz zahlen müssten.

Aber selbst wenn Bauern und Jäger nicht miteinander können, müssten Jungtiere nicht die Leidtragenden sein. Abgesehen davon, dass ihnen das Tierschutzgesetz den Schutz der Rehe vorschreibt, stehen den Bauern dazu auch viele Mittel zur Verfügung: Das Zentrum für Luft- und Raumfahrt verleiht zum Beispiel eine Drohne zum Aufspüren der Rehe. Der Tierschutzbund schlägt einen "Wildretter" vor, der die Tiere mit schrillen Tönen verjagen soll.

Im aktuellen Fall war es indes kein Kitz, das sterben musste, sondern ein junger Rehbock. Das Tier muss also längst fluchtfähig gewesen sein. Müller sieht die Verantwortung bei den großen Mähmaschinen: "Die Geräte sind so breit und fahren so schnell, da hat auch ein junger Bock keine Chance. Und der Fahrer sitzt in der Kabine mit Klimaanlage und Radio und bemerkt die Tiere nicht mehr." Dass Rehe unter den Mäher geraten, käme in seinem Jagdgebiet "mindestens zehnmal im Jahr vor", schätzt Müller, auch in diesem Jahr sei diese Zahl schon erreicht. Im vergangenen Jahr habe Müller eine verstümmelte Geiß gefunden, die Kitze verhungerten. Hoffentlich zeigen die Bauern Einsicht.