Die Meldung des Golfclubs Wörthsee klingt geradezu überschwänglich. Als Sensation wertet er den Aufstieg seiner Damenmannschaft in die zweite Bundesliga. Diese Euphorie versteht, wer die Vorgeschichte kennt: Der letzte Aufstieg der Damen in die zweite Bundesliga liegt weit zurück, das Team ist erst vor einem Jahr verjüngt worden, war gerade in die Regionalliga Süd 2 aufgestiegen, die Saison hatte dort verhalten begonnen. Umso überraschender kam nun der Sprung in die nächsthöhere Liga nach dem entscheidenden letzten, durch Gewitter mehrmals unterbrochenen Spieltag auf der eigenen Anlage.
Mit dem Feiern hat der Club noch den Nachholspieltag der Herren abgewartet, die mit drei Punkten Vorsprung die Regionalliga Süd 1 anführten und sich den Aufstiegsplatz am vergangenen Sonntag auch nicht mehr nehmen ließen. Genauso wie die Herrenmannschaft des GC Feldafing in der Regionalliga Süd 2. Zusammen mit der Damenmannschaft des Golfclubs Starnberg, die den Klassenerhalt erneut geschafft hat, starten nun gleich vier Mannschaften aus dem Fünfseenland in der zweiten Bundesliga Süd in die nächste Saison.
Der Teamspirit sei wieder da, „das Team ist gut zusammengewachsen“, freut Nina Schüller, die Kapitänin der Wörthseer Damenmannschaft. Die 52-jährige Oralchirurgin steht schon seit ihrem 14. Lebensjahr auf dem Golfplatz. Sie bringt neben der professionellen Spielerin Martina Eberl und sieben weiteren Ü30-Spielerinnen eine langjährige Erfahrung in die Mannschaft ein, während die acht Spielerinnen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren vor allem mit jugendlicher Begeisterung ans Werk gehen. Die meisten sind noch Schülerinnen, drei von ihnen studieren Lehramt, Architektur und Wirtschaft/USA. Die 45-jährige Eberl, seit ihrer Kindheit dem Wörthseer Golfclub angehört, spielte von 2002 bis 2012 als Deutschlands beste Golferin vor allem auf der Ladies European Tour, war später Trainerin und widmet sich seit 2014 mit einem eigenen Unternehmen in München dem Golf-Coaching.

Dass die Mannschaft von einem Mann trainiert wird, ist nicht auf die traditionelle Rollenverteilung zurückzuführen, auch wenn der Golfsport immer noch eine Männerdomäne ist. Der 33-jährige Patrick „Paddy“ Kopp bedauert selbst das Schattendasein der Frauen im Golf. „Score-technisch konnten wir dieses Jahr ganz gut mithalten in den Ergebnissen, wo auch Spielerinnen dabei waren, die besser gespielt haben, als die meisten Männer das tun. Das ist dann schon etwas, was untergeht“, sagt er. Von der Anatomie her hätten Frauen nicht die Schnellkraft, schon allein aufgrund der unterschiedlichen Hebelkonstellation im Körper, um die Schlagweiten der Männer zu erreichen – da sind sich Kopp und Schüller einig. Deshalb spielten Frauen von einer anderen Startposition. „Das Spiel ist dafür bei Frauen überlegter“, betont der Coach. Männer seien strategisch nicht immer die cleversten.
Auch Kopp ist mit dem Golf-Gen geboren. „Ich habe mit drei oder vier Jahren angefangen“, sagt er. Heute gehe es sogar noch früher los, wie etwa bei seiner Nichte, die mit vier Wochen bereits Mitglied im Club sei. Die Entscheidung für Golf wie auch für Tennis sei oft mit dem familiären sozialen Umfeld verbunden, meint der Coach. Bei der Damenmannschaft sehe er, dass sich gerade bei Mädchen der Freundeskreis schnell in den Club verlagere, sofern dies die Anzahl der Nachwuchsspielerinnen hergebe – wie es in Wörthsee der Fall ist. Die soziale Komponente sei stark ausgeprägt, sagt auch Schüller: „Das ist der turning point, ob du dabeibleibst oder nicht“.

Bei Kopp war der Olchinger Golfclub sogar für die Berufswahl entscheidend. Seine nationale und internationale Karriere als Amateurspieler begann er noch als Gymnasiast. Er spielte auch fünf Jahre als Playing Professional auf verschiedenen internationalen Touren. Dann schloss er das Studium zum Diplom-Golfbetriebsmanager an, um sich schließlich mit Trainerausbildungen als Teaching Professional zu qualifizieren. Sobald er die Regel der dreijährigen Clubzugehörigkeit erfüllt hat, will er in Wörthsee auch als Spieler in der Altersklasse 30 wieder in den Mannschaftssport zurückkehren. „Ich bin mit dem Mannschaftsspiel groß geworden und durfte lange nicht mehr spielen“, bedauert Kopp. Zum Glück darf jeweils ein Professional bei den Wettbewerben der Amateure mitmachen.
Die Ligen im Golf unterscheiden sich deutlich von denen anderer Mannschaftssportarten. Sie sind in die Sektionen Nord, West, Ost und Süd unterteilt, in der Ersten Bundesliga in Nord und Süd. Jede Gruppe besteht aus fünf Mannschaften, die jeweils an einem Spieltag – in der Ersten Bundesliga sind es anderthalb Tage – alle gegeneinander antreten. Je einmal bei jedem der Clubs zwischen Mai und Juli. Um die deutschen Erstplatzierungen zu ermitteln, spielen die je zwei besten Mannschaften der Sektionen Nord und Süd der Ersten Bundesliga im Final Four gegeneinander. Bis dahin ist der Weg für die Wörthseer Golferinnen aber noch weit. Zunächst gilt es, im kommenden Jahr den Klassenerhalt zu sichern.

