Für das Identitätsgefühl vieler Beuerberger war es ein schwerer Schlag, als die tonnenschwere Peter-und-Paul-Glocke, die größte im Vierergeläut, im Turm der Beuerberger Pfarrkirche um Christi Himmelfahrt 2023 abzustürzen drohte. Seitdem sind die Klangkörper über dem Dorf verstummt. Neuerdings lagern die vier schweren Glocken aus Stahl sicher im Freien vor dem Pfarrheim. Im Oktober 2025 holte ein von Holger Heine geleitetes Ingenieurbüro aus Weilheim alle vier Klangkörper aus dem Glockenstuhl. Wenn alles nach Plan funktioniert, könnte das neu aus Bronze gegossene Geläut ab Herbst 2026 wieder über Beuerberg klingen.
Darauf hofft der Eurasburger Bürgermeister Moritz Sappl (GWV), der im zur Kommune gehörenden Ortsteil Beuerberg lebt. „Der Glockenschlag geht ab“, sagt er. „Ich bin froh, wenn es weitergeht.“ Dafür hat die Hochbauabteilung des Bauamts Weilheim einen groben Zeitplan erarbeitet. Die einstige Stifts- und jetzige Beuerberger Pfarrkirche ist seit der Säkularisation im Eigentum des bayerischen Staats. In dessen Auftrag ist das Bauamt Weilheim für den Unterhalt verantwortlich.

Aktuell lässt die Behörde Verstärkungsmaßnahmen in Form von Betonringankern für den unteren Turmbereich einbauen und ein Innengerüst erstellen. Im Jahr 2026 soll voraussichtlich die Passauer Gießerei Perner die neuen Glocken für das Geläut aus Bronze gießen. „Diese werden deutlich leichter sein als die bisherigen Stahlglocken, die für das Turmmauerwerk zu schwer waren“, sagt Wolfgang Eichner, stellvertretender Leiter in der Hochbauabteilung des Bauamts. Zudem lässt die Behörde einen neuen Glockenstuhl aus Stahl anfertigen sowie das Mauerwerk im Kirchturm sanieren, insbesondere Risse schließen.
„Das staatliche Bauamt Weilheim bereitet dazu aktuell die Vergaben für all diese Arbeiten vor“, teilt Eichner mit. Über die Finanzierung werde voraussichtlich im ersten Quartal 2026 entschieden. Wenn dies geklärt sei und die Gegebenheiten es in Beuerberg zuließen, sei davon auszugehen, dass die Glocken im Herbst kommenden Jahres eingebaut werden könnten, sagt er.
Die vier alten Stahlglocken aus dem Jahr 1949 wiegen zusammen 9,8 Tonnen
Die vier alten Stahlglocken aus dem Jahr 1949 – gegossen von der Firma Bochumer Verein – wiegen zusammen 9,8 Tonnen. Die größte ist 4,4 Tonnen, die kleinste eine Tonne schwer. Der für leichtere Exemplare aus Bronze gebaute Glockenstuhl könnte auf diese Last nicht ausgelegt gewesen sein. So lautet ein möglicher Erklärungsansatz. 2023 brachen zwei Aufhängerbolzen der größten Glocke, die abzustürzen und dadurch große Schäden anzurichten drohte. Das Geläut wurde damals gesichert. Aufgefallen war der Schaden an der Aufhängung der größten Glocke, als der Mesner den Gottesdienst für Christi Himmelfahrt vorbereitet hatte. Dabei bemerkte er, dass der Glockenanschlag aus dem Takt wirkte.
Hintergrund ist, dass das Nazi-Regime während des Zweiten Weltkrieges die alten Bronzeglocken aus Kirchen demontieren ließ, um wichtiges Kriegsmaterial zu gewinnen, vor allem aber um der Kirche symbolisch die Stimme zu nehmen. Kurz nach Kriegsende war Material knapp. Für Beuerberg fiel die Wahl auf Stahl. Dafür mussten diese Glocken jedoch zu dieser Zeit ein um 20 Prozent größeres Volumen haben. Nur so ließ sich nach dem damaligen Stand der Technik ein mit den einstigen Bronzeglocken vergleichbarer Klang erzeugen.

Die alten Stahlglocken der Beuerberger Pfarrkirche sind Eigentum des Freistaats. Laut Eichner sollen die Glocken möglichst wiederverwertet werden. Interessenten hätten sich bereits gemeldet. In örtlichen Kirchenkreisen ist davon die Rede, dass darunter eine Kirchengemeinde aus dem Nachbarland Österreich sein könnte.
In der nationalen Glockendatenbank ist das Geläut der Beuerberger Pfarrkirche mit Herstellungsjahr und Maßen aufgeführt. Über die Homepage besteht auch die Möglichkeit, den Glockenklang anzuhören. So ist einer der Identitätsanker Beuerbergs zumindest online jederzeit abrufbar.

