Ja, es hat Beschwerden gegeben, Gilchings Bürgermeister Manfred Walter (SPD) will da gar nichts schönreden. Das Problem ist ja bekannt: Der Wertstoffhof in seiner Gemeinde ist seit Jahren zu klein. Und wenn sich die Leute beim Entsorgen von Elektrogeräten und alten Teppichen auf den Füßen stehen, sorgt das mitunter für Ärger. Gilching ist da kein Einzelfall. Aber mitunter kam bei Walter deshalb der ein oder andere Brief im Rathaus an.
Umso glücklicher sind der Bürgermeister, Landrat Stefan Frey (CSU), GWT-Chef Christoph Winkelkötter und die Verantwortlichen des für die Abfallwirtschaft zuständigen Kommunalunternehmens Awista, dass diese Zeiten bald vorbei sein werden. Am Mittwoch haben sie den Spatenstich für ein neues Entsorgungszentrum am Ortsrand von Gilching gesetzt, das die bisherige Situation vergessen machen und neue Maßstäbe in puncto Abfallwirtschaft setzen soll. Frey spricht von einem „großen Schritt für Gilching und den gesamten Landkreis“. Denn nicht nur Gilchinger sollen in der Nicolaus-Otto-Straße künftig ihre Wertstoffe abgeben – die Anlage ist für die Bürger des gesamten Landkreises konzipiert. „Es gibt Bedarf über Gilching hinaus“, erklärt Rathauschef Walter. Der Standort ist laut Walter dafür ideal: Durch die Zufahrtsmöglichkeit von der Schnellstraße müssen die Leute nicht in den Ort fahren.
Mit 1,4 Hektar Fläche wird das neue Entsorgungszentrum, das im Oktober kommenden Jahres in Betrieb gehen soll, das größte seiner Art im Landkreis sein. Zum Vergleich: Das ist die dreifache Fläche des Starnberger Wertstoffhofs. Es soll sechs Tage pro Woche geöffnet sein, Bürgerinnen und Bürger können damit auch Montagnachmittag Elektroschrott und Co. abgeben. Anders als bei manch anderem Wertstoffhof muss die Kundschaft in Gilching auch keine Treppen mehr zu den Containern erklimmen, die Entsorgung wird also ein Stück weit barrierefrei.
Technisch wird das neue Zentrum auf dem neuesten Stand sein: 3000 Quadratmeter Photovoltaik-Anlage versorgen das Areal mit grünem Strom, Radlader und Kehrmaschine sollen elektrisch betrieben werden. Der Awista spricht angesichts der nachhaltigen Bauweise von der „Erfüllung höchster Umweltstandards“. Auch Vorstand Christoph Wufka hebt die Technik des neuen Standorts hervor. Man habe „viel Zeit und Know-how“ investiert. Am Ende soll eine „hochmoderne Anlage“ stehen. Die Stromversorgung mit PV-Anlagen findet zwar auf immer mehr Wertstoffhöfen Anwendung, kommt aber nicht flächendeckend zum Einsatz. „Das wird gerade Standard“, erklärt Wufka.
Auch Benzin und Lacke können entsorgt werden
Das neue Entsorgungszentrum soll ein „großes Annahmespektrum“ anbieten, wie es Awista-Sprecher Sebastian Roth ausdrückt. Im Klartext heißt das: Bürger können dort so ziemlich alles abliefern, was sie nicht mehr brauchen, sogar Lack und Benzin sollen in einer Schadstoffsammelstelle aufgefangen werden. Für besser erhaltene Sachen wird es eine Tauschbörse geben. All die neuen Angebote und Techniken gehen natürlich ins Geld – die Kosten für den Bau des neuen Wertstoffhofs werden wohl im unteren Millionenbereich liegen.
Landrat Frey spricht von einer „notwendigen Investition“. Auch er sieht wie Bürgermeister Walter den landkreisweiten Bedarf. Vor allem aber brauche die „Boom-Gemeinde“ Gilching Entlastung. Denn durch den Zuzug in den vergangenen Jahren sei der Handlungsbedarf größer geworden. „Gilching ist seit Jahren unterversorgt“, sagt auch Marina Stöger, zuständige Bereichsleiterin beim Awista.
Bis das neue Entsorgungszentrum in Betrieb genommen werden kann, wird es in Gilching eine Übergangslösung geben: Der bisherige Wertstoffhof in der Rudolf-Diesel-Straße soll im kommenden Februar geschlossen und provisorisch an die Herbststraße verlegt werden. Am 6. Oktober 2025 wird das neue Entsorgungszentrum planmäßig eröffnet. Mit den Beschwerden soll es dann vorbei sein.

