Seit Jahren ist das Gilchinger Jugendhaus am Ortsrand verwaist. Der Garten wirkt verwahrlost, das Anwesen ist ein Lost Place. Doch bald wird diese Stätte zu neuem Leben erweckt. Denn am Dienstagabend entschied der Gemeinderat, das marode Gebäude nicht abzureißen und es für fünf Jahre dem Gilchinger Verein Offene Werkstatt „Ausgepfuscht“ ohne Pacht per Nutzungsvereinbarung zu überlassen. Der Antrag wurde unter Auflagen einstimmig genehmigt.
Die ehrenamtliche Initiative bietet den Menschen – unabhängig vom Alter, Geldbeutel und Wissen – an, in der Werkstatt selbstbestimmt und unter fachkundiger Anleitung kreativ zu tüfteln, zu reparieren oder etwas zu bauen. Doch weil der bisherige Standort im alten Apothekerhaus in der Römerstraße wegen der Neubaupläne der Raiffeisenbank in absehbarer Zeit geräumt werden muss, suchte der Verein händeringend nach einer neuen Bleibe. „Wir sind daher über die Entscheidung der Gemeinde sehr erleichtert“, sagt die Vereinsvorsitzende Sonja Gaja, die mit weiteren Mitgliedern die Ratssitzung aufmerksam verfolgt hat.
Eigentlich sollte das Gebäude an der Weßlinger Straße längst abgerissen werden, nachdem der Jugendtreff in die Ortsmitte verlegt worden war. Doch der Plan, auf dem Areal ein neues Kinderhaus zu bauen, wurde verworfen, weil die Kommune dafür an dem Standort derzeit keinen Bedarf sieht. Bürgermeister Stefan Siegl (FW) machte sich deshalb stark für eine gemeinnützige und sinnvolle Nutzung des leer stehenden Hauses. Er sei von dem Angebot und den Leistungen der Offenen Werkstatt sehr angetan und sehe darin ein „Vorbild, Dinge zu erhalten“, das die Gesellschaft und Jugend brauche, erklärte Siegl in der Gemeinderatssitzung. Mit dem ehrenamtlichen Engagement und dem Austausch über Generationen hinweg leiste dieser Verein mit seinen mehr als 50 Mitgliedern einen „spürbaren Beitrag zum Gemeinwohl in Gilching“, betonte der Rathauschef. Zudem spare man sich die Abrisskosten von rund 80 000 Euro.

Doch ein Selbstläufer war der Antrag keineswegs. Im Gemeinderat wurde gefragt, ob ein Finanzkonzept für das Projekt vorgelegt worden sei. Überdies sollten bei einem Ortstermin das frühere Jugendhaus genauer angesehen und geprüft werden, ob doch noch Kosten auf die Gemeinde zukommen könnten. In diesem Moment erhielt Gerald Freundl vom Vorstand des Vereins im Gremium das Rederecht. Der Elektroingenieur nutzte die Chance und überzeugte die Gemeinderäte. So werde man in Eigenleistung unter anderem die Elektrik installieren und das Gebäude nutzbar machen. Über Spenden, Beiträge und Förderungen habe der Verein bereits 30 000 Euro zur Verfügung. Zwar seien nach erster Kalkulation wohl 50 000 Euro notwendig, aber diese Lücke werde zu schließen sein, so Freundl.
Die Unterhaltskosten muss der Verein tragen. Außerdem muss er die Außenanlage pflegen, die auch Jugendliche nutzen dürfen. Bei der Offenen Werkstatt Gilching machen Maschinenbau- und Elektroingenieure, Handwerksmeister, IT-Fachleute und Pädagogen mit, die mit dem Repaircafé kooperieren und auch junge Menschen bei der Berufsorientierung unterstützen. Die Besucher können schweißen, bohren, sägen, drechseln und fräsen. Eine Dreh- und mehrere Drechselbänke sowie Werkzeuge, Maschinen und eine Fahrradwerkstatt stehen zur Verfügung. Und mit einem 3D-Drucker werden kleine Igel-Tore hergestellt, die die Werkstatt-Aktiven gratis in Zäune einbauen.

